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Wettmafia: Hat René Schnitzler die Betrüger betrogen?

Von: Wilhelm Peters und Marcus Bark
Letzte Aktualisierung:
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Es war einmal: René Schnitzler bejubelt ein Tor für den FC St. Pauli mit Superman-T-Shirt.

Wegberg. „Eine unglaubliche Geschichte”, entfuhr es André Sieberichs spontan. „Wir wussten, dass er Spielprobleme hat, sind aber davon ausgegangen, dass er sie überwunden hat.” Sieberichs ist Trainer des Fußball-NRW-Ligisten FC Wegberg-Beeck.

Dort stürmte seit Juli 2009 bis Mitte Dezember 2010 der frühere Bundesliga-Profi René Schnitzler, der dann die Vereinsführung um Vertragsauflösung bat, „weil er hoffte, vielleicht wieder höherklassig spielen zu können”, so Sieberichs.

Mit Schnitzlers „Spielproblemen” meinte der Trainer nicht die sportliche Betätigung. Es ging um Glücksspiel. Die „unglaubliche Geschichte” offenbarte Schnitzler nun dem Magazin „Stern”, in dessen heutiger Ausgabe der 25-Jährige gesteht, zu Zweitligazeiten beim FC St. Pauli von einem „Wettpaten” namens Paul R. 100.000 Euro kassiert zu haben, um insgesamt fünf Spiele seines damaligen Klubs zu manipulieren. Es sei zu den Manipulationen aber nicht gekommen, sagt Schnitzler und gibt gegenüber der Zeitschrift zu: „Seit ich 18 Jahre alt bin, gab es kaum einen Tag, an dem ich nicht gespielt habe.”

Bei drei jener fünf Spiele für St. Pauli in Mainz (Saison 2007/08), Rostock, Augsburg, Duisburg und erneut Mainz (alle 2008/09), um die es geht, kam Schnitzler gar nicht zum Einsatz. Was den Sprecher des FC St. Pauli, Christian Bönig, am Dienstag die Reaktion entlockte: „Auch wenn hier in den Spielen anscheinend keine Manipulation vorliegt: Wenn sich ein Spieler mit der Wettmafia einlässt, wird der Sport mit Füßen getreten.” In diesem Fall habe es den Anschein, dass Schnitzler einen Betrüger betrogen habe. An den Partien jedenfalls sei nichts auffällig gewesen.

Im Mai 2009 freigestellt

Warum St. Pauli Schnitzler im Mai 2009 freigestellt hat, teilte der Verein nie mit. Nach der Vertragsauflösung des Mönchengladbachers vor drei Wochen in Wegberg-Beeck telefonierte Sieberichs noch einmal vor Weihnachten mit Schnitzler, „der sich bei uns korrekt verhalten und für den Verein viele Tore geschossen hat”. In dieser Saison erzielte er in 15 Spielen vier Treffer. „Seit zwei Wochen ist er auf seinem Handy aber nicht mehr erreichbar. Offenbar ist er umgezogen, denn in Mönchengladbach habe ich ihn auch nicht erreicht”, sagte Sieberichs.

In „Fall Schnitzler” zeigen sich wie 2005 in jenem Manipulationsskandal (Hoyzer) um den im Dortmunder Gefängnis einsitzenden Ante Sapina bekannte Verhaltensmuster: Spieler geben Kontakte zur Wettmafia und auch Verabredungen zu Manipulationen zu, bestreiten aber, tatsächlich betrogen zu haben.

Am heutigen Mittwoch tritt Sapina als Zeuge vor dem Bochumer Landgericht in einem aktuellen Wettskandal-Prozess auf. Vor ihm sagte bereits ein gewisser Mario C. aus, belastete sich schwer. Beide bezeichnet die Staatsanwaltschaft als „Kernpersonen”. Was C. und die Angeklagten gestanden, lässt vieles aus der Beichte Schnitzlers zweifelhaft erscheinen. Gezahlt wurde nämlich nur dann an korrupte Spieler, wenn die Manipulationen erfolgreich waren. Dennoch: Die DFL hat Maßnahmen zur Untersuchung im „Fall Schnitzler” eingeleitet.
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