Wenn bei der Sparkasse Düren 50 Cent drei Euro kosten

Von: Carsten Rose
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Wer denn Cent noch ehrt, muss bei manchen Banken Gebühren bezahlen, um ihn in größeren Mengen zu bekommen. Foto: imago/Westend61

Düren. Für 50 Cent drei Euro bezahlen? Die Frage, die sich Horst W. kürzlich in der Sparkasse Düren gestellt hat, als er einen halben Euro in eine Rolle Ein-Cent-Münzen umtauschen wollte, klingt absurd. Weil die Antwort ja lautet, hält Horst W. diese Rechnung nicht nur für absurd, sondern auch für unverschämt. Was steckt dahinter?

Seit dem 1. Juli nimmt die Sparkasse Düren Gebühren für Münzrollen: 25 Cent pro Rolle, aber mindestens 2,50 Euro, was zehn Rollen entspricht. Jeder, der also von der Bank Rollengeld haben möchte, zahlt drauf. So kommt es auch, dass die Gebühren von Horst W., der nur eine Rolle benötigt hatte, fünfmal höher waren als die eigentliche Summe, die er umtauschen wollte – ein Minusgeschäft par excellence.

Warum die Bank die Gebühren eingeführt hat, erklärt Pressesprecher Dirk Hürtgen damit, dass „Hartgeld ein teures Produkt für Banken ist“, was auch an der neuen Bargeldprüfverordnung liege. Unter anderem müsse die Echtheit des Geldes zertifiziert werden, die Umverpackungen seien nicht umsonst, es gebe Auflagen für die Geldannahme – und zudem wickelt die Sparkasse Aachen als Dienstleister alle Arbeiten ab.

Das nennt sich „Bargeldmanagement im Hartgeld“ und kostet. „Wir geben unsere Kosten eins zu eins an den Kunden weiter. Es ist also nicht so, dass wir als Sparkasse Düren Gewinn machen oder andere Erlösminderungen kompensieren“, erklärt Hürtgen. „Im Einzelfall kann das teuer werden, ja.“

Horst W. ist einer dieser Einzelfälle. Dessen Beschwerde, die unsere Redaktion erreicht hat, sei laut Hürtgen die bislang einzige, die er mitbekommen habe. Hürtgen spricht bewusst von einem Einzelfall, weil Privatkunden wie Horst W. den Münzgeld-Service nicht oft nützen würden ( siehe Meinungsbarometer unserer Online-Umfrage).

Oder besser gesagt: nicht so regelmäßig wie der Einzelhandel. „Die Geschäftsleute haben wir im Juni Wochen vor der Umstellung darüber informiert. An die Privatkunden ging kein Schreiben, dafür gibt es ein Hinweisschild am Automaten. Wir sind auch nicht verpflichtet, diese Änderung in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufzunehmen“, erläutert Hürtgen.

Kunden nach Kleingeld fragen

Zu den Geschäftsleuten, die auf Hartgeld angewiesen sind, zählen Händler des Dürener Wochenmarkts. Deren Sprecher Oliver Hintzen sagt, dass für ihn jetzt monatlich zusätzlich 50 bis 80 Euro Gebühren anfallen würden. Unter den Händlern sei man sich einig, sagt Hintzen: „Dass Gebühren an Kunden weitergegeben werden, ist nachvollziehbar.

Wir machen das ja auch. Nur passt das Verhältnis bei den neuen Gebühren nicht. Wir werden unsere Kunden jetzt gezielt danach fragen, ob sie mit Kleingeld bezahlen können.“ So müssten die Händler nicht mehr so oft zur Bank gehen und würden mögliche Gebühren sparen.

Uwe Gunkel, Inhaber eines Elektro-Fachgeschäfts und Vorsitzender der City Ma in Düren, sagt, dass von Händlerseite aus „natürlich niemand begeistert ist“ von den neuen Gebühren, der Schritt betriebswirtschaftlich aber nachvollziehbar sei. 25 Cent pro Rolle hält auch Gunkel für sehr hoch, zumal er selbst nun Münzrollen für 14 Tage im Voraus holt – früher waren es drei Rollen.

Die neuen Gebühren – von denen er einen Tag vorher erfahren habe, obwohl er täglich zur Bank gehe – seien eine weitere finanzielle Belastung. Im Schnitt würden bereits gut 200 Euro Gebühren monatlich für EC-/Kreditkartenzahlungen anfallen. „Heute wird fünfmal so viel mit Karte bezahlt als noch vor zehn Jahren“, betont Gunkel.

Angesichts dieser Entwicklung sagt Rainer Guthausen von der IG City, dass der nächste Schritt wohl sei, dass Preise gerundet würden (Beispiel: von 98 Cent auf einen Euro) und so Ein-, Zwei- und Fünf-Cent-Münzen obsolet würden.

Die Commerzbank zum Vergleich erhebt keine Gebühren für Privatkunden; Geschäftskunden zahlen dagegen 40 Cent pro Rolle (ohne Mindestanzahl) und 1,40 Euro pro Vorgang. Die Düsseldorfer Zentrale teilte mit, dass die Gebühren Teil einer Strategie seien, „das Niedrigzinsumfeld aufzufangen“.

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