Und Luuk de Jong trifft den Ball zu perfekt...

Von: Bernd Schneiders
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Phantastische Flugshow ohne Kr
Phantastische Flugshow ohne Krönung: Luuk de Jong schmettert den Ball an den Pfosten. Foto: imago/Team 2

Mönchengladbach. Max Eberl war nie ein ausgewiesener Techniker. Und so kam seine Analyse aus reinem Herzen: „Du darfst den Ball nicht perfekt treffen, dann ist er drin.” Damit gibt der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach seinem Trainer aber ein dickes Brett zu bohren.

Ab Dienstag, Montag ist trainingsfrei, wird Lucien Favre seinen Mittelstürmer Luuk de Jong immer wieder üben lassen müssen, per Seitfallzieher den Ball schlecht zu treffen. Drei Minuten, bevor die 2:3-Niederlage gegen Nürnberg besiegelt war, hatte Borussias neuer Torjäger einen Punkt auf dem Fuß, doch der technische Volltreffer fand erneut nur den Pfosten des Club-Gehäuses, wie bereits in der ersten Halbeit (37.). Damit entging nicht nur dem Niederländer eine Belohnung für seine spektakuläre Einlage, auch die Zuschauer mussten auf eine ebenfalls bemerkenswerte Szene verzichten: „Wenn der drin gewesen wäre, hätte ich applaudiert”, behauptete Dieter Hecking in Siegerlaune.

Wahrscheinlich hätte Nürnbergs Trainer auch Christian Dingert applaudiert, wenn der Jungschiedsrichter in der 54. Minute auf Eckball für Nürnberg statt fälschlicherweise Abstoß für Mönchengladbach entschieden hätte. Aber nur wenige Sekunden später hätte der ehemalige Mönchengladbacher den Jung-Schiedsrichter für seinen Fehlpfiff am liebsten geküsst. Nicht wegen des Integrationsmottos „Geh Deinen Weg”, sondern weil der Gladbacher Ballbesitz den Siegtreffer der Gäste einleitete: Martin Stranzl baute fehlerhaft auf, Nürnbergs Japaner Hiroshi Kiyotake ließ mit Harvard Nordtveit, Stranzl und Alvaro Dominguez drei gleich Borussen aussteigen und schoss unhaltbar zum 3:2 ein (55.).

Zwei Standards reichen aus

Die Aufholjagd der Gladbacher wurde zur Makulatur durch Abwehrfehler Nummer 3. Und den unschönen Rekord für Lucien Favre: Unter dem Trainer hatte Borussia in der Bundesliga noch nie mehr als zwei Tore kassiert. In der Champions-League-Qualifikation gegen Dynamo Kiew schon. Doch beim 1:3 im Hinspiel hatte man die Treffer noch unter der Rubrik Unerfahrenheit oder Naivität abgehakt. Aber nun erneut - und das gegen Nürnberg? Zwei Standards nutzte die Hecking-Elf zur verdienten 2:0-Führung. Einen Freistoß von Kiyotake hatte Timm Klose mit den Haarspitzen in die lange Ecke verlängert (17.), einen Eckball Timmy Simons eingeköpft (25.). „Wir haben zu sehr daran gedacht, nach vorne zu spielen und vergessen, konzentriert zu verteidigen und auf den Außenpositionen Überzahl herzustellen”, analysierte Lucien Favre.

Der Perfektionist aber sei nach eigener Aussage bei Nackenschlägen noch ruhig geblieben. Anders als beim dritten Gegentor - „Mamamia!”. Denn mittlerweile hatte seine Mannschaft ins Spiel reingefunden, de Jong (45.) und Granit Xhaka (53.) mit ihrem jeweils ersten Tor für Borussia ausgeglichen. Doch dann „waren wir zu hektisch”, kritisierte Innenverteidiger Stranzl. „Uns fehlt was”, spann Favre den Faden weiter. Und kann eigentlich nur einen Taktgeber meinen, der die Euphorie nach der gelungen Aufholjagd erst mal taktisch gebremst hätte. Er habe auch Positives gesehen, sagte der 54-Jährige. Und redete sich trotzdem in ein Schreckensgemälde hinein: „Es wird eine schwere Saison”, unkte Favre. Und fünf Minuten später war es bereits eine „extrem schwere Saison”.

In Spanien oder Italien hätte man das viel eher akzeptiert, mäkelte der Gladbach-Trainer. Und meinte den zwanghaften Rückschritt nach dem Verlust des „Rückgrats”. In der von ihm so geliebten Schwarzmalerei verschwanden in diesem Moment die positiven Aspekte, die er selbst vorher benannt hatte: Patrick Herrmann lieferte für beide Tore die Vorarbeit und zeigte ein gutes Spiel. Und auch Gladbachs Offensivspiel produzierte mehr Torchancen als zuvor. Die ungewohnten und krassen Abwehrfehler aber wird ein so akribisch arbeitender Trainer ja wohl in den Griff bekommen ...

Der 54-jährige Vater von Nürnbergs Markus Feulner ist am Freitag bei der Hovercraft-Weltmeisterschaft in Thüringen tödlich verunglückt. Der Nürnberger Profi stand deswegen bei der Partie nicht im Kader, sondern reiste zu seiner Familie, teilte der Club mit.
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