Evivo: „Unser Konzept ist nicht aufgegangen”

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
evivo_21_bu
Spannende Spielszenen gab es reichlich, doch zu wenige Siege. Foto: Guido Jansen

Düren. Nominell gehört Evivo Düren zu den Spitzenmannschaften der Volleyball-Bundesliga. Die Tabelle sagt etwas anderes. 12:12 Punkte, Platz sechs. Die Top drei sind uneinholbar weit weg. Der Sprung auf Platz vier ist genau so nah wie das Abrutschen auf Rang elf.

„Unser Konzept ist nicht aufgegangen”, lautete die Analyse des sportlichen Leiters Goswin Caro. Evivo hat einiges riskiert, um mit den wesentlich finanzkräftigeren Klubs aus Berlin, Unterhaching und Friedrichshafen mitzuhalten. Das Risiko bestand in dem Versuch, Michael Olieman und Christian Dünnes gleichzeitig auf dem Spielfeld zu haben. Es wäre das schlagfertigste Duo der Liga gewesen.

Aber es funktioniert nicht. Olieman wird zwar beständig besser, ist aber noch nicht auf dem notwendigen Top-Niveau angekommen. Und Dünnes kam von der Weltmeisterschaft zurück und hatte akute Knie-Probleme. Ein Einstudieren der neuen Aufstellung war nicht möglich.

Eine konservativere Planung mit Spielern, die vielleicht nicht so viel Potenzial, dafür aber auch weniger Risiko mitbringen, wäre die bessere Lösung gewesen. Dazu muss gesagt werden, dass auch der Rest der Liga daneben lag. Als die Dürener Personal-Pläne bekannt wurden, zählten die Experten Evivo zu den Top-Favoriten.

Ein weiterer Nachteil: Stefan Hübner, der spektakulärste Transfer des Sommers in der gesamten Liga, ist nach wie vor verletzt. Das Debüt gibt´s frühestens im späten Februar. „Hübner hat im Frühjahr noch den Europapokal gewonnen, Dünnes hat eine gute WM gespielt. Dass sie beide angeschlagen sind - das hatten wir nicht auf der Rechnung”, so Caro.

Genau so wenig wie die Tatsache, dass der langjährige Regisseur Ilja Wiederschein seine Karriere beendet hat. Anfang Dezember geschah das aus privaten Gründen. Drei Wochen später wurde Abwehrchef Fabian Kohl am Knie operiert und fehlt seit dem.

Der Tiefpunkt war erreicht, als eine müde, angeschlagene und neu zusammen gewürfelte Dürener Mannschaft Ende Dezember in eigener Halle chancenlos gegen die Netzhoppers Königs Wusterhausen war. Seitdem geht´s aufwärts.

Die Perspektiven für die Rückrunde: Platz eins bis drei als Ausgangsbasis für die Playoffs sind definitiv weg. Die Top-Spiele gegen die ersten Vier hat Düren in der Rückrunde alle zu Hause. Dazu so wichtige Spiele wie morgen gegen Mitteldeutschland oder Rottenburg. Schlüsselspiele auswärts sind die in Bühl, Bottrop, Gotha und bei den Netzhoppers. 9:3 statt, wie in der Hinrunde, 6:6 muss die Bilanz sein. „Die Rückrunde wird ein Hauen und Stechen”, sagte Goswin Caro.

Personal: Bis auf Stefan Hübner stehen in Kürze wieder alle Spieler zu Verfügung. Das Zusammenspiel mit den im Dezember verpflichteten Matthew Young und Kamil Kacprzak wird besser.

Spielweise: Den Abgang von Wiederschein hat die Mannschaft nach wie vor nicht verkraftet, aber sie zeigt Ansätze, ihn kompensieren zu können. Das Dünnes/Olieman-Experiment gilt als gescheitert. Nach überstandener Verletzung kehrt Dünnes als Hauptangreifer zurück, Olieman ist eine hochklassige punktuelle Verstärkung. Evivo braucht ein Gegengewicht zu Dünnes im Angriff. Der Trainer hofft auf Kamil Kacprzak.

Spielplan: Der ist lange nicht so brutal wie in der Hinrunde. Mit dem Europapokal hatte Evivo innerhalb von zwei Monaten sechs Spiele mehr als die meisten anderen Teams. „Jetzt kommen wir endlich in den Rhythmus, dass wir nur noch ein Mal pro Woche spielen”, erklärte Anton. Das lässt mehr Zeit für„s Training. Gut möglich, dass Düren hier im Liga-Vergleich noch einmal einen großen Sprung nach vorne macht.

Fazit: Die Mannschaft hat realisiert, dass Platz vier oder fünf das Ziel sein muss. Und das Umfeld muss begreifen, dass Siege gegen die Top-Teams im Gegensatz zur Vorsaison eine absolute Überraschung wären. Denn eines kann die Mannschaft nach den Tumulten der vergangenen Wochen sicher nicht gebrauchen: Unruhe.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert