Aachen - „Zauberfuß” Arango wiegt das fehlende Tempo auf

„Zauberfuß” Arango wiegt das fehlende Tempo auf

Von: Bernd Schneiders
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So hoch, wie zwischen Oguzhan
So hoch, wie zwischen Oguzhan Kefkir (links) und Tony Jantschke gings nicht immer her. Foto: imago/Eibner

Aachen. Sascha Rösler hat Ahnung vom Fußball. Das war zu besichtigen in der 14. Minute des Derbys. Auch wenn viele Zuschauer das zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht erkennen konnten.

Eine knappe Stunde später aber war klar, dass sich der ehemalige Mönchengladbacher mit seinem groben Foul aus seiner Sicht das richtige Opfer ausgesucht hatte. Doch Juan Arango überstand die Attacke von hinten, konnte weiterspielen und den Terminator für die Alemannia geben.

Immer, wenn es für die Aachener gefährlich wurde, hatte der Venezolaner seinen Zauberfuß im Spiel. Auf dem Spielbogen nur in Form des ersten und dennoch schon entscheidenden Tores.

Einen Freistoß an den Außenpfosten, einen Zuckerpass zum späten 2:0 auf Harvard Nordtveit und obendrein fast die alleinige Lizenz auf eine fußballerische Idee zur Überwindung des Aachener Walls.

„Sein linker Fuß ist eine Waffe”, schnalzte nicht nur Gladbachs Sportdirektor Max Eberl mit der Zunge. Aber letztendlich auch nur ein Instrument, mit dem er seine Möglichkeiten umsetzt, die aus der Gegend zwischen seinen Ohren stammen: seinem Fußballverstand.

Da er sich so beharrlich wie meisterlich fast allen öffentlichen Gesprächen entzieht, umgibt Arango immer noch die Aura eines Wundermannes. Die verbalen Schulterklopfereien interessieren ihn nur wenig. Analysen seiner Kunst überlässt er lieber anderen.

Max Eberl übernimmt das gerne, weiß er doch nur zu gut, dass dem sensiblen Südamerikaner in Momenten, in denen es nur noch um Leichtathletik und Kampfsport geht, eine zu lässige Körperhaltung und Einstellung angelastet wird. „Es war ein Heimspiel für ihn”, erklärte der Manager die starke Leistung seines Mannes für die besonderen Momente. Und meinte die Hitze.

Doch die konnte nicht als Entschuldigung für alle Defizite seiner Kollegen herhalten. Die Sonne ließ den Ball nicht so erschreckend weit vom Fuße eines Patrick Herrmann springen, der so gerne und so vorschnell als legitimer Erbe von Marco Reus hochgeschrieben wird. Davon ist er noch weit entfernt.

Momentan kämpft er noch immer darum, die Stufe „hochveranlagtes Talent” dauerhaft zu überwinden. Bezeichnend, dass der für ihn eingewechselte Alexander Ring in der Hälfte der Zeit wesentlich mehr gefährliche Szenen erarbeitete, diese aber in den letzten Minuten durch etliche Unkonzentriertheiten stark entwertete.

Die Personalie Herrmann ist deshalb so sensibel, weil er nach dem Verlust von Marco Reus und der Absage von David Hoilett der einzige Speed-Stürmer ist - abgesehen vom blutjungen Branimir Hrgota (19). Und genau diese Blitz-Attacken, der Antritt und die Beschleunigung zur richtigen Zeit, fehlte Lucien Favre zum wiederholten Mal bei seiner Mannschaft.

Zwar anerkannte der Schweizer, „alle Spieler sind gelaufen”. Doch ihm ist es noch nicht gelungen, die Navigationssysteme seiner Profis neu zu programmieren. Auf die „richtige” Bewegung kommt es an, „sonst bist du ungefährlich”.

Zusätzliche Tempo-Bremse

Da mag man mit einem, der noch auf Ehrendivision geeicht ist und erst spät ins neue Tempo-Land Schweizer Prägung gereist kam, noch am ehesten Nachsicht zeigen: Luuk de Jong. „Ein Assist zählt auch”, lässt Favre dessen Torlosigkeit öffentlich kalt.

Doch der Niederländer weist auch bei anderen Aktionen Nachhol-Bedarf auf. Noch leidet Borussias eh schon verlangsamtes Spiel zu häufig darunter, dass seine Aktionen das Tempo zusätzlich bremsen. Doch wenn er gegen Kiew trifft, wird die Nachsicht noch größer werden.
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