Wenn Gladbach tanzt und Schalke dehnt

Von: Heribert Förster
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Ein bizarres Bild: Die Borussen tanzen mit Maskottchen Jünter die Humba, und die Schalker Spieler dehnen sich im Mittelkreis dazu. Foto: imago/Team 2

Mönchengladbach. Vier Sätze beschreiben wunderbar den Verlauf der Partie in der Fußball-Bundesliga von Borussia Mönchengladbach gegen Schalke 04 und erklären, warum die Gastgeber als gefeierter und verdienter 1:0-Sieger vom Platz gehen durften.

Mittelfeldstratege Thorben Marx sagte: „Es war unser Verdienst, dass Schalke nicht seinen besten Tag hatte.” Kollege Roel Brouwers aus dem abwehrenden Bollwerk erklärte an seinem 28. Geburtstag: „Jeder bei uns weiß, was er tut.” Sportdirektor Max Eberl ergänzte: „Die Mannschaft hat aufopferungsvoll gearbeitet und wenig zugelassen gegen starke Schalker.” Und Trainer Michael Frontzeck lobte: „Gegen den Ball hat die Mannschaft sensationell gut gearbeitet. Ein Riesenkompliment, das war vom Allerfeinsten.”

Als Schiedsrichter Wolfgang Stark überaus spannende 93 Minuten abpfiff, durften sich die Borussen den Lohn für die letzten Wochen anhören. „Zieht den Bayern die Lederhose aus”, sangen innbrünstig die Fans vorausblickend auf den kommenden Freitag und das Gastspiel in München, „Oh, wie ist das schön” rückblickend auf die letzten Wochen.

Nach dem fünften niederlagenlosen Spiel in Serie hat Mönchengladbach 18 Punkte gesammelt, nach dem 14. Spieltag. In der Beinahe-Horror-Saison 2008/2009 verbuchte die Borussia am 23. Spieltag ihre Zähler 17, 18 und 19 mit dem 4:1 gegen den Hamburger SV. Da darf der Fan ein bisschen ausflippen und sich das Herz erwärmen lassen von einem bizarr-schönen Bild. Ausgelassen tanzen die Borussen die Humba, und die Schalker dehnen dazu im Mittelkreis und im Takt ihre Muskeln. Täterä!

Dabei war der Auftritt der Borussia eine Mogelpackung, hatte doch Karim Matmour versprochen: „Wir spielen immer Fußball, egal, wie der Gegner heißt.” Gegen Schalke spielten sie eher selten, „fußballerisch haben wir besser ausgesehen in manchen Spielen, die wir nicht gewonnen haben”, urteilte auch Michael Frontzeck. Wer auch immer den Ausdruck „Arbeitssieg” erfunden hat, er musste eine Ahnung von diesen 90 Minuten gehabt haben.

Und wer den Spruch vom guttuenden früh erzielten Tor erfunden hat, nicht minder, denn ohne den Treffer von Marco Reus (5.) hätten sich die Gastgeber nicht so in ihren Arbeitseifer steigern können, hätten offensiver agiert und wären - vermutlich - in Konter gelaufen. „Nicht so, wie wir uns das gewünscht haben”, fand Schalkes Trainer Felix Magath den Verlauf der Partie, „beide Mannschaften haben ja Schwierigkeiten, offensiv zu spielen”. Die Gäste, die mit einem Sieg zumindest für 23 Stunden die Tabellenführung hätten erobern können, hatten gewaltige Probleme gegen Borussen, die sensationell gegen den Ball arbeiteten (Frontzeck), bei denen jeder wusste, was er tat (Brouwers), die Schalke schlecht aussehen ließen (Marx) und die aufopferungsvoll kämpften (Eberl).

Und auch in der Offensive agierten die Gladbacher besser als die Gäste, die nur einmal wirklich haarscharf am Tor vorbeizielten (Rafinha, 91.!).

Die Gruppe aus dem Borussia-Park hat derzeit viel Spaß an ihrem Beruf Fußball, auch weil sehr, sehr viel Gutes gelingt. Wie beim wunderschönen Tor des Tages, als der 60-Meter-Traumpass des wieder einmal überragenden Dante („Das üben wir”) künstlerisch wertvoll vom speziell im Defensivverhalten sehr verbesserten Juan Arango verarbeitet wurde. Und Marco Reus ließ es sich nicht nehmen, mit nun drei Treffern in der Torschützenliste zum bisherigen Top-Scorer Brouwers aufzuschließen.
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