Wie viel Favre zeigt Borussia gegen Schalke?

Von: Bernd Schneiders
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Vor der Premiere: Lucien Favre
Vor der Premiere: Lucien Favre hat die denkbar größte Herausforderung in der Bundesliga angenommen. Foto: dpa

Mönchengladbach. Und dieser Mann soll die Profis des Tabellenletzten in der Kabine heiß machen für die Aktion erster Heimsieg gegen Schalke? So nett und fast schüchtern kommt Lucien Favre daher. Der Schweizer Akzent und seine immer noch stolprigen Deutsch-Kenntnisse runden das Bild ab, das nicht so ganz kompatibel scheint mit den Anforderungen im Haifischbecken Fußballbundesliga und dem mitunter nötigen rauen Ton für seine Protagonisten.

Doch man muss nicht gleich eine gespaltene Persönlichkeit wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde haben, um dort, wo es drauf ankommt, eine andere Facette seiner Wesensart zu demonstrieren. Schauplatzwechsel von der ersten Pressekonferenz des neuen Mönchengladbacher Trainers auf den eigentlichen Arbeits-, den Trainingsplatz. Lucien Favre, der wie eine ältere Ausgabe von Karim Matmour die Medienwelt mit großen Augen zu verfolgen scheint, fasst seine Spieler an.

Es sind nicht unbedingt zärtliche Berührungen. Und die Spieler werden diesen Direktkontakt zum neuen Übungsleiter auch nicht als Zeichen einer frühen Intimität und Verbundenheit empfinden. Sie sind durch den 53-jährigen Fußballlehrer zurückgesetzt worden auf den Stand von Schülern, Lehrlingen. Und jede Unterbrechung der Spielform, als der das Training in den ersten Woche überwiegend daherkommt, ist eine Korrektur, eine Lektion und mitunter ein Rüffel.

Es gibt viel zu unterbrechen und zu korrigieren in Mönchengladbach. Doch was, das mag der ehemalige Hertha-Trainer nicht so sehr breittreten. Das hieße ja auch, Richtung seines Vorgängers, Michael Frontzeck, nachzutreten. Doch es drängt sich der Verdacht auf, dass Favre bereits mehr weiß als er sagt.

Sein Arbeitsplan sah relativ simpel aus, war zweigeteilt und zumindest zeitlich sehr aufwändig: sechs Stunden pro Tag Arbeit mit den Profis plus sechs Stunden Arbeit mit seinem Trainerstab, Schwerpunkt Videoanalyse. Für einen Lehrer und Perfektionisten, der Favre ist, werden die Zusammenschnitte nicht ein Quell der Freude, aber einer der Vorlagen gewesen sein, den Unterricht sinnvoll zu gestalten. Die Auskunft über seine Erkenntnisse allerdings kommen eher karg daher: „Es sind oft Details.”

Da passt es, dass Favre als sehr detailversessen gilt. Mehr als ein Detail aber ist, dass die Spielauffassung des Schweizers, in seiner Heimat liebevoll ironisch „Super-Hirnli” genannt, sich von der Frontzecks unterscheidet. Er spielte bei all seinen vorherigen Klubs einen dominanten Fußball. Doch dieser Lernprozess ist ein längerfristiger und kommt zur Rettung der Gladbacher zu spät. Impulse und Akzente aber kann man doch schon setzen. Etwa das Spiel deutlich nach vorn zu verlagern, um etwa Strafraumstürmer wie Mike Hanke zur vollen Entfaltung ihres Spielvermögens zu verhelfen und einen Heimsieg zumindest wahrscheinlicher zu machen.

Die einfachsten Impulse aber sind Personalentscheidungen. Davon könnte Logan Bailly profitieren. Michael Frontzeck verpasste den sich anbietenden Zeitpunkt in der Winterpause, den Torhüter mit dem größeren Potenzial als Chris-tofer Heimeroth zurück ins Team zu hieven. Favre kann den Trainerwechsel dazu nutzen. Und auch das Risiko eingehen, mit dem Comeback von Arango zu versuchen, dem Gladbacher Spiel etwas mehr Rafinesse einzuhauchen.

Voraussichtliche Aufstellung: Bailly - Levels, Stranzl, Dante, Daems - Reus, Neustädter, Nordtveit, Arango - Hanke, Idrissou
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