Aachen - Videobeweis bei Alemannia: Hagelschlag statt „Feinkörnigkeit”

Videobeweis bei Alemannia: Hagelschlag statt „Feinkörnigkeit”

Von: Roman Sobierajski
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Selbst, wenn man lesen kann: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Will man gar ein Fußballspiel lesen, sind (bewegte) Bilder aus der täglichen Praxis kaum noch wegzudenken.

Und so zeigte Aachens Trainer Peter Hyballa bei der Spieltags-Pressekonferenz die Video-Sequenzen aus der 0:5-Niederlage gegen Hertha BSC vor 14 Tagen, die die Mannschaft auf den FC Ingolstadt vorbereiten sollten. Öffentliche Fehleranalyse statt „irgendwelche Blabla-Fragen” (Hyballa), ein neuer Weg im Profi-Fußball. Klappe, die Erste: Der Treffer zum 1:0 für die Berliner durch Lustenberger. Erster Fehler in der Entstehung: Tolgay Arslan macht nicht in Richtung ballführendem Spieler zu, der unbedrängt auf Ramos flanken kann.

Fehler Nummer zwei: Der näher zum Gegner stehende Olajengbesi orientiert sich zurück Richtung Strafraum, Timo Achenbach attackiert nicht entschlossen genug, und Ramos kann flanken. Fehler Nummer drei: Die vier Abwehrspieler in Tornähe stehen taktisch richtig, doch keiner greift entschlossen ein. Lustenberger bedankt sich. Fehler Nummer vier: Ramos kommt beim zweiten Tor mal wieder nach einem Standard unbedrängt zum Kopfball. Und Fehler Nummer fünf? Die Mannschaft lässt sich eine Woche später das gleiche Gegentor in Ingolstadt noch einmal andrehen.

„Wir haben Probleme in der defensiven Umschaltbewegung”, hat Hyballa als Generalfehler ausgemacht - und die Ausformungen erläutert: Falsches Stellungsspiel in bedrängten Situationen, paralleles Begleittraben statt entschlossenes Attackieren durch den einen Defensivspieler und Torabschirmen durch den anderen. „Das war alles sehr grobkörnig”, übersetzt der 35-Jährige die aktuelle Lage in bestes Deutsch für Estrichleger. „Und eigentlich waren wir auf dem Weg in die Feinkörnigkeit.”

Da der in zwölf Spielen in Folge ungeschlagene VfL Bochum auch über Videotechnik verfügt, wäre es eine Unterlassung schlimmster Kategorie, würde Bochums Trainer seiner Mannschaft nicht ebenfalls diese Fehler vorführen, die zu 42 Gegentoren führten. „Bochum kann nicht nur Friedhelm-Funkel-Fußball”, meint Aachens Trainer. „Sie haben auch offensiv sehr gute Qualität und werden versuchen, uns mit Standards zu treffen.” Doch die Stärken bergen wie immer auch Schwächen: „Bochum wird uns Räume anbieten, weil die Mannschaft es offensiv versuchen wird.”

So hieß die Erkenntnis der Trainingswoche, Situationen in Unterzahl und in Überzahl zu üben, das Umschalten bei Ballverlust ebenso wie bei Ballgewinn. Messbarer (defensiver) Erfolg: Das Spiel unter Druckbedingungen ging nicht wie üblich 5:5 oder 6:6 aus, sondern endete torlos. Doch das bringt allenfalls das Beseitigen der Symptome, beantwortet aber nicht die Frage, warum eine Mannschaft, die auf dem Weg in die „Feinkörnigkeit” war, plötzlich das Einmaleins des Fußballs vergessen kann.

„Chefpersönlichkeit”

Fußballerisch hat eine Handvoll Spieler das Zeug, den Sprung auf die nächste Entwicklungsstufe zu schaffen. Verlängert wurde mit Kevin Kratz, der in der plötzlichen Gewissheit zunächst den letzten Biss verloren hat. Hyballa hebt Marco Höger hervor („Der extravaganteste Spieler in der Mannschaft, dem ich auch Erste Liga zutraue. Eine Chefpersönlichkeit”), und Sportdirektor Erik Meijer will sich nach dem Bochum-Spiel noch einmal mit Tolgay Arslan zusammensetzen, nachdem er den 20-Jährigen tags zuvor öffentlich noch ohne Gegenwehr in den Zug Richtung Hamburg gesetzt hatte.

„Ich hoffe, dass Arslan sich noch steigert, damit ich einen Grund habe, ein intensiveres Gespräch mit dem HSV zu führen. Er hat für jeden Jungen die Traumposition im Mittelfeld.” Zoltan Stieber gehört auch zum Spitzenkreis und findet sich ebenso wie Höger plötzlich von Erstligisten umschmeichelt. Spieler, die zu Saisonbeginn noch B-Ware waren, müssen den nächsten Qualitätssprung schaffen, den Rest des Teams mit hochziehen - und gleichzeitig dem süßen Gift der Verlockung widerstehen.

„Ich lasse die Jungs jetzt nicht zur Strafe über Glasscherben laufen”, versprach Hyballa, nachdem das bei der Videovorführung in Abwesenheit schon passiert war. „Wir werden sie jetzt beim Spiel härter im Coaching anpacken, nachdem wir dachten, sie könnten es schon selbst umsetzen.”
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