Mönchengladbach - „Wie ein sterbender Schwan...”

„Wie ein sterbender Schwan...”

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Schauspieltalent oder Opfer ei
Schauspieltalent oder Opfer eines Büchsenwurfs: Inter Mailands Roberto Boninsegna. Foto: imago/Ferdi Hartung

Mönchengladbach. Es war eines der größten internationalen Spiele einer deutschen Klubmannschaft und gleichzeitig einer der größten Skandale im Fußball-Europapokal.

„Unser Superspiel ist nicht belohnt worden. Das war eine himmelschreiende Ungerechtigkeit”, erinnert sich Rainer Bonhof, heutiger Vizepräsident von Borussia Mönchengladbach.

Der ehemalige Nationalspieler war damals Teil der Gladbacher Elf, die in einer atemberaubenden Partie im Europapokal der Landesmeister am Bökelberg mit 7:1 gegen Inter Mailand gewann. Doch der große Sieg am 20. Oktober 1971 war gleichzeitig auch ein dunkles Kapitel in der Vereinsgeschichte.

Es geschah in der 28. Minute beim Stand von 2:1 für die Gastgeber: Nach einem Gerangel zwischen dem Gladbacher Luggi Müller und Inter-Torjäger Roberto Boninsegna flog der Ball vor der Westtribüne ins Seitenaus. Boninsegna forderte Einwurf und fiel im gleichen Moment zu Boden.

„Er lag da wie ein sterbender Schwan”, erinnert sich der heute 70 Jahre alte Müller. Boninsegna, von einer Cola-Dose getroffen, blieb wie benommen liegen und wurde vom Platz getragen. Nach einer sechsminütigen Unterbrechung setzte der niederländische Schiedsrichter Jef Dorpmans die Begegnung fort.

Uefa annulliert das Spiel

Doch der große Gala-Auftritt der „Fohlen”, die durch Tore von Ulrik Le Fevre (2), Günter Netzer (2), Jupp Heynckes (2) und Klaus-Dieter Sieloff zum deutlichen Sieg kamen, war am Ende nichts mehr wert. Die Uefa annullierte die Partie und setzte ein Wiederholungsspiel auf neutralem Platz an. Das Rückspiel verloren die Gladbacher in Mailand mit 2:4, das Wiederholungsspiel in Berlin endete 0:0, und der deutsche Meister schied aus dem Wettbewerb aus.

Der mittlerweile 67 Jahre alte Boninsegna bleibt bis heute bei seiner Darstellung. In der vergangenen Woche gab der Italiener dem WDR-Fernsehen ein Interview. „Die Deutschen glauben mir das bis heute nicht. Die Büchse traf mich am Kopf. Ich war 15 bis 20 Sekunden bewusstlos”, sagte der einstige Star-Stürmer von Inter. Sein Gegenspieler Müller sah das ganz anders.

„Die Büchse traf ihn an der Schulter und war leer. Das war eine schöne schauspielerische Meisterleistung”. Boninsegna war übrigens auch im Rückspiel der Buhmann: In der Schlussphase der Partie brach sich Müller im Zweikampf mit dem Italiener das Bein.

Die legendäre Dose steht heute im Museum des niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim, Heimatclub des damaligen Schiedsrichters Dorpmans, der die Büchse nach dem Spiel mitnahm. Borussia bemühte sich vergeblich, das Corpus Delicti zu bekommen. Der Büchsenwerfer wurde nie ermittelt: Einem zunächst verhafteten Gabelstaplerfahrer konnte die Tat nicht nachgewiesen werden, er beteuerte stets seine Unschuld.
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