Aachen/Düsseldorf - Rösler zurück am Tivoli: „Bin sicher ein Spieler, der an der Grenze wandelt”

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Rösler zurück am Tivoli: „Bin sicher ein Spieler, der an der Grenze wandelt”

Von: Klaus Schmidt
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Die werden wohl keine Freunde
Die werden wohl keine Freunde mehr: Sascha Rösler ballt demons-trativ vor Armin Veh die Fäuste. Foto: imago/Eibner

Aachen/Düsseldorf. „Das weiß ja jeder”, sagt Friedhelm Funkel. „Das muss ich nicht mehr ansprechen” vor Alemannia Aachens Gastspiel bei Fortuna Düsseldorf. Sascha Rösler - „ein toller Spieler, ders manchmal übertreibt”.

Vor knapp zwei Wochen war die Fehde des Ex-Aacheners mit Armin Veh, Trainer von Eintracht Frankfurt, eskaliert; das 1:1 in der Nachspielzeit würdigte Rösler mit provokanten Gesten, was ihm die Gelb-Rote Karte einbrachte. Am Montagabend (20.15 Uhr) kehrt einer von Alemannias Aufstiegshelden der Saison 2005/06, der immer noch in Aachen wohnt, ins Rampenlicht zurück.

Wollten oder sollten Sie nicht reden nach dem hitzigen Spiel gegen Eintracht Frankfurt?

Rösler: Es gab keinen Maulkorb. Es ging nur darum, wieder Ruhe reinzubekommen vor dem Spiel bei 1860 München, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Und nicht weiter irgendwelche Geschichten hin und her schießen.

Was geschieht mit dem netten Menschen Sascha Rösler, wenn er einen Fußballplatz betritt?

Rösler: Man kennt mich ja nun eine Weile. Ich kann das auch nicht sagen. Im Fußball gehört es dazu, eine gewisse Aggressivität aufzubauen, Adrenalin. Ich bin mit Herzblut dabei und will gewinnen. Wenn es nicht läuft, kommt dann bei mir Jähzorn dazu. Ein Stück weit gehört das zu meiner Spielweise. Privat bin ich ganz anders. Wenn ich mich selber auf dem Platz sehe, ist mir das teilweise schon unangenehm. Aber es kommt ja nicht in jedem Spiel vor.

Armin Veh hat Sie einen „Rotzlöffel” und „eine Schande für den deutschen Fußball” geheißen.

Rösler: Das möchte ich nicht mehr kommentieren. Das ist abgeschlossen. Ich will mich nur auf die nächsten Aufgaben konzentrieren.

Fühlen Sie sich zu Unrecht kritisiert?

Rösler: Im Endeffekt stehen wir in der Öffentlichkeit. Ich muss damit leben, dass der eine oder andere nicht mit meiner Art zurechtkommt. Aber darüber mache ich mir keine Gedanken.

Warum schützen Sie sich nicht selbst und bleiben einfach weg, wenns brennt?

Rösler: Das ist doch gut, wenn einer da ist, wos brennt! Ich bin sicher ein Spieler, der an der Grenze wandelt und zwei, drei Mal in der Saison darüber hinaus geht. Das tut dann auch der Mannschaft nicht gut - aber in allen anderen Spielen. Ich bin jetzt 34, da werde und will ich mich nicht mehr ändern. Ich lasse mich nicht verbiegen.

Wie geht die Fortuna mit Ihnen und Ihren Schlagzeilen um?

Rösler: Wir haben intern gesprochen und das in Ruhe geregelt. Dass meine Aktion im Spiel gegen Frankfurt nicht gutgeheißen wurde, ist ja klar. Aber sie wurde auch heißer gekocht, als sie war. Man will mich weiter mit Leidenschaft auf dem Platz sehen.

Hat Thomas Stehle, Ihr bester Kumpel aus Alemannia-Tagen, ein paar freundschaftliche Tipps gegeben?

Rösler: Wir sprechen eh über alles. Klar hat Thomas mir seine ehrliche Meinung gesagt. Er fand das auch nicht gut.

Und der Ratschlag lautete: Sascha, lass die Scheiße sein.

Rösler: So ungefähr.

Ärgert es Sie nicht selbst, dass keiner mehr von Ihrer sportlich tollen Saison redet? Vom erfolgreichsten Schützen der Fortuna, vom zweiten Platz bei der Wahl zum Tor des Jahres hinter dem Welt-Star Raúl?

Rösler: Ärgern würde ich das nicht nennen. Fußball ist ein Tagesgeschäft, da gibt es jeden Tag neue Schlagzeilen. Wenn ich jetzt wieder sportliche Schlagzeilen mache, sind die anderen vergessen. Aber dafür bin ich selbst verantwortlich.

Sind die Nebengeräusche, die Fortuna auch vor dem Hintergrund einer Elfmeter-Flut begleiten, ein Grund für die Sieglos-Serie?

Rösler: Überhaupt nicht. Wir haben gewusst, dass wir nicht durch die Liga marschieren werden. Das letzte Spiel bei 1860 München war richtig gut, eins unserer besten Auswärtsspiele. Es fehlt das Quäntchen Glück, und hinten gibts ein dummes Tor. Wir dürfen uns jetzt nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wir sind eine gute Mannschaft, spielen guten Fußball. Und wenn wir das wieder in Punkte umsetzen, ist die Chance groß, dass wir bis zum Saisonende eine gute Rolle spielen.

Welchen Sascha Rösler werden wir nach seiner Sperre am Montagabend gegen Alemannia erleben?

Rösler: Gute Frage. Ich bin kein Hellseher. Ich werde wieder alles für den Verein geben, damit wir gewinnen. Und ich werde versuchen, diesen Willen in Grenzen zu halten.

Albert Streit muss nicht mit Helm erscheinen

„Wir kommen auch so klar”, hat Fortuna-Trainer Norbert Meier auf die Anfrage von Albert Streit geantwortet, ob er denn am Montag „mit Helm erscheinen muss”. Zum ersten Mal seit dem 6. Dezember 2005, als sich der damalige Coach des MSV Duisburg und der damalige Profi des 1. FC Köln Stirn an Stirn gegenüberstanden und Meier wie vom Blitz ereilt zu Boden sank, treffen die beiden aufeinander. Friedhelm Funkel: „Sie verstehen sich blendend, da wird es keine Berührungsängste geben.”

Ohne personelle Probleme kam Alemannia bislang durch die Trainingswoche. Welche zwei Spieler in Düsseldorf nicht zum Kader gehören werden (gegen Hansa Rostock traf es Thomas Stehle und David Odonkor), das entscheidet Funkel kurzfristig.
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