Köln - Schaefer haucht dem FC neues Leben ein

Schaefer haucht dem FC neues Leben ein

Von: Günter Kirschbaum
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Scheute keinen Zweikampf: Mato
Scheute keinen Zweikampf: Mato Jajalo kommt vor Stuttgarts Gotoku Sakai an den Ball. Foto: imago/Avanti

Köln. Die Stimmung hatte sich irgendwo zwischen Enttäuschung und Erleichterung eingependelt. Enttäuschung, weil die Mannschaft den Sieg verpasst hatte, Erleichterung, weil das 1:1 (0:0) gegen den VfB Stuttgart und die gleichzeitige Niederlage von Hertha BSC gegen Absteiger Kaiserslautern die Distanz auf die direkten Abstiegsplätze auf zwei Punkte verdoppelte.

Und in einem waren sich am Ende des Tages aber alle einig, die es mit dem FC halten: Köln kämpft, Trainer Frank Schaefer hat der Mannschaft neues Leben eingehaucht.

Der FC hatte nervös und unsicher begonnen. Die Angst der Kölner Profis war bis auf den entferntesten Platz im ausverkauften Stadion zu spüren. „25 Minuten lang hatten wir die Unsicherheit in den Knochen”, sagte Torhüter Michael Rensing. „Dann sind wir immer sicherer geworden. Auch durch die tolle Unterstützung der Fans.” Doch die war es sicherlich nicht alleine, die die FC-Leistungskurve geradezu nach oben schnellen ließ. Es war auch die Nachricht vom Lauterer 1:0 in Berlin, die einen Jubelsturm auf den Rängen auslöste, als sie auf der Videowand eingeblendet wurde.

Plötzlich griffen die Automatismen, liefen unter anderem der zuletzt grottenschlechte Kapitän Pedro Geromel, Miso Brecko und Slawomir Peszko zu großer Form auf. „Ich habe heute elf Spieler gesehen, die alles in die Waagschale warfen”, wollte Frank Schaefer keinen aus seiner Herde hervorheben. Aber: „Wenn die Mannschaft funktioniert, funktioniert auch der Einzelne.”

Und sein Team funktionierte. Der FC lieferte seine „beste Leistung seit vielen, vielen Wochen” (Rensing) auch deshalb ab, weil Kevin McKenna der Wortführer im Abwehrzentrum war, Lukas Po-dolski seine Kollegen immer wieder antrieb und die Elf insgesamt eine überragende Laufbereitschaft zeigte. „Wir hätten natürlich gerne gewonnen, hatten auch die Möglichkeiten und hätten uns belohnen können”, fasste Schaefer seine Eindrücke zusammen. „Wir nehmen aus diesem Spiel den Punkt und vor allem die Tatsache mit, dass wir eine Leistung gezeigt haben, wie man sie im Abstiegskampf zeigen muss.”

Podolski (28., 45.), Martin Lanig (32.), Geromel (36.) und Christian Clemens (49.) hätten ihre Mannschaft schon in Führung bringen können, ehe Peszko nach Vorarbeit von Mato Jajalo und Podolski zum 1:0 traf (50.). Der FC verpasste es nachzulegen, was der eingewechselte Cacau bestrafte. Nach einem tollen Zuspiel von Vedad Ibisevic tauchte Cacau frei vor Rensing auf - 1:1 (71.) Es war eine von insgesamt zwei Torchancen des VfB. Doch die reichte, um den Stuttgartern die Teilnahme an der Europa League endgültig zu sichern. „Köln war sehr gut, sehr defensiv organisiert”, zollte VfB-Trainer Bruno Labbadia dem FC ein Lob. „Da muss man auch mal mit einem Punkt zufrieden sein.”

Der Wandel innerhalb einer Woche beim FC ist frappierend. Doch für Michael Rensing ist die Erklärung denkbar simpel. „Das Training macht riesig Spaß, wir sind viel aggressiver”, schildert er. „Der alte Mief geht ein bisschen raus, jeder fühlt sich freier, alle sind sehr, sehr motiviert.”

Zwar ist Platz 15 rechnerisch noch drin, doch beim FC ist man realistisch. „Es sieht nach Relegation aus”, schildert Hauptgeschäftsführer Claus Horstmann seine Sicht der Dinge. „Die Leistung in diesem Spiel macht Mut für die Relegation.”

Für gute Laune wird bei Claus Horstmann nicht nur die Leistung der Kölner Profis gesorgt haben. Ein großes Transparent vor der Südtribüne mit der Aufschrift „Wernze stoppen” dürfte dem Hauptgeschäftsführer gefallen haben.

FC-Aufsichtsrat Franz-Josef Wernze tritt Montagabend (19 Uhr) bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung gemeinsam mit Bernd Steegmann im Team von Karl-Heinz Thielen an. Thielen, für den sich Podolski vor ein paar Tagen öffentlich positioniert hatte und dafür von Horstmann gerüffelt wurde, will Präsident werden und fordert Rederecht. Was ihm laut Vereinssatzung aber nicht zusteht. Und Werner Spinner, den der Verwaltungsrat am Montag als Overath-Nachfolger vorschlagen wird, fürchtet offenbar, dass Wernze mit einer Millionen-Spritze für die klamme FC-Kasse die Stimmung kippen könnte. Das Feld für weitere Turbulenzen ist bereitet.

Sollte Spinner zum Präsidenten werden und mit Toni Schumacher und Markus Ritterbach das neue Führungstrio bilden, will der Klub Jörg Schmadtke (Hannover 96) als neuen Sportdirektor holen.

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