Berlin - „Was Marco Reus kann, das können nur wenige”

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„Was Marco Reus kann, das können nur wenige”

Von: Stefan Hermanns
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Der erste Streich: Marco Reus
Der erste Streich: Marco Reus (weißes Trikot) lässt Herthas Innenverteidiger Mike Franz alt aussehen und trifft vorbei am konsternierten Torhüter Thomas Kraft zum 1:1. Foto: imago/Sven Simon

Berlin. Für einen Trainer gibt es vermutlich kaum etwas Schöneres als eine Mannschaft, die seine Botschaften selbst dann versteht, wenn sie gar nicht ausgesprochen werden. Lucien Favre befehligt eine solche Mannschaft.

Der Trainer von Borussia Mönchengladbach hat in den Tagen vor dem Auswärtsspiel bei Hertha BSC in Berlin alles so gemacht wie immer.

„Kein einziges Wort”, so berichtete Innenverteidiger Dante, habe ihr Vorgesetzter über die besondere persönliche Note der Begegnung verloren. Die unterschwellige Botschaft kam bei den Spielern trotzdem an. „Wir wussten schon, dass ihm dieses Spiel wichtig war”, sagte Dante. „Deswegen wollten wir auch gewinnen.”

Für einen Trainer gibt es vermutlich nichts Schöneres als eine Mannschaft, die ihren Worten auch Taten folgen lässt. Lucien Favre befehligt eine solche Mannschaft. 2:1 (1:1) gewann Borussia Mönchengladbach am Samstag bei jenem Verein, der Favre vor knapp 26 Monaten entlassen hat.

Eine Geste der Genugtuung aber versagte sich der Schweizer. Favre freute sich eher in der angemessenen Stille. „Der Sieg war wichtig für den Kopf”, sagte er. Weniger für seinen eigenen, sondern für die Köpfe der Spieler, die nach zwei Auswärtsniederlagen wieder ein Erfolgserlebnis in der Fremde hatten. „Es war wichtig für uns, diese Serie zu stoppen”, sagte Favre.

Dabei sah es zunächst gar nicht so gut aus für die Gladbacher, die ein wenig von der Taktik ihres Gegners überrascht schienen. „Wir haben erwartet, dass sie sehr tief stehen”, sagte Stürmer Mike Hanke. Stattdessen verteidigte Hertha erstaunlich offensiv. Die Viererkette rückte bis an die Mittellinie vor, um den bespielbaren Raum zu verknappen und damit die scheinbar endlosen Ballstafetten der Gladbacher im Ansatz zu unterbinden.

Hertha attackierte früh, stürzte sich aggressiv in die Zweikämpfe und war laut Favre „viel besser bei der Balleroberung”. In der 18. Minute leitete Juan Arango mit einem schlampigen Zuspiel die nicht unverdiente Führung der Gastgeber ein. Adrian Ramos vollendete den flotten Gegenzug mit einem präzisen Schuss durch die Beine von Torhüter ter Stegen, der in der Nachspielzeit wagemutig gegen Ramos den Sieg sicherte, zum 1:0.

„Zum Glück sind wir ruhig geblieben”, sagte Favre. Zum Glück stellten die Berliner unmittelbar nach dem Führungstreffer ihr intensives Pressing ein. Und zum Glück haben die Gladbacher Marco Reus. „Was er kann, können nur wenige”, sagte sein Kollege Roman Neustädter. Nach einer halben Stunde leitete Patrick Herrmann mit einem feinen Pass den Ausgleich ein. Reus lief sich im Rücken von Mike Franz frei, dessen Grätsche gegen den Schuss ins lange Eck kam zu spät.

Doch Herthas Innenverteidiger revanchierte sich kurz darauf mit seinen Mitteln. Am Mittelkreis grätschte Franz mit dem rechten Fuß nach dem Ball, mit dem linken räumte er von hinten Reus ab. „Gut, der hat jetzt einen abbekommen”, sagte Herthas Verteidiger am nächsten Morgen. „Aber er steht ja nicht unter Artenschutz.”

Es fällt schwer, Franz in dieser Szene keine Absicht zu unterstellen. Borussias Nationalspieler konnte erst nach längerer Behandlung weiter spielen. Doch Schiedsrichter Tobias Welz zeigte Franz für die Attacke nicht einmal Gelb. „Es ist müßig, etwas über diesen Spieler zu sagen”, behauptete Reus - und tat es dann doch. „Ich wusste, dass er von hinten kommt. Aber dass er so durchzieht, das ist unnötig”, sagte Reus. „Die Schiedsrichter wissen das eigentlich, aber sie gehen nicht dagegen vor.”

Marco Reus ging auf seine Weise dagegen vor: Er erzielte nach der Pause auch das zweite, entscheidende Tor für die Gäste, nachdem Juan Arango zunächst an Herthas Torhüter Thomas Kraft gescheitert war. Es war sein siebtes Saisontor und der vierte Treffer hintereinander für Borussia. Gerade zehn Tage ist es her, dass noch ausschweifend über die Abschlussschwäche des 22-Jährigen diskutiert wurde. „Jetzt trifft er einfach”, sagte Roman Neustädter. „Das ist gut für uns und gut für ihn.”
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