Roel Brouwers: „Da ist was zusammengewachsen”

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Roel Brouwers: Zurück auf ei
Roel Brouwers: Zurück auf einen Stammplatz? Foto: imago

Mönchengladbach. Er steht symbolhaft für die Saison: Verletzungen, Platzverweis, gute Leistungen in der Rückrunde - Roel Brouwers hat einiges mitgemacht in dieser verrückten Spielzeit. Der Niederländer hatte wie viele andere nicht mit dem Abstiegskampf gerechnet.

Deshalb buchte er seinen Urlaub bereits im September und musste ihn wegen der Relegationspiele verschieben. Der unerwartete Abstiegskampf hat aber auch noch andere Spuren hinterlassen. Mit Brouwers sprach unser Redakteur Bernd Schneiders.

Roel Brouwers sitzt beim „Endspiel” auf der Bank und wird erst eine Minute vor Schluss eingewechselt. Was fühlt man da?

Brouwers: Erst mal bin ich überglücklich, dass wir es geschafft haben, und dankbar, dass ich noch reindurfte. Ansonsten war es schon hart. Ich habe zwei gute Spiele gemacht gegen Dortmund und in Hannover, beide haben wir zu Null gewonnen. Da hofft man natürlich, weiterspielen zu dürfen. Ich hätte so gerne geholfen. Aber ich muss das akzeptieren. Wichtig ist, dass wir dringeblieben sind. Wie ist egal.

Überlegt man dann, sich anders zu orientieren?

Brouwers: Ich habe noch ein Jahr Vertrag. Und im nächsten Jahr muss ich dann schauen: spiele ich oder spiele ich nicht. Jetzt aber will ich bleiben und in der nächsten Saison richtig Gas geben. Ich fühle mich hier pudelwohl.

Mit Dante und Martin Stranzl haben Sie zwei richtige Brocken vor sich. Würden Sie sich anders entscheiden, wenn es ein Angebot für Sie gäbe?

Brouwers: Wenn Barca anfragt, ist es schwer, nein zu sagen . . . Aber im Ernst: Natürlich würde ich gerne spielen.

Haben Sie so eine Saison schon einmal erlebt?

Brouwers: Unter Hans Meyer war es zumindest ähnlich. Elf Punkte bis zur Winterpause, 31 am Schluss, und wir sind dringeblieben - ohne Relegation. Diesmal hatten wir sogar nur zehn Punkte im Winter und mussten mit 36 Punkten in die Relegation.

Was war los in der Hinrunde? War sie wirklich so desaströs, nur weil es viele Verletzungen gab?

Brouwers: Wir hatten viele Verletzungen, speziell in der Abwehr. Aber das kann nicht der alleinige Grund gewesen sein. Bei den Klatschen zu Hause gegen Frankfurt und in Stuttgart waren Dante und ich dabei. Es kann also nicht nur daran gelegen haben. In Leverkusen spektakulär gewonnen, und dann solche Nackenschläge: Unsere Leistungen lagen damals meilenweit auseinander.

Aber woran lag es denn?

Brouwers: Die zwei Klatschen haben uns einen Knacks gegeben. Das war die ganze Hinrunde zu merken - und auch deshalb hatten uns viele bereits abgeschrieben. Hinzu kam natürlich, dass wir zu viele Spiele nur zu zehnt beendet haben. Das durfte nicht sein. Das mussten wir ablegen. Vor allem aber die Anzahl der Gegentore. Drei im Schnitt - das ging gar nicht.

In den letzten sechs Saisonspielen habt ihr unter Lucien Favre fünf Mal zu Null gespielt. Also lag es nur am Trainer?

Brouwers: Nein, jetzt ist auch Martin Stranzl dabei. Und wir stehen einfach besser, organisierter und meistens auch höher, weiter weg vom eigenen Strafraum.

Aber genau das würde doch auch gegen Michael Frontzeck sprechen, oder?

Brouwers: Aber warum hat es dann letzte Saison so gut geklappt? Da sind wir nicht in Abstiegsnöte geraten und haben auch richtig gut Fußball gespielt. Deshalb haben wir ja auch alle gedacht, jetzt machen wir den nächsten Schritt und landen in der neuen Spielzeit auf Platz elf oder zwölf.

Was sind denn die Lehren aus dieser Spielzeit? Mehr Qualität auf der Bank, um Verletzungen 1:1 kompensieren zu können?

Brouwers: 30 Spieler im Kader führt doch nur zu Problemen. 12 müssten dann permanent auf die Tribüne. Und wenn man sich unsere Bank zuletzt angeschaut hat: de Camargo, ich, Marx, Fink. Das ist eigentlich ausreichend Qualität.

Also hakt man die Saison als Pech oder Schicksalsschlag ab? Oder was wären die Lehren, die ein Sportdirektor Roel Brouwers aus den Geschehnissen ziehen würde?

Brouwers: Schicksal - das wäre doch zu einfach. Aber manchmal ist es im Fußball auch sehr, sehr schwierig. Ähnlich schwierig wie zu wissen, was in 28 Spielerköpfen so rumspukt. Aber bis ich Sportdirektor bin, habe ich ja noch einige Zeit.

Ballbesitz statt Kontertaktik: Das ist die Favre-Philosophie, die aktiven Fußball fordert und ja nicht sehr weit weg ist von der holländischen Idee, Fußball zu spielen.

Brouwers: Ja, selbst die kleineren Klubs versuchen das. Eine Mannschaft, die sich aufs Kontern versteift, ist selten zu finden. Deshalb gibt es ja auch den Spruch: „Wenn du den Ball hast, wirst du nicht müde.”

Und hast auch Vorteile, wenn es um Heimstärke geht.

Brouwers: Ja, mit dieser Spielauffassung hast du natürlich besonders gegen Mannschaften wie St. Pauli, Freiburg oder Mainz bessere Chancen zu gewinnen. Zuhause das Spiel zu machen und nicht auf Konter zu setzen, ist erfolgsversprechender.

Was kann diese sensationelle Rettung nach der desaströsen Hinrunde für die Zukunft bringen?

Brouwers: Ich hoffe, wie vor zwei Jahren auch: Nach einer schwierigen Saison kommt eine ruhige. Wenn man die letzten Spiele sieht, wie die Mannschaft zusammenhält, wie die Fans uns noch mehr als sonst unterstützt haben, wie alle im Verein eine Einheit gebildet haben - da ist was zusammengewachsen.

Den Urlaub aber werden Sie trotzdem nicht mit Kollegen verbringen.

Brouwers: Nein, mit meiner Freundin und einem befreundeten Paar werden wir nach Bali fliegen

Während der EM haben Sie im Urlaub in der Schweiz nahe bei der niederländischen Mannschaft Camping gemacht.

Brouwers: Ja, mit acht Kumpels. Das war eine Riesen-Gaudi.

Das könnten Sie doch jetzt auch bei der Frauen-WM, die ja unter anderem in Mönchengladbach ausgerichtet wird.

Brouwers: Ja, daran habe ich auch schon gedacht. Und dann mein Zelt auf dem Trainingsplatz aufschlagen. Bequemer ginge es nicht.

Also?

Brouwers: Nein danke. Ich würde unendlich Krach mit unserem Chef-Greenkeeper Georg Vievers bekommen. Das brauche ich nicht.

Zu Beginn der Saison bildete Roel Brouwers das Innenverteidiger-Pärchen zusammen mit Dante. Am 6. Spieltag gabs eine umstrittene Rote Karte auf Schalke. Im Pokal gegen Leverkusen zog er sich eine Meniskusverletzung (Riss) zu und fiel drei Spiele aus. Gegen die Bayern (11. Spieltag) wurde er wieder eingewechselt. Ein Spiel später zog er sich in Köln einen Muskelfaserriss im hinteren Oberschenkel zu. Wieder drei Spiele Pause.

In Freiburg (16. Spieltag) raus mit einer Gehirnerschütterung und einem Bänderanriss im Sprunggelenk. Winterpause wieder fit. Fünf Tage vor Rückrundenauftakt den Meniskus eingeklemmt. Operiert. Dann wieder fit, doch Comeback geplatzt: grippaler Infekt.

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