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„Die Wildcard macht die Liga attraktiver“

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Rüdiger Hein
Rüdiger Hein, Geschäftsführer der Powervolleys Düren und Vizepräsident der Volleyball-Bundesliga. Foto: Kinkel
Erich Peterhoff
Erich Peterhoff ist Gesellschafter der Dürener Powervolleys. Foto: Kinkel

Düren. Zum ersten Mal hat die Volleyball-Bundesliga eine Wildcard für die Bundesliga vergeben – an die Alpenvolleys Hypo Tirol. Der Verein, ein Zusammenschluss von Hypo Tirol Innsbruck und Generali Haching, der sich vor drei Jahren aus der 1. Liga zurückgezogen hat, wird einen Teil der Spiele in Deutschland, einen Teil in Österreich austragen.

Aber welche Konsequenzen hat das? Wird der deutsche Volleyball-Meister demnächst in Österreich ermittelt? Fragen, die Sandra Kinkel und Franz Sistemich Rüdiger Hein (64) und Erich Peterhoff (48) gestellt haben. Hein ist Geschäftsführer der Powervolleys und Vizepräsident der Volleyball-Bundesliga, Peterhoff Gesellschafter des Dürener Klubs.

Herr Hein, die Volleyball-Bundesliga hat sich entschlossen, den Alpenvolleys Hypo Tirol eine Wildcard Saison zu geben. Warum?

Rüdiger Hein: Es stimmt, die Alpenvolleys haben eine Wildcard bekommen. Das hat der Vorstand der Volleyballliga so beschlossen. Die Vereine der Männer-Bundesliga haben mehrheitlich zugestimmt. Wir haben vor zwei Jahren diskutiert, ob eine Wildcard-Regelung vernünftig ist. Dies vor dem Hintergrund, dass die Liga sehr viel Arbeit in die Zweite Liga investiert hat, um sie weiterzuentwickeln. Dies ist aber nach wie vor sehr schwierig. Unser Ziel ist es, aus der Zweiten Liga Vereine zu entwickeln, die auf Dauer in der Ersten Liga mithalten können, um die Liga-Stärke – zurzeit zwölf Vereine – halten oder sogar auf 16 erhöhen zu können.

Warum ist das schwer?

Hein: Es fängt damit an, dass in der Zweiten Liga die Hallen nicht zur Verfügung stehen, die für die Erste Liga vom Vorstand gefordert werden. Zuschauerzahlen von 150 Leuten sind keine Seltenheit. Daraus folgt, dass es in der Zweiten Liga weniger Sponsoren gibt. Die Etats der Zweit-Liga-Vereine sind um ein Vielfaches geringer als diejenigen der Ersten Liga. Allein um in der ersten Liga mitspielen zu können, ist ein Mindestetat von 250.000 Euro vorgeschrieben.

Diese Summe ist aber von der Mehrheit der Zweitliga-Vereine nicht zu stemmen. All das war für den Ligavorstand Anlass, eine Wildcard zu vergeben. Gegen eine einmalige Gebühr, in diesem Fall 50.000 Euro, wird einem Verein ermöglicht, eben nicht in der Verbandsliga anfangen und den Durchmarsch bis in die Erste Liga über fünf oder sechs Jahre finanzieren zu müssen, sondern er kann gleich in der Ersten Liga beginnen. Neben der Gebühr, die zu erbringen ist, muss auch ein deutlich höherer Mindestetat erbracht werden können.

Dieser Etat ist vom Verein, der die Wildcard haben möchte, für mindestens drei Jahre zu garantieren und zwar durch Sicherheiten, wie etwa eine Bankbürgschaft. Der Vorstand der Liga macht sich die Vergabe einer solche Wildcard nicht leicht. Es gab auch 2016 Anfragen von anderen Klubs. Das eingereichte Konzept wird von Wirtschaftsprüfern geprüft. Erst dann, wenn sichergestellt ist, dass eine Nachhaltigkeit tatsächlich anzunehmen ist, kann eine Wildcard erteilt werden.

Herr Peterhoff, wie stehen Sie zur Wildcard?

Erich Peterhoff: Die Entscheidung, eine Wildcard zu vergeben, finde ich gut, weil es so ein langer, steiniger Weg ist, sich für die Erste Liga zu entwickeln. Natürlich wäre mir ein sportlicher Aufsteiger sympathischer.

Aber ist es nicht gerade das, was den Sport ausmacht, einen langen und steinigen Weg zu gehen?

Peterhoff: Ja, aber wenn ein Umfeld gegeben ist, dass sich in einem Land fast alles auf Fußball konzentriert und man als Randsportart eigentlich keine Chance hat, ein bestimmtes Level zu erreichen, sollte man die Möglichkeit nicht verschließen, dass über eine Wildcard ein Bundesligastandort entwickelt wird. Oder man könnte auch sagen erkauft wird. Aber am Ende ist ein Sponsoring, das man dem Verein zur Verfügung stellt, ja auch das Erkaufen von Möglichkeiten.

Sie sprechen von „erkaufen“. Haben wir dann im Volleyball Verhältnisse wie im Fußball? Über Klubs wie Leipzig und Hoffenheim wird viel geschimpft.

Hein: In der Volleyball-Bundesliga gibt es nur wenige Vereine, die dem Anspruch einer Traditionsmannschaft entsprechen. Etwas anderes ist aber in dem Zusammenhang wichtig: Es wirkt sich entscheidend auf die Qualität der Spieler aus, wie viele Spiele gegen wirkliche Konkurrenten geleistet werden müssen. Nur Spiele, die die Spieler tatsächlich fordern, führen zu einer Weiterentwicklung.

Solche Spiele braucht unsere Liga mehr. Durch die Wildcard-Regelung wird es gelingen, das Niveau der Liga zu steigern und einen ausgeglicheneren Wettbewerb zu haben. Der neue Klub wird einen ordentlichen Etat und professionelle Spieler haben. Gerade für das Mittelfeld der Liga mit Mannschaften wie Düren und Lüneburg werden die Alpenvolleys ein attraktiver Gegner sein.

Es gibt Stimmen, die behaupten, als Haching sich für die Wildcard beworben hätte, sei von einer Kooperation mit Innsbruck noch nicht die Rede gewesen. Stimmt das?

Hein: Mir ist es nicht bekannt. Haching hätte ohne ein Sponsoring der Güte, wie es jetzt von Hypo Tirol kommt, die Wildcard gar nicht stemmen können. Das war von Anfang an klar. Peterhoff: Meine Wahrnehmung ist, dass Haching anfangs eine Wildcard beantragt hat, ohne offen zu legen, wer dahinter steckt.

Von welcher Summe sprechen wir überhaupt?

Hein: 500.000 Euro muss der Verein als Etat darstellen können plus die Sonderkosten, die entstehen. Aber ich möchte noch etwas zur Entwicklung des neuen Klubs sagen. Das Niveau der österreichischen Liga hat abgenommen, so dass es für diesen Verein und die Sponsoren keinen Anreiz mehr gab, den Klub weiter zu unterstützen. Auch die Zuschauerzahlen haben stark abgenommen. Die Kooperation mit Haching war eine Chance, hochklassigen Volleyball im Alpenland weiterhin zu erhalten.

Ist es kein Problem, dass Spiele der Volleyball-Bundesliga in der kommenden Saison auch im Ausland stattfinden werden?

Hein: Wir haben dieses Thema kontrovers diskutiert, aber es ist letztendlich kein Problem. Übrigens hat es Spiele im Ausland auch schon gegeben. Herrsching musste seinerzeit nach Innsbruck ausweichen, weil zu Hause die Vorgaben für die Halle nicht eingehalten werden konnten. Trotzdem ist es ein Unterschied, ob ein Spiel wegen Problemen mit der Halle im Ausland stattfinden muss, oder ob eine Kooperation zwischen einem ausländischen und einem deutschen Klub vereinbart wird und der ausländische Verein Mitglied der Deutschen Bundesliga wird

Sie sagen, Sie wollen mit diesem Konstrukt die Attraktivität der Liga stärken. Was sind die Nachteile?

Hein: Wir haben es mit einem Präzedenzfall zu tun, bei dem die Folgen genau abzuwägen sind. Stellen Sie sich vor, die Recycling Volleys Berlin würden irgendwann sagen, dass sie sich der polnischen Liga anschließen wollen, weil für sie die deutsche Liga nicht attraktiv genug ist. Auch diese Fälle müssen durchgespielt werden.

Am Ende ist entscheidend, dass der jeweilige nationale Verband – im Beispiel mit Berlin – die Volleyball-Bundesliga und der Deutsche Volleyballverband zustimmen müssen, wenn die polnische Liga auf deutschem Gebiet spielt. So war es auch bei den Alpenvolleys, der österreichische Verband hat zugestimmt, dass Spiele der Volleyball-Bundesliga auf österreichischem Gebiet stattfinden können.

Wo zahlt der neue Verein Steuern?

Hein: Der Verein und damit die Spieler werden nach österreichischem Recht besteuert. Wir haben von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft prüfen lassen, ob sich nicht für die Alpenvolleys Steuer- oder sonstige Vorteile ergeben, die dann zu Wettbewerbsverzerrungen führen könnten.

Gibt es solche Wettbewerbsverzerrungen?

Hein: Die Prüfung hat ergeben, dass nach den vorliegenden Zahlen in Deutschland rund 40.000 Euro mehr an Abgaben fällig wären als nach österreichischem Recht. Diese Summe müssen die Alpenvolleys zusätzlich an die Liga zahlen. Dann gibt es keine Verzerrungen mehr. Im Gegenzug wird es einen Beitrag der Liga für die übrigen Vereine zum Ausgleich der höheren Reisekosten geben.

Wo finden die Spiele statt?

Hein: Es werden Spiele in Innsbruck und in Unterhaching stattfinden. Es wird kein Entscheidungsspiel um die deutsche Meisterschaft in Österreich gespielt. Dies wird durch die Satzung ausgeschlossen. Im Übrigen sind die Alpenvolleys ein Verein mit deutscher Lizenz. Es zählt also die Mitgliedschaft in der Bundesliga, wonach sich auch ein eventueller Startplatz in einem europäischen Wettbewerb richtet.

Herr Peterhoff, wie stehen Sie dazu?

Peterhoff: Ich bin skeptisch. Wenn ein Teil der Spiele und das Training in Österreich stattfinden, ist das für mich keine Entwicklung eines deutschen Volleyballstandortes. Hein: Haching ist mit im Boot. Natürlich soll ein Standort, der bis jetzt schon in Sachen Volleyball attraktiv war, nämlich Innsbruck, gehalten werden. Daher werden die Spiele nicht komplett in Haching stattfinden, in einer vereinbarten Quote aber eben in Innsbruck und in Haching. Der Schwerpunkt des neuen Vereins wird sicherlich in Innsbruck liegen; so sind auch die Konzepte von Anfang an angelegt.

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