Düren - Und die Arena erbebt in ihren Grundfesten

Und die Arena erbebt in ihren Grundfesten

Von: Peter Leuchter und Franz Sistemich
Letzte Aktualisierung:
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Schnelle Reaktion der Fans: Herbert Hannes (links) und Josef Kaulen mit dem schriftlichen Hinweis auf das Pokalfinale. Foto: ruba

Düren. Es wäre kein Wunder, wenn die Hals-, Nasen- und Ohrenärzte des Dürener Raumes am Silvestertag und am ersten Tag des neuen Jahres mehr Notfallpatienten als üblich hätten behandeln müssen.

Der größte Teil der zusätzlichen Männer und Frauen wäre mit Sicherheit Besucher des Pokalhalbfinales zwischen Evivo Düren und dem VfB Friedrichshafen am Mittwochabend gewesen.

Der Grund: Die Dürener Fans veranstalteten einen Heidenlärm, überboten auch mit ihren Hilfsmitteln die Stimmung bei den schon legendären Heimsiegen über den VfB während der Finalserie 2006.

Um 21.23 Uhr erbebte die Arena in ihren Grundfesten: Nicolai Kracht blockte einen Angriff der „Häfler” zwar ins Aus, den Ball gaben die Schiedsrichter aber zum 25. Punkt für Düren im vierten Satz gut.

Und weil die Hausherren schon den ersten (25:22) und den dritten 25:16) Abschnitte gewonnen und nur Nummer zwei 14:25 verloren hatten, bedeutete Krachts Aktion den Einzug in das Pokalendspiel am 7. März in Halle.

Es war die Hölle los: „Gassenhauer” wie „Viva Colonia” dröhnten durch die Arena, die Fans skandierten „Finale hohoho”, Dürens Zuspieler Ilja Wiederschein sprang Physiotherapeut Michael Braun in die Arme, der an der Schulter operierte Alex Mayer stürzte sich in den Freudentaumel, unbeschreibliche Jubelszenen spielten sich nach dem doch überraschenden Sieg über den in der aktuellen Spielzeit auch auf europäischer Ebene ungeschlagenen Spitzenreiter der Volleyball-Bundesliga ab.

So hatten die Protagonisten des Erfolges doch Mühe, ihren Coup Minuten nach dem Erfolg in Worte zu fassen. Kapitän Jan Umlauft gestand „total euphorisch, dass mir immer noch die Beine zittern.” Eine Gänsehaut hatte er schon bekommen, als er zum Aufwärmen in die Arena kam und die zu diesem frühen Zeitpunkt schon gut besetzten Reihen sah.

Und während der Partie schüttelte es ihn gänsehautmäßig noch mehrmals angesichts der Stimmung, die die 2700 Anhänger verbreiteten.

Speziell im vierten Satz dieses für Umlauft in den beiden ersten Abschnitten „komischen Spiels mit vielen Fehlern” sorgten Dürens Fans für einen zusätzlichen Adrenalinschub. Und da kam der Zeitpunkt, an dem Umlauft sicher war: „Wir gewinnen die Partie, fahren nach Halle!”

„Ganz finstere Balkanzeiten”

13:10 führte sein Team, als der Rückkehrer aus Montpellier in den Gesichtern der Gegner erste Verzagtheit erkannte: „Ab dann war es ein Psychospiel!” Den Mannen von Stelian Moculescu, glaubte Umlauft, spukte spätestens jetzt die Erinnerung an denn 30. Dezember 2008 durch den Kopf. In Haching verlor der VfB das Halbfinale ebenfalls im dritten Satz. „Jetzt lagen sie wieder zurück, das lähmte sie doch!”

Und so steuerte Evivo auf einen Erfolg zu, den den Trainer als Ergebniseines „richtig geilen Spiels” ansah, „das aber nicht unser bisher bestes war.”

Schon beim Meisterschaftsspiel in Unterhaching oder im Viertelfinale gegen den SCC Berlin habe seine Mannschaft sehr gute Leistungen abgerufen, befand Anton, dem VfB-Coach Stelian Moculescu mit einer Umarmung zum Sieg gratulierte.

So sehr der Friedrichshafener Trainer den Erfolg Evivos als „verdient” anerkannte, auch weil der VfB „deppert” war, so sehr haderte er mit den Leistungen der Schiedsrichter: „Zwei bis drei Bälle pro Satz haben die gegen uns entschieden, das erinnert mich an ganz finstere Balkanzeiten.”

So ganz Unrecht hatte der Trainer nicht: Selbst die Dürener sprachen davon, dass sie von so einigen Entscheidungen der Referees profitiert hätten. Egal, jetzt hat Evivo die Hand am Pokal, aber zunächst ruft wieder die Bundesliga: „Am Donnerstag müssen wir gegen Rottenburg gewinnen!”, forderte Sven Anton. Und dann heißen die Gegner Berlin, Bühl und - Friedrichshafen.
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