Köln - Von Bradley, Baumjohann und Borussias Balance

alemannia logo frei Teaser Freisteller

Von Bradley, Baumjohann und Borussias Balance

Von: Heribert Förster
Letzte Aktualisierung:
matmourbild
Überschwängliche Begeisterung bei Gladbachs Torschützen Karim Matmour. Foto: Imago/Sven Simon

Köln. Man könnte Michael Bradley, 21, herausheben, man muss ihn eigentlich herausheben. Vielleicht läuft der US-Boy auch heute noch im Kölner Stadtteil Müngersdorf über den Rasen des dortigen Stadions, um jeden Grashalm noch ein zweites Mal zu begrüßen. Dabei natürlich immer auf der Suche nach einem Gegenspieler, den er attackieren, dem er den Ball abluchsen kann.

Man könnte auch Alexander Baumjohann, 22, herausheben. Der Bald-Münchner brillierte nach anfänglichen Schwierigkeiten mit exzellenten Dribblings und Pässen, die zu zwei Toren führten. Der Liga-Jungspund weist gerade einmal 20 Einsätze in der Bundesliga auf, und doch lässt sich langsam erahnen, dass er es auch beim FC Bayern packen könnte. Fußballerisch allemal.

Explizit ein Lob hätte sich auch Karim Matmour verdient, der endlich wieder einmal seinen Eifer mit einem Treffer adelte. Oder Tomas Galasek, als gewohnt ruhender Pol, Taktgeber und Chef. Oder Marko Marin, der ein paar spektakuläre Offensiv-Aktionen hatte. Es gäbe auch noch Brouwers und Friend, Stalteri und Daems.

Das Schöne für Borussen-Fans: Dieses Lob bezieht sich nicht nur auf die Leistungen beim verdienten und deshalb besonders genießbaren Derby-Erfolg. Er war die vorläufige Krönung einer so nicht zu erwartenden Leistungssteigerung und Rückrunden-Bilanz: Sieben Spiele mit elf Punkten nach 17 Hinrundenspielen mit ebenfalls elf Punkten.

Zwei Sätze nach dem 4:2-Erfolg sagen alles: „Wie die Mannschaft zusammenarbeitet, das ist die Basis des Erfolgs”, findet Sportdirektor Max Eberl. „Die Balance ist sehr gut”, findet Bradley.

Von der fehlenden Balance im Team hat Trainer Hans Meyer seit seinem Amtsantritt vor 16 Spielen immer wieder gesprochen. Die fußballerische Qualität des Zweitliga-Meisters hatte Meyer nie in Frage gestellt, und jetzt, da das Gleichgewicht stimmt, kommt diese auch zum Vorschein.

Dank des beständig guten und bestens harmonierenden Mittelfeld-Duos Galasek/Bradley haben es ein Marin und ein Baumjohann viel leichter, offensiv Akzente zu setzen - genauso profitiert die Abwehr von den gestopften Löchern im Mittelfeld.

Und die Bedeutung von Rob Friend lässt sich nicht nur an Toren messen. Der Mittelstürmer arbeitet enorm viel, unterbindet häufig gegnerische Angriffsversuche. Gemeinsam mit Roul Brouwers war er in Köln zudem eine verlässliche Abwehrgröße bei Kölner Standards.

Zwölf Mal flog der Ball allein vor der Pause in den Strafraum, satte elf Mal besaßen die Borussen die Hoheit. Bislang verursachte eine hoch in den Strafraum geschlagene Flanke stets Magengrummeln...

Paul Stalteri, wie Logan Bailly und Galasek ein Wintereinkaufs-Volltreffer, hat sich schon gefragt, „wie diese Mannschaft in der Hinrunde nur elf Punkte holen konnte”. Die Antwort ist ganz einfach: weil die Balance fehlte. Sie ist da, und mit ihr kam auch das Quäntchen Glück.

Den Elfmeter vor dem 4:2 muss man nicht zwingend geben, und die ersten beiden Treffer fielen zu perfekten Zeitpunkten. Speziell das 1:0 „in dieser Phase war Balsam auf die wunde Seele”, berichtete Hans Meyer, der den Derby-Erfolg generell als „gut für die Seele und die Psyche” einordnete. Als nicht mehr und nicht weniger, denn ein Hinweis Meyers durfte nicht fehlen, da der Triumph nur ein weiterer kleiner Schritt Richtung Platz 15 war: „Uns steht das Wasser immer noch bis zur Unterkante Lippe.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert