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Zweitliga-Frühstart? „Keine schlaue Idee”, „keine schlechte Idee”

Von: Oliver Trust und Klaus Schmidt
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Ärgert sich über den frühen
Ärgert sich über den frühen Saisonstart: Alemannias Trainer Peter Hyballa. Foto: imago/Buthmann

Aachen. Kurze Regeneration, nicht abgeschlossene Kaderplanung, eine Wechselperiode, die bis 31. August dauert - der frühe Start der 2. Fußball-Bundesliga in vier Wochen bringt einige Probleme mit sich. Befürworter sehen den vorgezogenen Auftakt am 15. Juli als große Chance, für drei Wochen aus dem Schatten der 1. Liga zu treten. Viele Trainer der Zweitligisten sind weniger begeistert.

Peter Hyballa hat „die Augen verdreht, als ich gehört habe, dass es am 15. Juli wieder losgeht”. Der Coach von Alemannia Aachen verweist auf eine ohnehin schon anstrengende letzte Saison, in der es gerade einmal einen einwöchigen „Winterurlaub” gegeben hatte. „Jetzt waren es nach dem letzten Spieltag auch nur drei Wochen. Das ist einfach zu wenig - von der Regeneration her gesehen und von der Trainingslehre. Mich würde mal interessieren, ob Mediziner oder Sportwissenschaftler dabeigewesen sind, als über den frühen Saisonstart diskutiert wurde. Ich halte das für keine schlaue Idee.” Aber Lamentieren bringe jetzt nichts mehr: „Wir müssen es so nehmen, wie es ist.”

Hans-Jürgen Boysen hört sich die Argumente der Befürworter des Frühstarts gerne an, der Trainer des FSV Frankfurt aber gehört zu den schärfsten Kritikern der im Oktober 2011 beschlossenen Regelung. „Der FSV Frankfurt hat als einziger Klub dagegen gestimmt”, sagt Boysen.

Auch Alemannia-Manager Erik Meijer begehrte nicht auf, er hatte einen anderen Ansatz als sein Chefcoach. „Ich hielt das für keine schlechte Idee, mal etwas Neues auszuprobieren”, sagt der Ex-Profi und argumentiert: „Man sollte ohnehin die meisten Spiele zwischen März und November austragen, in der schönsten Jahreszeit, wenn der Rasen wächst, und nicht im Winter.” Kritik der Fans, dass man wegen der Sommerferien viele Partien verpasse, träfe auf Alemannia nicht zu: „Wir beginnen wegen des CHIO mit einem Auswärtsspiel. Dann haben wir ein Heimspiel, ein Auswärtsspiel in der Liga und eins im Pokal. Und zum nächsten Heimspiel sind die meisten wieder aus dem Urlaub zurück.” Gleichwohl sieht Meijer die Gefahr aus der Belastung für die Spieler: „Ende September, Anfang Oktober werden die Verletzungsprobleme losgehen.”

Der FSV Frankfurt hat seiner Gegenstimme Taten folgen lassen. Später als andere Klubs, die teilweise knapp 14 Tage nach Ende der alten Saison am 1. Juni mit der Vorbereitung auf die neue begannen, stieg der FSV am Dienstag dieser Woche ins Training ein - nur gut vier Wochen vor dem Ligastart. „Wir haben den Spielern bewusst vier Wochen Urlaub gegeben, damit sie sich erholen können. Wir sehen das auch als Signal an die Spieler, dass wir ihre Belange ernst nehmen”, sagt Boysen. „Wer elf Monate so nah aufeinandersitzt und trainiert, muss eine angemessene Pause bekommen.”

Ob das „Alleinstellungsmerkmal” so große Wirkung habe, bezweifle er, meint Boysen. „Wir gehen diesen Weg auf die Gefahr hin, später dafür kritisiert zu werden. Uns fehlen dadurch ein bis zwei Wochen Vorbereitung.” Boysen bleibt bei seiner Ablehnung, „ich sehe keine stichhaltigen Argumente dafür”, sagt der Coach, der seine Bedenken mit vielen Kollegen teilt.

Cottbus Trainer Claus-Dieter Wollitz nennt den Frühstart „unverantwortlich. Wir Trainer sind für unsere Spieler verantwortlich, werden aber zur Thematik nicht befragt.” Eintracht Frankfurts neuer Coach Armin Veh bemängelt die Praxisferne der Regelung: „Ein Praktiker kann das nicht initiiert haben. Für mich ist sie Unsinn. Ich denke nicht nur an die kurze Regenerationszeit. Der Termin macht die Kaderplanung nicht leichter. Wenn man einen Spieler aus der Ersten Liga verpflichten will, haben die noch Urlaub und stehen länger nicht zur Verfügung.” Die Spielpläne gibt es zudem erst am kommenden Dienstag, was die Klubs vor zusätzliche logistische Probleme stellt.

Für Andreas Rettig sind die Argumente der Gegner durchaus nachvollziehbar. „Es gibt keinen Königsweg. Den haben wir auch diesmal nicht gefunden”, so Rettig. Der 48-Jährige, seit 2006 Manager des Bundesliga-Aufsteigers FC Augsburg, sieht dennoch Vorteile. „Das Alleinstellungsmerkmal stand für die meisten eindeutig im Vordergrund”, so Rettig. Die EM 2012, die ein frühes Saisonende verlangt, damit sich die Nationalteams auf das Turnier in Polen und der Ukraine vorbereiten können, trägt ebenso zum baldigen Start bei.

Rettig sieht weitere Vorteile. „Der DFB-Pokal wird aufgewertet.” Bisher hätten Klubs mit einem „Kaltstart” in die erste Runde gehen müssen. In Duellen gegen ambitionierte Drittligisten könne das für einen Zweitliga-Klub mit entscheiden. „Da geht es um 200.000 Euro plus Werbe- und Zuschauereinnahmen”, so Rettig.

Probleme bekommen vor allem Klubs, die umfangreiche personelle Umwälzungen im Kader oder im Management zu bewältigen haben. „Ich hätte schon gerne mehr Zeit gehabt”, sagt Karlsruhes neuer Manager Oliver Kreuzer.

Drittes Testspiel gegen Heinsberger Kreisauswahl

Auch am Samstag werden wieder zwei Spieler geschont. Alemannia testet zum dritten Mal in dieser Woche, nach dem 10:0 gegen Wenau und dem 10:1 gegen Bocholtz trifft der Zweitligist in einem Benefizspiel auf eine Heinsberger Kreisauswahl (17 Uhr in Oberbruch).

Wer eine Atempause erhält, das will Peter Hyballa am Morgen entscheiden. Zu den Kandidaten gehört Shervin Radjabali-Fardi (Rückenprobleme). Erneut zweistellig zu gewinnen, das steht im Lastenheft nicht ganz oben. „Die Jungs sollen sich einfach gut bewegen.”

Kevin Kratz soll drei bis fünf Tage nach seiner Leisten-OP wieder Laufeinheiten absolvieren. Und nach Rückkehr des Teams aus dem Trainingslager am Walchsee (20. - 27. Juni) zur Mannschaft stoßen.

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