Aachen - Stieber-Transfer: Ein Musterbeispiel für Wertschöpfung

Stieber-Transfer: Ein Musterbeispiel für Wertschöpfung

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Manchmal haben Formkrisen ja nichts mit körperlicher Erschöpfung oder plötzlich nachlassendem Spielverständnis zu tun. Manchmal lähmen ja auch die Gedanken um eine ungeklärte Zukunft die Beine.

Nun musste Zoltan Stieber nicht fürchten, in der kommenden Saison ohne Klub dazustehen; das Gegenteil war der Fall, der kleine Ungar hatte sich nach seinem Wechsel von der TuS Koblenz zu Alemannia Aachen einen Namen und die Scouts verrückt gemacht.

Zuletzt kam Stieber im schwarz-gelben Trikot nicht mehr so recht ins Rollen, Sport-Geschäftsführer Erik Meijer ist ziemlich sicher, „dass das bei ihm mitgespielt und er sich damit beschäftigt hat” - das Buhlen anderer Klubs.

Nun haben alle Klarheit: Stieber wechselt zur neuen Saison in die Bundesliga zum FSV Mainz 05, er erhält einen Vierjahresvertrag bis Juni 2015. Über die Ablösemodalitäten - der Kontrakt am Tivoli lief ursprünglich bis 2012 - schwiegen sich die Klubs aus. Meijer will die Branche nicht mit der Nase darauf stoßen, mit wieviel Geld er jetzt bei der Suche nach einem Stieber-Ersatz unterwegs ist. Ob die Einnahme komplett in Beine reinvestiert werden darf, oder ob ein Teil ins „Abstottern” des Stadions fließt, steht noch nicht fest.

Nach Informationen unserer Zeitung zahlt der FSV 1,3 Millionen Euro - die Summe kann sich durch Nachschläge im Fall der Qualifikation für die Europa League sowie Stiebers Aufstieg zum A-Nationalspieler in Ungarn auf fast zwei Millionen Euro erhöhen. Meijer sagt nur: „Der Preis stimmt.”

Alemannia verliere zwar den besten Vorbereiter der Liga, der zudem einige wichtige Tore erzielt habe. „Das ist sicher ein Verlust. Aber wir sind nicht in der Lage, solche Spieler zu halten. Wir holen junge Leute, bilden sie aus, machen sie besser. Wenn sie dann zu gut für uns sind, suchen sie einen Bundesligisten.” Neben dem FSV, mit dem Aachen innerhalb von zehn Tagen einig wurde, war der 1. FC Kaiserslautern noch einmal vorstellig geworden, der Stieber bereits im Winter verpflichten wollte. Weitere konkrete Angebote gab es laut Meijer nicht.

Zoltan Stieber ist ein Musterbeispiel für Wertschöpfung. Alemannias Chef-Scout Samir Arabi hatte im vergangenen Jahr zunächst andere Kandidaten der TuS Koblenz auf dem Zettel, bei seinen Spielbeobachtungen fiel dann „Stiebi” nachhaltig auf - und wechselte ablösefrei nach Aachen. Nun ist er nach Lewis Holtby und Ugur Inceman der drittteuerste Verkauf der Klubgeschichte. „Mainz ist für mich der nächste Schritt in meiner Entwicklung”, sagt der 22-Jährige. „Eine junge, hungrige Mannschaft, mit der ich Bundesliga spielen kann”, dazu Trainer Thomas Tuchel, „der junge Spieler sehr gut fördert. Das ist genau die richtige Entscheidung für mich - so wie im letzten Jahr Alemannia die richtige Entscheidung war.”

Erik Meijer sieht die Personalie Stieber auch „als Kompliment für das Trainer-Team, das einige unserer Spieler ins Schaufenster gestellt hat. Aber ich gehe davon aus, dass nun keiner mehr abwandert.” Es gebe kein Angebot beispielsweise für Marco Höger. Was passieren kann, wenn plötzlich doch der Preis stimmt, zeigt allerdings der Transfer vom Dienstag.

Der Manager hat „natürlich Alternativen für Stieber im Blick, sonst hätte ich den Transfer nicht gemacht”. Jung und deutsch wird immer gern genommen, „oder wenigstens jung und talentiert” oder doch „Erfahrung”. Für das „Wohlbefinden und die Torgarantie von Benny Auer war Zoltan Stieber ein Garant. „Jetzt müssen wir einen neuen Fütterer finden.”

Alemannias fünf teuerste Verkäufe

1. Lewis Holtby (2009): für 3.000.000 Euro zu Schalke

2. Ugur Inceman (2001): für 1.400.000 Euro zu St. Pauli

3. Zoltan Stieber (2011): für 1.300.000 Euro zu Mainz

4. Jan Schlaudraff (2007): für 1.200.000 Euro zu Bayern München

5. Vedad Ibisevic (2007) 2007 für 1.000.000 Euro zu Hoffenheim
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