Heinsberg: 150 Kinder sind fasziniert von „Ein Schaf fürs Leben”

Heinsberg: 150 Kinder sind fasziniert von „Ein Schaf fürs Leben”

Es ist ein kalter Winterabend. Ein eisiger Wind pfeift über die Bühne in der Begegnungsstätte in Heinsberg. Im Zuschauerraum sitzen rund 150 Kinder der Grundschulen Porselen und Kempen und halten fasziniert den Atem an.

Denn im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Theaterstarter” ist beim Theater Marabu aus Bonn der nicht vorhandene Vorhang aufgegangen zum Theaterstück „Ein Schaf fürs Leben”, nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Maritgen Matter - ausgezeichnet mit dem Kinder- und Jugendliteraturpreis.

Missmutig trottet der Wolf mit seinem Schlitten durch den Schnee. „Hunger, Hunger, Hunger!”, murmelt er im Takt seiner Schritte. Als er oben auf dem Hügel ankommt, sieht er einen einsamen Bauernhof. „Das sieht mir nach einem netten Restaurant aus.” Seine Augen leuchten. Und dann nimmt eine wunderbar witzige Begegnung, wie sie ungewöhnlicher nicht sein, ihren spannenden Verlauf.

Ins Land „Erfahrungen” entführt der vermeintlich schlaue Wolf das scheinbar einfältige Schaf. Und am Schluss retten sie sich dort gegenseitig das Leben und erfahren echte Freundschaft.

Gelungen inszenierte das Theater Marabu die Geschichte als fantastisch musikalisches Hörspiel zum Sehen. Denn skurrile Geräuscheerzeuger, hölzerne Rasseln, blitzende Eierschneider und andere mysteriöse Gegenstände hängen sichtbar an den Mikroständern und kommen erzählerisch virtuos zum Einsatz. Der Wolf kratzt am Mikrofon, seine Tatzen knirschen auf dem eiskalten Schnee, sein Magen knurrt. Das Schaf dagegen räkelt sich, im wohlig warmen Stall, singt und kichert vergnügt vor sich hin und strickt zufrieden an der eigenen Wolle.

Wolf und Schaf werden gekonnt in Szene gesetzt von den Schauspielern Tina Jücker und Tomasso Tessitori, nicht naturalistisch, sondern in Menschengestalt. Der Wolf schleicht sich im schwarzen Nadelstreifenanzug an, und das Lamm tapst im Dirndl über die Bühne.

Beide hauchen, röcheln und zischen ins Mikrofon, machen ihre Gedanken hörbar und liefern zwischendurch unterhaltsame pantomimische Einlagen. Ein hinreißend sinnliches Theatervergnügen, das in seiner Abstraktion und zurückhaltenden Bühnenausstattung genügend Raum für die kindliche Phantasie ließ. Die Kinder dankten es mit 50 Minuten gebannter Aufmerksamkeit und lautem Applaus.