Aachen: 1400 Narren bejubeln über 300 jecke Stars

Aachen: 1400 Narren bejubeln über 300 jecke Stars

Gutes tun und dabei mächtig Spaß haben - kein Problem. Die „jecke” Idee ist längst zu einem der Höhepunkte im Öcher Karneval avanciert: Mit viel Hazz, reichlich Leddchere und einem begeisterten Publikum geriet das 15. Festival der Oecher Lieder zur vierstündigen Show närrischen Frohsinns.

1400 bunt kostümierte Gäste erlebten im Eurogress ein Großaufgebot karnevalistischer Leckerbissen. „Wir sind inzwischen zu einer großen Familie zusammengewachsen”, konnte AZ-Redakteur Manfred Kutsch, der das Festival zugunsten des AZ-Hilfswerks „Menschen helfen Menschen” wie stets moderierte, unter großem Beifall feststellen. Allein 303 Mitwirkende traten ohne Gage auf. Und die rissen nicht nur die „Eingeborenen” immer wieder von den Sitzen.

Mit Jacques Königsteins „Oh, sag mir das noch einmal” brachte die Kapelle Michael Holz das Publikum sogleich in Fahrt, bevor der Nachwuchs die Bühne eroberte - allen voran die Kinderabteilung der Närrischen Garde mit Kommandant Norbert Mertens. Die frisch gebackenen Träger des Zentis-Kinderkarnevalspreises verzückten mit ihrem possierlichen Mini-Musical vom „Dschungelbuch”. Traditionell wurde sodann Märchenprinz Philipp I. auf den Schultern des Moderators hereingetragen. Und nicht einer widersprach, als Philipp und sein imponierendes Gefolge anstimmten: „Ja, bei uns ist schwer was los.”

Einen neuen Sound präsentierten die feurigen Lennet Girls des AKV mit ihrem Hit „Öcher Fasteleär, das ist unsere Zeit”. Sie ernteten stehende Ovationen. „Nun lasst uns alle schunkele, wir stehen alle auf”, sangen die stimmgewaltigen Öcher Stadtmusikanten, und das Auditorium ließ sich nicht lange bitten.

Angesteckt von der ausgelassenen Stimmung enterte AZ-Chefredakteur Bernd Mathieu, Vorsitzender des Vereins „Menschen helfen Menschen”, in närrisch-lässigem Outfit die Bühne, griff zur Trumm und gab beim Potpourri Alt-Aachener Leddchere den Takt vor. Nicht in einer „Knappenrede”, wie er in Anspielung auf die jüngste große Ordensverleihung scherzte, sondern in einer „knappen Rede” dankte er allen Künstlern, der Sparkasse für die Unterstützung des Festivals sowie natürlich dem Publikum für seine Spenden durch den Kauf der Eintrittskarten.

Die Gaudi war perfekt, als die Prinzengarde zum „Hurra tsching bumm” anstelle des Prinzen Alwin I. eine Prinzessin nebst weiblichem Hofstaat eskortierte - die Gattinnen der erlauchten Obernarren. Soledad Fiebus gab einen vielsagenden Einblick in die Ehe mit Tollität: „Zuhause bin ich die Prinzessin, er ist das Aschenputtel, das den Staubsauger in die Hand kriegt.” Dann rockte das Publikum mit dem echten Prinz va Oche zum „Öcher Bend im Dreiländereck”. Der Saal kochte bei Twist und heißer Samba der Spetzbouve.

Tosende Begeisterung löste das Tanzcorps „Westerwaldsterne” mit seinen akrobatischen Hebefiguren und fliegenden Mariechen aus. Die Gäste kamen übrigens als Geschenk von Hubert und Inge Geulen, den Mullefluppet-Preisträgern 2011. Überschäumender Frohsinn herrschte beim Auftritt der 4 Amigos, der singenden Mannslü mit Lava im Blut. Orkanartige Sympathiebekundungen erntete „Paul Pooetz”, alias Ren Brandt, als Heldentenor. Auch Hans Montag besang „Aachen, die Stadt meiner Träume” und bekannte: „Mit Leäv än Siel hang ich an Oche”. Der Zeitpunkt fürs Urgestein Lennet Kann in Gestalt von Dirk von Pezold war gekommen; enthusiastisch stimmten die Gäste in sein jeckes Potpourri ein.

Mit einem Großaufgebot von 122 Mann bevölkerte die Oecher Penn die Bühne. Die Soldaten, Fähnriche und Offiziere präsentierten mit Tanzpaar Nadine und Frank eine „Fröhliche Weinreise” durchs „Bermuda-Dreieck” Aachen-Köln-Düsseldorf. Choreographie und Einstudierung waren ein erneutes Meisterstück von Hildegard und Peter Schnitzler, den die Penn nach fünf Jahrzehnten zu ihrem Generalballettmeister ernannt hat. 1958 war Schnitzler mit seiner Frau als Ballettmeister ans Stadttheater gekommen. Damals wird er nicht geahnt haben, was ihn im 21. Jahrhundert noch mit dem Festival der Öcher Lieder verbinden würde - Kultstatus haben beide längst.

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