Seyi Olajengbesi: Alemannias defensiver Rettungsschwimmer

Von: Klaus Schmidt
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Der rettende Einfall? Seyi Ola
Der rettende Einfall? Seyi Olajengbesi soll Aachens Abwehr stabilisieren. Foto: Erol Ürtülü

Side. So ein Trainingslager ist auch dann keine Vergnügungsreise, wenn es mit dem Ferienflieger ins Zielgebiet geht. „Die Jungs sind alles andere als frisch”, sagt Friedhelm Funkel. „Und das wird man auch in den ersten beiden Testspielen sehen”, am Mittwoch gegen Erzgebirge Aue und am Freitag gegen Wacker Innsbruck.

Der Cheftrainer und sein Assistent Christoph John nehmen den Alemannia-Kader in Side richtig ran - für die Spritzigkeit im ersten Punktspiel des Jahres am 4. Februar. „Gegen St. Pauli zählts.”

Funkel probiert in diesen Tagen ein paar Ideen aus, das 4-2-3-1 oder ein Mittelfeld mit Raute. Nicht gerüttelt wird an der Viererkette mit ihrem unumschränkten Chef - Seyi Olajengbesi. Der Nigerianer ist Alemannias einziger Profi, der in dieser Saison noch keine Pflichtspiel-Sekunde verpasst hat. Der beste „Ola” seit seinem Wechsel vor vier Jahren vom SC Freiburg an den Tivoli? „Ich habe zwar immer gespielt. Aber die ersten sieben Spiele waren von uns allen nicht so gut...” Und seine persönliche Leistung beim 1:1 in Dresden habe ihm auch weniger gefallen.

Olajengbesi ist trotz seiner Körpergröße von 1,92 Metern eine Erscheinung, die abseits des Platzes kaum stattfindet. Er tritt nach Spielen nie in der Mixed Zone auf, diese Arbeit übernehmen andere Stammkräfte wie Kapitän Benny Auer, Timo Achenbach oder Bas Sibum. Von Olajengbesi gibt es selten Geschichten zu lesen, „seit ich bei Alemannia bin, waren es zwei”. Warum das so ist? Der 31-Jährige lacht: „Da muss ich mal den Pressesprecher fragen.”

Der 14-malige Nationalspieler seines Landes mag es so - ruhig, von Kameras nur eingefangen, wenn er im Trikot seinen Dienst tut. Große Reden sind ihm fremd, auch wenn er sich längst auf Deutsch verständigen kann. „Auf dem Platz spreche ich schon sehr viel, vor allem mit dem Torwart und dem anderen Innenverteidiger”, seinem Partner Tobias Feisthammel. Klare Kommandos: „ein Kontakt”, „zurück”, „Hintermann”, „schnell”, „rechts”, „links”.

Schon in seiner Freiburger Zeit unter Volker Finke war Seyi Olajengbesi - nach Anpassungsschwierigkeiten - gesetzt, nur ein Kreuzbandriss warf ihn vorübergehend aus dem Team. Finke-Nachfolger Robin Dutt hatte kein Faible für „Ola” - Alemannias damaliger Sportdirektor Jörg Schmadtke lieh den Afrikaner zunächst für ein halbes Jahr aus und kaufte ihn im Sommer 2008 für die zuvor vereinbarte Transfersumme von 100.000 Euro.

„Ich bin zweikampfstark und schnell”, sagt Olajengbesi über sich selbst. Er interpretiert seine Rolle mit einer stoischen Ruhe und unaufgeregten Eleganz. „Natürlich muss ich auch mal foulen, wenn ich letzter Mann bin.” Doch insgesamt ist die Karten-Bilanz unterdurchschnittlich für einen Innenverteidiger: nur zwei Gelb-Sperren, je ein Mal Gelb-Rot und Rot in 172 Profi-Spielen.

Seit dem unglücklichen Jahr 2010 (Riss des Syndesmosebands, Adduktorenverletzung) ist Seyi Olajengbesi wieder eine Bank, der defensive Rettungsschwimmer, der nicht schwimmen kann. Sein Vertrag bei Alemannia läuft zum Saisonende aus, verlängert sich aber beim 20. Liga-Einsatz - nach Stand der Dinge schon gegen den FC St. Pauli. Die Familie - Ehefrau Adeola sowie die Söhne Oladimeji (4) und Oladapo (2) - „fühlt sich wohl in Aachen”. Natürlich habe er manchmal Heimweh. „Aber das ist normal.” Nächster Flug zu den Eltern nach Nigeria: in der Sommerpause.
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