Düren - Schüler bändigt das Chaos im Bürgerbüro

Schüler bändigt das Chaos im Bürgerbüro

Von: Mischa Wyboris
Letzte Aktualisierung:
kidsclub-bu
Bällebad-Rabauken: Schüler Harry Kolenda betreut junge Knirpse im „Evivo Kids Club”. Foto: Mischa Wyboris

Düren. Harry Kolenda ist 18 Jahre alt und hat zwölf Kinder. Aber nur samstags. In der Woche sind es manchmal auch nur vier oder fünf. „Nein”, sagt der Schüler des Stiftischen Gymnasiums Düren, er sei noch nicht Vater.

Trotzdem liegt ihm so etwas wie Erziehung am Herzen. „Ein Stück Wertevermittlung” nennt der Abiturient in spe, was er zusammen mit elf Betreuerinnen beim „Evivo Kids Club” im Bürgerbüro jeden Montag und einmal im Monat auch samstags leistet.

„Nein”, sagt Harry Kolenda wieder, mit Abschiebetaktik habe das nichts zu tun, wenn die Eltern ihre Kinder gegen eine Pauschale von 2,50 Euro für bis zu drei Stunden im Bürgerbüro abgeben.

„Für das Geld findet man nirgendwo einen Babysitter”, weiß Kolenda, fügt aber auch hinzu: „Die Eltern wollen ihre Kinder nicht einfach loswerden.” Sondern sie während eines größeren Einkaufs in guten Händen wissen.

Dreiviertel der Kinder seien „Stammgäste”, und „samstags ist es hier rappelvoll”, betont der Betreuer. Zwölf kleinen Knirpsen bietet der „Evivo Kids Club” gleichzeitig Platz, betreut werden Ein- bis Zwölfjährige.

Er habe es hauptsächlich mit zwei bis sechs Jahre jungen Kindern zu tun, sagt Kolenda. Deren Eltern müssen neben ihrem Namen vor allem ihre Handynummer da lassen - falls mal was ist. In ganz seltenen Fällen will ein Knirps auch schon mal von Mama abgeholt werden, und zwar lange bevor die mit ihrem Einkauf fertig ist.

„Nein”, sagt Harry Kolenda, es mache ihm überhaupt nichts aus, sich als einziger Mann in einem Zwölfer-Team um die Kinder zu kümmern, sie zu wickeln, mit ihnen zu basteln, Spiele zu spielen oder hin und wieder einen Rabauken mit einem Pflaster zu versorgen. „Wir haben hier so ziemlich alles, was das Kinderherz begehrt”, erklärt Kolenda zwischen Eisenbahn und Rutsche, Bällebadbottich und Basteltisch, „nur einen Fernseher haben wir hier nicht.” Im Sinne einer pädagogisch anspruchsvollen Beschäftigung auch nicht das Falscheste.

„Nein”, meint Harry Kolenda im Hinblick auf erzieherisches Einwirken, „wir können keine Arbeit leisten, die die Eltern nicht vorher schon geleistet haben.” Aber: Bei vielen der regelmäßig betreuten Kinder habe er eine Entwicklung gemerkt. „Sie haben mit der Zeit ihre Schüchternheit abgelegt und sind offener geworden.”

Ob er nach seinem Abitur im kommenden Jahr und nach seinem Studium denn einen pädagogischen Beruf ergreifen wolle? „Nein”, sagt Harry Kolenda. Er sehe sich selbst beruflich eher im wirtschaftlichen oder politischen Metier. Ob er sich nicht Kinder wünsche? „Doch”, sagt Harry Kolenda, „ich stelle es mir schön vor, Werte, Selbstständigkeit und einen breiten Horizont zu vermitteln - das ist noch wichtiger als pure Bildung.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert