Side - Zwei Sprossen runter auf der Karriereleiter

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Zwei Sprossen runter auf der Karriereleiter

Von: Klaus Schmidt
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Hiergeblieben: Aues Kapitän R
Hiergeblieben: Aues Kapitän René Klingbeil hält Shervin Radjabali-Fardi beim Testspiel auf. Foto: Picture Point

Side. Vor einem Jahr waren da zwei Jungs aus Berlin mit ins Trainingslager nach Spanien gereist, für die der Wechsel zu Alemannia Aachen ein Karriere-Beschleuniger sein sollte.

Bilal Cubukcu kann nicht gerade behaupten, dass seine Zeit am Tivoli bislang unter einem guten Stern stand: Verletzungen nahmen den Mittelfeldspieler aus dem Rennen, zur Vorbereitung nun in der Türkei unter Friedhelm Funkel bleibt Cubukcu außen vor. Shervin Radjabali-Fardi darf ungleich zufriedener festhalten: Der Plan, als Leihgabe von Hertha BSC „möglichst viel Einsatzzeit zu bekommen”, ist aufgegangen.

Dabei sollte der Sohn eines iranischen Vaters und einer deutschen Mutter zunächst nur eine Alternative sein für Timo Achenbach. Radjabali-Fardi, der von der U 15 bis zur U 21 alle Nachwuchsmannschaften des DFB durchlaufen hat, sah das von Beginn an anders. „Ich habe Erik Meijer gleich gesagt, dass ich nicht nur der Back-up als Linksverteidiger sein will. Die Position war mir egal - ich wollte mich im Profibereich durchsetzen.”

Die Rolle, für die er ausgebildet wurde, spielte der jetzt 20-Jährige in der Tat selten: Er trug den Helm auf der Dauerbaustelle des rechten Verteidigers oder rückte auf seiner linken Seite offensiv vor. „Auf beiden Positionen habe ich mich gut zurechtgefunden, im Mittelfeld vielleicht noch etwas besser. Das erste halbe Jahr bei Alemannia war für mich persönlich optimal, ich habe ständig gespielt und über weite Strecken gute Leistungen gebracht.”

Plötzlich im Abstiegskampf: „Radja” spricht vom Problem der Mischung, „die hat nicht gestimmt. Wir konnten die Abgänge nicht kompensieren.” Drei für die Offensive wichtige Spieler verloren - Stieber, Arslan, Höger -, „und die geholt wurden haben es nicht geschafft, die Abgänge zu ersetzen. So sind wir in den Sumpf geraten.”

Shervin Radjabali-Fardi blieb eine Stammkraft - bis er sich gegen Greuther Fürth am Knie verletzte und danach im ersten Spiel unter Friedhelm Funkel bei Union Berlin fehlte. Auf der Karriereleiter ging es dann gleich zwei Sprossen runter, erst auf die Ersatzbank, „und gegen Duisburg stand ich zum ersten Mal nicht im Kader”.

Der Linksfuß: „Es ist immer so, dass ein neuer Trainer seine eigene Mannschaft sucht. Aber für mich persönlich war es überraschend und schwer, dass ich nicht mehr dabei war - weil ich denke, dass ich unter die ersten Elf gehöre.”

Funkel hatte da zwischenzeitlich andere Erkenntnisse gewonnen, es gab ein Vier-Augen-Gespräch, über dessen Inhalt beide Seiten schweigen. „Natürlich habe ich nachgedacht über das, was der Trainer mir gesagt hat. Ich wollte ja wieder die Erwartungen erfüllen.” Radjabali-Fardi durfte sich im NRW-Liga-Team besinnen, spielte bei Bielefeld II und in Ahlen - und nutzte seine Einwechslung in der Partie bei Eintracht Frankfurt, um den Profi-Stammplatz zurückzuerobern.

Ob der Weg im Sommer tatsächlich zurück zu Hertha BSC führt, „weiß ich nicht zu 100 Prozent. Das wird erst der Verlauf der nächsten drei, vier Monate zeigen, in welche Richtung es geht.” Er denke auch nicht so viel darüber nach. „Ich habe mich von Anfang an in Aachen wohl gefühlt und will meinen Platz bei Alemannia verteidigen.” Eines stehe aber fest: Als Nummer 17 oder gar 22 will Radjabali-Fardi nicht wieder ins Berliner Trikot schlüpfen.

Zwischen den Jahren hat Shervin Radjabali-Fardi seine Familie besucht, „das hat mir viel Kraft gegeben. Und mit meinem Bruder habe ich Berlin wieder mal ein bisschen unsicher gemacht...” Für das sportliche Jahresziel Klassenerhalt ist der 20-Jährige „positiv gestimmt”, und dass er jetzt im Mittelfeld mit Albert Streit „einen Konkurrenten mehr” bekommen hat, sieht „Radja” kämpferisch.

„Ich weiß nicht, ob das wirklich für die jüngeren Spieler schlecht ist, wenn der Trainer zunächst einmal auf Erfahrung vertraut. Dann muss ich halt versuchen, mich auch dagegen durchzusetzen.” So etwas hört ein Trainer doch immer gerne.
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