Odonkor muss vorerst die Rolle als „Joker” akzeptieren

Von: Christoph Pauli
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Auf Ballhöhe: Die Karriere von David Odonkor ist bei Alemannia wieder angesprungen. Foto: imago/Picture Point

Aachen. Die Spielweise von David Odonkor ist längst dechiffriert. Er stürmt auf den Gegenspieler zu, schlägt einen Haken nach rechts, schaltet den Turbo zu, und dann sieht der Verteidiger meistens nur noch die Rücklichter.

Am Sonntag wird der 27-Jährige kurz vor 13.30 Uhr aus der Kabine kommen, wird wie gewohnt den Haken nach rechts schlagen, dann den Gang rausnehmen und sich auf der Bank niederlassen. Alemannias Rakete zündet beim vorgezogenen Rückrundenstart vorerst nicht. Odonkor wird sich auch bei der Partie morgen gegen Erzgebirge Aue erst einmal in die Warteschleife begeben.

Trainer Friedhelm Funkel sieht „wenig Anlass”, beim TivoliKehraus 2011 Kader und Aufstellung zu ändern.
Vielleicht kann das Team aber den mauen Eindruck des Alemannia-Jahres noch etwas positiver gestalten. Die Mannschaft kommt nach einer schwankenden Hinrunde stabiler daher. „Das Team entwickelt sich schrittweise. In ihrem Auftreten und ihrem Stimmungsbild hat sie sich verbessert”, sagt der Trainer, der den ganzen Verein beruhigt hat. Langsam, ganz langsam wächst gerade wieder der Glaube an die eigene Stärke.

Odonkor ist unzufrieden mit seiner Situation, daraus macht er keinen Hehl. Die Rolle des Jokers kennt er seit Jahren, er mag sie nicht besonders, er will nur spielen. Es brodelt in ihm, der Tempo-Fan will möglichst schnell wieder in die Startformation aufrücken. Und doch wird der Angreifer keinen kleinen Aufstand proben. „Ich bleibe ganz ruhig, habe so viel erlebt in den letzten Jahren.”

In Aachen ist seine Karriere nach monatelangen Knieproblemen noch einmal angesprungen. Der Lahme kann wieder gehen, im konkreten Fall wieder flitzen. Die meisten Vereine trauten seiner Fitness nicht mehr, waren nicht interessiert. Zu prall war die Krankenmappe geworden. Für die Szene war er ein Ex: Ex-Nationalspieler, Ex-Profi. Manager Erik Meijer gab ihm einen Zehn-Monatsvertrag bis zum Saisonende. Den Stresstest in der Liga hat er inzwischen bestanden.

Der Rücken zwickte, die Muskulatur schmerzte zwischendurch - aber das fragile Knie hält den Belastungen stand. Odonkor hat nicht vergessen, dass der Verein ihn wieder ins Schaufenster gestellt hat. „Ich bin Alemannia sehr dankbar. Wenn ich diese Chance nicht bekommen hätte, wäre ich auf der Straße geblieben.” Das Interesse anderer Klubs ist wieder entflammt, und angeblich bietet sein Vertrag die Möglichkeit, schon im Winter weiterzuziehen. „Ich bin auch noch nach Weihnachten hier, mit anderen Klubs beschäftige ich mich nicht”, bekräftigt der Angreifer.

„Er muss konzentrierter sein”

Die Odonkors haben sich längst in der Städteregion niedergelassen, fühlen sich wohl, auch wenn es sportlich derzeit zwickt. „Andere Spieler haben gerade die Nase ein bisschen vorne”, sagt Trainer Friedhelm Funkel. „Er muss konzentrierter sein, besser die Vorgaben umsetzen.” Der schnelle Stürmer habe zwischendurch ein paar PS verloren, hat der 58-Jährige beobachtet. Auch das sei keine überraschende Entwicklung nach so langer Zeit ohne jeden Spielrhythmus. Funkel wird den Flitzer gegen Aue zunächst in der Garage lassen, vermutlich rast er erst später los. Sich in Geduld zu üben hat Odonkor in den letzten Jahren gelernt.

Alemannia beschäftigt sich mit Stieber und Streit

Verstärken will Erik Meijer sein Team in der Rückrunde. Noch ist der finanzielle Rahmen nicht definiert, in dem sich der Manager bewegen kann. Auf einer kleinen Liste mit möglichen Neuzugängen stehen nur Spieler, mit denen der Trainer schon an anderen Stationen gearbeitet hat oder die schon für Alemannia gespielt haben. Beispiel: Zoltan Stieber, der bei Mainz 05 derzeit selten eingesetzt wird.

Ein anderes Beispiel ist Albert Streit, der eine sehr turbulente Zeit bei Schalke 04 hinter sich hat. Der Mittelfeldspieler wurde schnell von den Profis freigestellt, verdiente seine Millionen in der Regionalliga. Es gibt wohl kaum einen Spieler mit einem schlechteren Leumund. Derzeit hält er sich beim NRW-Liga-Primus Viktoria Köln fit. Friedhelm Funkel arbeitete mit ihm durchaus erfolgreich zu Frankfurter Zeiten.
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