„Wir sind gewappnet”: Alemannias Kapitän Benny Auer im Interview

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Training Alemannia Aachen, Tho
Thomas Stehle (17, Aachen) und Benjamin Auer (9, Aachen) beim Training. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Die Rasenheizung läuft mit voller Kraft voraus, aber sie entfaltet nicht überall ihre Wirkung. Der Platz am Tivoli wird am Samstag ein weiterer Gegner für die Spieler von Alemannia und St. Pauli sein. Als „Alibi” scheidet der schlechte Untergrund aber aus, meint Alemannias Trainer Friedhelm Funkel.

„Wir sind gewappnet”, sagt er vor dem Neustart. Vor dem „Bibber-Spiel” traf sich unser Redakteur Christoph Pauli mit Aachens Kapitän Benny Auer.

Wie schützen Sie sich am Samstag gegen die Kälte?

Auer: (grinst) Das Problem ist, dass wir keine Langarm-Trikots haben. Unterziehhemd und Handschuhe müssen reichen.

Hat sich die Mannschaft in den letzten Wochen entwickelt?

Auer: Der Trainer hat jetzt erstmals die Möglichkeit gehabt, mit der Mannschaft zu arbeiten, ohne dass ein Punktspiel anstand. Wir haben physische Grundlagen vertieft und an seiner Philosophie gearbeitet, gut und kompakt zu stehen.

Wie schwierig ist es, die Ideen eines neuen Trainers zu verinnerlichen?

Auer: Das Spielsystem von Friedhelm Funkel unterscheidet sich extrem von dem System von Peter Hyballa. Funkel lässt aus der Defensive heraus spielen, sehr geordnet und strukturiert. Peter Hyballa war ein Verfechter des Hurra-Fußballs mit sehr hochstehenden Abwehrreihen.

Als ein von Vorlagen abhängiger Mittelstürmer müssten Sie Anhänger des Hyballa-Fußballs sein.

Auer: Es geht immer um die Frage, was man aus einem Kader machen kann. Durch die Abgänge von Höger, Arslan und Stieber ist die komplette Offensive quasi weggebrochen. Die Spieler sind nicht adäquat ersetzt worden. Friedhelm Funkel hat mitten in der Saison eine sehr gefährdete Mannschaft übernommen. Da ist es doch logisch, dass er den Stellenwert der Defensive betont.

Das war die Trainersicht. Wie ist die Stürmersicht?

Auer: Natürlich habe ich es lieber, wenn von rechts und links die Flanken heranfliegen und wir möglichst schnell in die Spitze spielen.

Und jetzt zur Spielersicht: Hat der Wechsel von Hyballa zu Funkel die Mannschaft beruhigt?

Auer: In unserem Verein gibt es viele Baustellen. Die finanzielle Geschichte ist nicht geklärt, jetzt stellen sich eigene Fans gegeneinander. Und wir stehen gerade einmal einen Punkt vor dem Relegationsplatz. So ein kühler Kopf wie Friedhelm Funkel ist wichtig für uns. Er ist in jeder Situation gelassen und analysiert sehr genau. In unserer angespannten Situation ist das sehr wichtig.

Täuscht der Eindruck, oder sind Sie auch erst in der zweiten Hälfte der Vorrunde unter dem neuen Trainer in Schwung gekommen, obwohl da das Team zu mehr Defensive vergattert wurde?

Auer: Friedhelm Funkel hat in einem Interview gesagt, dass er zu 100 Prozent auf mich setzt. Dieser Rückhalt, dieser Stellenwert ist wichtig für einen Stürmer. Das gibt eben das Selbstvertrauen. Hyballa dagegen hat mich schon in der Vorbereitung angezählt. Es kam unerwartet und war merkwürdig: Ich war Kapitän, hatte 20 Tore geschossen. Dass ein Trainer dann so schnell und aggressiv auf einen wichtigen Spieler losgeht, habe ich in der Form noch nicht erlebt.

Woher kommt die Zuversicht, die gerade in die Mannschaft einzieht?

Auer: Wir haben zuletzt vier schwierige Spiele nicht verloren, das stärkt die Selbstsicherheit. Wir sind auf einem guten Weg, aber wir müssen extrem konzentriert bleiben. Sonst können wir gegen jeden in der Liga verlieren. Die Situation ist weiterhin prekär, obwohl der Pfeil gerade nach oben zeigt. Es wird bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg gehen.

Beschäftigen Sie sich damit, dass ein Abstieg das Ende des Vereins im Profifußball bedeuten würde?

Auer: Als Gesellschafter von drei Fitness-Studios kenne ich das Gefühl von Verantwortung gegenüber Mitarbeitern. Damit beschäftige ich mich schon: Sollte das Team absteigen, fallen Arbeitsplätze weg. Ich glaube nicht, dass sich alle Spieler damit beschäftigen. Vielleicht ist das aber auch nicht schlecht, solche Gedanken würden den ein oder anderen auch hemmen.

Wie behält man die Lockerheit in einer so schwierigen Lage bei?

Auer: Es gibt unterschiedliche Spielertypen. Einige leben in den Tag hinein, spielen drauf los. Auch das hilft uns. Ich habe den Eindruck, dass wir inzwischen das richtige Maß zwischen Lockerheit und Konzentration gefunden haben, um am Samstag das erste Spiel anzugehen.

Ist es nicht problematisch, dass sich im Abstiegsfall die Ausgangslage für Spieler verbessern würde, die sich dann vertragslos von anderen Klubs mit einem netten Handgeld ködern lassen können?

Auer: Da machen einige einen großen Denk- fehler. Welche Spieler von absteigenden Mannschaften bekommen dann noch einen großen Vertrag? Da gibt es nicht so viele. Bei einem Absteiger gibt es erfahrungsgemäß wenige Profis, die sich empfehlen. Es ist in der Vita in jedem Fall ein dunkler Fleck.

Wird die Rolle des Kapitäns oder Mannschaftsrats in einer solchen Lage wichtiger?

Auer: Der Ernst der Lage wird ausreichend an uns herangetragen. Jeder weiß, um was es geht. Wir müssen es nicht permanent thematisieren.

Sie haben 2010 Ihren Vertrag um drei Jahre mit den Worten verlängert: Ich möchte in dieser Stadt mit diesem Trikot noch einmal Bundesliga spielen. Das bedeutet, dass Sie bald Ihren Vertrag langfristig verlängern?

Auer: Das bedeutet, dass ich in der nächsten Saison das Gaspedal permanent durchtreten muss.

Ihre nächste Saison am Tivoli steht fest?

Auer: (feixt) Ja! Wenn man mich dann noch will...
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