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Stadt lehnt Bewohnerparkausweis ab: 84-Jährige muss zahlen

Von: Werner Breuer und Achim Kaiser
Letzte Aktualisierung:
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In den vergangenen Wochen und Monaten der Krankheit ihrer Freundin hat die 84-Jährige schon rund 300 Euro für Parkgebühren ausgegeben. Foto: dpa

Aachen. „Es ist unfassbar, dass die Stadt Aachen in einer Notsituation kein Verständnis und kein Entgegenkommen zeigt“, ärgert sich die Frau, die wir an dieser Stelle mal Therese nennen (ihr wirklicher Name ist der Redaktion bekannt). In Not sind zwei Freundinnen von ihr, und das Bewohnerparken im Frankenberger Viertel macht es für sie noch schwieriger.

An der Oppenhoffallee wohnt die 90-jährige Freundin von Therese. Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt sei sie nach Hause entlassen worden, berichtet Therese, ein Kurzzeitpflegeplatz sei nicht zu finden gewesen. Die alte Dame sei jedoch auf Hilfe angewiesen.

Dass sie über den gesetzlichen Pflegedienst hinaus zusätzliche Betreuung braucht, bescheinigt ihr ein ärztliches Attest. Und so zieht eine 84-jährige Freundin zu ihr in die Wohnung im dritten Stock, um sich um die alltäglichen Dinge zu kümmern. Dabei ist sie selbst gehbehindert und hat zwei Operationen hinter sich.

Der Freundschaftsdienst wird zu einer teuren Angelegenheit: Die 84 Jahre alte Dame wohnt selbst in einem anderen Teil der Stadt, sie hat zwar ein Auto, aber keinen Bewohnerparkausweis für diesen Bereich im Frankenberger Viertel. Also zieht sie Parktickets aus dem Automaten, was ganz ordentlich ins Geld geht.

In den vergangenen Wochen und Monaten der Krankheit ihrer Freundin habe die 84-Jährige schon rund 300 Euro für Parkgebühren ausgegeben, berichtet Therese. Und es kommt noch einiges auf sie zu, denn ihre Freundin bleibe noch eine Weile pflegebedürftig. Da dürften wohl etwa 700 Euro im Parkscheinautomaten verschwinden, meint Therese, „die Stadt macht aus dieser Notsituation einen finanziellen Gewinn“.

Dabei müsste das doch einfacher gehen, hatte sie zunächst gedacht und versucht, für die 84-jährige Helferin einen Bewohnerparkausweis zu bekommen. Zeitlich befristet sollte der sein und er wäre „nach Gebrauch selbstverständlich sofort zurückgegeben worden“. Doch die Stadt lehnte das Ansinnen ab. „Wir sind nur auf Widerstand gestoßen und auf Paragrafen und amtliche Regelungen hingewiesen worden“, beklagt Therese.

Bei der Stadt sind derartige Anfragen keine Seltenheit. „Wir haben vielerlei ähnlich gelagerte Fälle“, sagt Rita Klösges vom städtischen Presseamt. Grundsätzlich zuständig sei der Bürgerservice. Dort können Bewohnerparkausweise beantragt werden. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Beantragung seien ein Hauptwohnsitz innerhalb der jeweiligen Parkzone sowie eine Zulassung des Fahrzeugs auf den Antragsteller innerhalb der Parkzone.

„Da in dem beschriebenen Fall beide Kriterien nicht erfüllt werden, kann auch kein Bewohnerparkausweis ausgestellt werden“, sagt Rita Klösges. Sie rät den Damen, sich an die Leitstelle „Älter werden in Aachen“ zu wenden. Vielleicht könne von dort noch ein Hinweis kommen. „Wir können hier keinen Präzedenzfall schaffen“, sagt Klösges, auch wenn ihr die Besonderheit des Falles – 84-Jährige kümmert sich um 90-Jährige, die in der vielbeparkten Oppenhoffallee wohnt – bewusst ist. Aber: „Es gibt auch jüngere Leute, die alleine leben und monatelang extern betreut werden müssen.“

Therese denkt hingegen mehr an alte Menschen. „Sie leiden immer mehr“, findet sie, „sie werden einfach nicht gesehen und bleiben hilflos zurück.“ Es werde zu wenig darauf geachtet, was alte Menschen noch sehen und tun könnten, das sei achtlos und unwürdig. „Kalt und nüchtern wird abgelehnt!“

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