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Perfekte Konter beim großen Spektakel

Von: Heribert Förster
Letzte Aktualisierung:
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Auch Torwart Logan Bailly (rechts) hatten ihren Spaß, als sich Raul Bobadilla bei der Humba mit den Fans von „Dolmetscher” Tobias Levels das H, das U, das M, das B und das A vorsagen ließ. Und die Humba gelang dem Argentinier so perfekt wie das Torschießen und Vorbereiten zuvor. Foto: Olaf Kozany

Mönchengladbach. Tobias Levels ging auf Konfrontationskurs mit den Zuschauern. „Ein solides 1:0 gefällt mir besser”, sagte Borussia Mönchengladbachs Verteidiger nach dem Duschen, „das brauche ich nicht jede Woche”. Das war ein aufregendes Fußball-Spektakel erster Güte, das nicht nur den normalen Zuschauer geschafft hatte.

„Ich bin kaputt, aber sehr glücklich.” Wie Sportdirektor Max Eberl erging es vielen, außer den Bremern. Die verließen konsterniert den Borussia-Park. „Wenn man sieht, wie wir die Woche über gearbeitet haben, dann ist die erste halbe Stunde absolut unverständlich”, sagte ganz ruhig Werder-Trainer Thomas Schaaf.

Die erste halbe Stunde, was für eine erste halbe Stunde!!! „In der ersten Halbzeit haben wir nahezu perfekt gekontert”, sagte ganz ruhig Borussia-Trainer Michael Frontzeck, der wie die 47.458 Zuschauer in der Anfangsphase eine Bremer Mannschaft sah, die dominierte und den Ball nett laufen ließ, jedoch nicht zwingend agierte. Zudem verloren die Gäste in der ersten Halbzeit keinen einzigen Zweikampf -Êund lagen nach 45 Minuten, die es so noch nicht oft gegeben hat in über 40 Jahren Bundesliga, dennoch 2:4 zurück.

Borussias Konter waren nur nahezu perfekt, weil Marco Reus bei Borussias viertem Angriff (24.) zu ungenau Richtung Raul Bobadilla passte, so dass die Chance zum 4:0 vertan war. Zuvor hatte die Borussia furios drei Angriffe erfolgreich beendet. Mit spielerischer Eleganz hoben sie die viel zu offensiv stehende Bremer Defensive aus den Angeln. Die verlor übrigens keinen Zweikampf - weil sie keinen führte.

Die Zukunft muss zeigen, ob die Verpflichtung Aymen Abdennours, 20, sportlich zu begründen ist. Mit seiner „Leistung” hätte der Tunesier noch nicht einmal beim Bremer A-Ligisten ATS Buntentor einen Stammplatz. Und wären statt Nationalspieler Per Mertesacker, 25, die Alt-Internationalen Karl-Heinz Schnellinger, 70, oder Willi Schulz, 71, aufgelaufen, sie hätten passiver nicht spielen können.

Die Borussia nutzte die Schwäche gnadenlos und führte nach nur 18 Minuten mit 3:0. Dank Reus (nach Bobadillas Vorbereitung und Levels´ Zuckerpass/4.), dank Roberto Colautti (nach Bobadillas Vorbereitung und Reus´ Zuckerpass/13.) und dank Bobadilla (nach erneutem Zuckerpass von Reus/18.). Bum, bum, bum, doch Bremen war noch nicht final getroffen. „Ich hatte kein gutes Gefühl, wir haben uns zu tief fallen lassen”, verriet Michael Frontzeck, der in der Halbzeit den Missstand ansprach und die Abwehr nach vorne schob.

„Das hat mir in der zweiten Halbzeit wesentlich besser gefallen.” Denn egal wie schlecht die Bremer auch sind: Dank ihrer individuellen Klasse in der Offensive sind sie immer für Tore gut. Was Mesut Özil (26.) zum 1:3 und Claudio Pizarro (40.) bewiesen. Doch vor dem Kopfballtor des Peruaners hatte Bobadilla seinen schon fünften, sechsten, siebten spektakulären Auftritt gehabt und das 4:1 erzielt (35.).

Überhaupt Bobadilla: Der Argentinier zeigte sein mit Abstand bestes Spiel und wurde frenetisch gefeiert. Bobadilla-Sprechchöre hatte es zuvor nicht gegeben im Borussia-Park. Die, nun ja, Wuchtbrumme glänzte nicht nur als Torschütze und Wegbereiter, mit seinem Arbeitseinsatz passt er gut in Frontzecks Idealbild vom Mannschaftsspieler.

Der Trainer weiß, dass sich sein junger Stürmer selbst arg unter Druck gesetzt hatte wegen fehlender Erfolgserlebnisse. Dass sich Bobadilla nach dem zweiten Treffer eine Verwarnung abholte, weil er sein Trikot auszog, nahm ihm Frontzeck nicht krumm. „Da hat man gesehen, wie es in ihm gebrodelt hat.” Aber nicht am Selbstvertrauen genagt, „ich habe immer an mich geglaubt”, sagte das lernbegierige Talent nach einem, nach seinem „Super-Tag”.

Wie der ablaufen könnte, „davon hab´ ich geträumt”, sagte Frontzeck augenzwinkernd, und „bin schweißgebadet aufgewacht”. Doch nur Torsten Frings sorgte per Elfmetertor nach Logan Baillys überflüssiger Kung-Fu-Attacke gegen Marko Marin (85.) noch für ängstliche Momente bei den Fans, mit denen sich Tobias Levels direkt nach dem Spiel solidarisiert hatte: „Das war ein sensationelles Spiel und eine Riesenleistung.”
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