Aachen - Die letzte Seite im Reisepass wird nun gefüllt

Die letzte Seite im Reisepass wird nun gefüllt

Von: rom
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Jubel im Alemannia-Trikot: Ang
Jubel im Alemannia-Trikot: Angelina Grün wechselt für neue sportliche Ziele nach Moskau. Die Teilnahme an der Champions League soll auch den Weg zu den Olympischen Spielen 2012 ebnen. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Wenn am Samstag die Begegnung zwischen Alemannia Aachen und dem SC Potsdam in der Volleyball-Bundesliga gespielt sein wird, endet auch die Zeit von Angelina Grün nach nur neun Spielen. Bereits am Sonntagmorgen sitzt die 32-Jährige im Flugzeug nach Moskau, ihrer nächsten Station. Unser Redakteur Roman Sobierajski sprach mit der neunfachen Volleyballerin des Jahres.

Frau Grün, Sie spielen am Samstag gegen Potsdam Ihre letzte Begegnung in der Volleyball-Bundesliga für Alemannia Aachen. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in diese Partie, oder ist Ihr Fokus schon ganz auf den neuen Klub Dynamo Moskau ausgerichtet?

Grün: Nein, ich hoffe, dass wir ein schönes Spiel zeigen können und werde die Kulisse und das volle Haus genießen. Ich bin schon traurig, dass die schöne Zeit hier vorbei ist. Was mich dann in Moskau erwartet, dazu habe ich noch keine konkreten Vorstellungen.

Bis zu Ihrer ersten Partie in Russland an Heiligabend dürfte auch noch einiges an organisatorischen Dingen auf Sie warten?

Grün: Sicher. Ich muss mich noch von vielen Leuten verabschieden, meine Sachen packen. Und weil nur noch eine einzige Seite in meinem Reisepass frei war, wollte mir das russische Konsulat in Bonn kein Visum mehr ausstellen, und ich muss dafür extra nach Frankfurt fahren.

Wenn nur noch eine Seite frei ist, sind Sie in Ihrer Karriere viel herumgekommen. Ist die Entscheidung für die Alemannia nicht auch gefallen, um nach den Vagabundenjahren im Profisport endlich einen festen Lebensmittelpunkt zu finden?

Grün: Die Entscheidung für Moskau ist keine Entscheidung gegen Aachen. Genauso wie das Angebot der Alemannia damals gepasst hat, passt das Paket Moskau jetzt. Ich kenne die Mannschaft dort zwar nicht so gut, aber ich kann die Sprache und habe dort meine Wurzeln. Ich habe dann zwar nicht mehr die Luxussituation, mit meinem Freund Stefan Hübner jeden Abend gemeinsam essen zu können, aber die Zeit in Moskau ist ja überschaubar.

Sie sind nach zwei Jahren im Beach-Volleyball zurückgekehrt in die Halle, haben mit der deutschen Nationalmannschaft eine grandiose EM und einen überzeugenden World Cup gespielt. Haben Sie damit gerechnet, so schnell wieder Tritt zu fassen und derart steil durchzustarten?

Grün: Ich habe in den zwei Jahren im Sand ja nicht pausiert und nichts gemacht. Die Umstellung in der Halle war anfangs hart, aber ich habe das Volleyball spielen ja nicht verlernt. Was ich allerdings nicht einschätzen konnte, war, wie stark sich die deutsche Natiolmannschaft präsentieren würde.

Im Beach-Volleyball lief es nicht ganz so glatt, dort ist man aber umso mehr auf Erfolge angewiesen, um finanziell über die Runden zu kommen. Waren die beiden Jahre im Sand verschenkt?

Grün: Nein. Die Situation ist zwar hart im Beach, man lebt wie ein Selbstständiger, der einen eigenen Betrieb führen muss. Aber man lernt viel dazu und muss sich selbst organisieren. Es ist ein Schatz an Erfahrungen, den man sammelt in meinem Sport: Man reist viel, lernt neue Mitspielerinnen kennen, muss auch lernen, mit Niederlagen umzugehen. Diese Aspekte haben mich reich gemacht, das ist nicht nur in Geld zu messen.

Können Sie dennoch den Unmut hier in Teilen des Umfelds nachvollziehen, dass Sie mitten in der Saison den Verein verlassen, um ein weitaus lukrativeres Angebot anzunehmen?

Grün: Mir ist klar, dass das nicht jeder nachvollziehen kann. Auch wenn Volleyball meine Leidenschaft ist, so ist es eben auch mein Beruf. Ich bin froh über die Zeit, die ich hier war, froh, dass ich die Mädels in der Mannschaft kennengelernt habe. Die Leute, die ich hier getroffen habe, und auch ich können sagen: Es war eine schöne Zeit. Ich hoffe, dass das auch die Kritiker sagen können.
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