Köln - „Noch ein Stück mehr vom Abstieg weg”

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„Noch ein Stück mehr vom Abstieg weg”

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Wolfgang Overath
Ein Platz im gesicherten Mittelfeld ist die Zielvorgabe von Wolfgang Overath für die kommende Spielzeit.

Köln. Nach dem erfolgreichen Aufstiegsjahr des 1. FC Köln in der Fußball-Bundesliga zieht Präsident Wolfgang Overath im Gespräch mit Kerstin von Kalckreuth und Achim Schmidt Bilanz.

Herr Overath, wie lautet Ihr Saisonfazit?

Overath: Ich bin sehr zufrieden mit der Mannschaft, mit dem Trainer und mit dem, was sich in dieser Spielzeit in und um den Verein abgespielt hat. Manche Leute haben vielleicht vergessen, dass wir Aufsteiger sind. Unser Ziel war der Klassenerhalt. Diese Vorgabe haben wir glänzend umgesetzt. Wir standen kein einziges Mal auf einem Abstiegsplatz und hatten so endlich einmal Ruhe.

Waren Sie auch mit den spielerischen Auftritten zufrieden?

Overath: Wir haben gute Spiele abgeliefert und ein paar weniger gute. Wer auswärts in München, Hamburg und Stuttgart gewinnt, kann durchaus stolz darauf sein.

Im eigenen Stadion lief es nicht ganz so gut...

Overath: Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir zu Hause wieder eine Macht werden. Darüber wird sich unser Trainer Christoph Daum im Urlaub Gedanken machen. Wir haben ein fast immer ausverkauftes Stadion, wo die Fans bereit sind, alles für den Verein zu geben. Da müssen die Spieler mit aggressivem Zweikampfverhalten dem Gegner von der ersten Minute an Respekt einflößen. Wenn es gelingt, unsere Heimschwäche abzulegen, dann sind wir schon ein ganzes Stück weiter.

Und was ist in der neuen Saison für den FC drin?

Overath: Wir haben eine gute Saison gespielt, aber wir haben den Abstieg auch immer so ein bisschen im Nacken gehabt. Wir streben einen Platz im gesicherten Mittelfeld an, noch ein Stück mehr vom Abstieg weg, so um den neunten, zehnten Platz herum. Wir wissen aber ganz genau, dass eine schwere Aufgabe auf uns wartet. Das zweite Jahr ist schwerer als das erste. Dies hat das Beispiel Karlsruhe gezeigt.

Helfen kann dabei sicherlich Lukas Podolski, auch wenn die Erwartungshaltung der Fans ihm gegenüber riesig ist...

Overath: Wir haben mit Lukas Podolski einen deutschen Nationalspieler, den sich viele Vereine wünschen, für einen guten Preis zurückgeholt. Die Situation für ihn ist allerdings nicht einfach, weil der Druck riesengroß ist. Wir alle müssen ihm helfen. Er braucht sehr viel Unterstützung, Wärme und die Nähe zu den Menschen - und natürlich Selbstvertrauen, denn wenn du das nicht hast und zitternd auf den Platz gehst, kannst du keine Leistung bringen.

Besteht nicht die Gefahr, dass die anderen Spieler sich zurückgesetzt fühlen, wenn sich alles nur um Podolski dreht?

Overath: Es ist eine Aufgabe für Trainer und Verein, auch die anderen Spieler stark zu machen.

Die Planungen hinsichtlich neuer Spieler sind nach der Verpflichtung von Podolski und Sebastian Freis aber noch nicht abgeschlossen...

Overath: Es wäre überheblich zu sagen, der Fall wäre mit diesen beiden Neuzugängen geritzt. Wir haben Qualität in der Mannschaft, aber müssen uns auf einigen Positionen im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten verstärken.

Welches Risiko sind Sie bereit, dafür einzugehen?

Overath: Wir möchten natürlich Erfolg haben und ganz nach oben. Das kann aber alles nur im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten geschehen. Sobald wir in eine Situation kommen, die ich nicht mehr verantworten kann, wird es von mir kein einziges Okay mehr geben. Für mich ist es wichtiger, dass ich jederzeit, auch wenn ich mal in fünf Jahren aufhöre, sagen kann: Ich habe alles versucht, aber immer im Rahmen der Möglichkeiten. Wir werden nicht hasardieren.

Was halten Sie in diesem Zusammenhang von der Einführung der „50 plus 1”-Regel, die einem Geldgeber die Macht einräumen würde, einen Verein allein nach seinen Vorstellungen zu führen?

Overath: Die Gefahr ist einfach zu groß, dass einer käme, der nach ein paar Jahren plötzlich wieder abspringt und dass dann alles den Bach runter geht, wie es vielen Vereinen im Amateurbereich passiert ist. Aber die Vorstellung ist natürlich schon schön, dass jemand kommt, der dem Verein 100 Millionen gibt und alle Wünsche erfüllt.

Der neue Deutsche Meister VfL Wolfsburg ist in einer vergleichbar glücklichen Lage. Kann der FC mit solchen Vereinen konkurrieren?

Overath: Das ist schwierig, aber möglich. Der Unterschied zwischen den Spielern, die Wolfsburg kaufen kann und denen, die wir holen können, ist von der Qualität her gar nicht so groß. Als Beispiel sehe ich den Vergleich zwischen Milivoje Novakovic und Grafite oder Dzeko. Der Unterschied liegt in der Quantität. Wenn Wolfsburg 20 Spieler holt, dann können ruhig fünf oder sechs durchfallen. Wenn wir einen Podolski holen, muss er einschlagen.

Gibt es sonst noch eine Chance?

Overath: In unserer Situation müssen wir auf junge Leute bauen. Wir müssen es schaffen, dass jedes Jahr ein bis zwei Spieler den Sprung in den Profibereich schaffen. Wenn das gelingen sollte, haben wir schon in ein paar Jahren die halbe Mannschaft mit eigenen Leuten besetzt, die zudem aus der Region kommen.

In den Bereichen Zuschauereinnahmen oder Merchandising ist der FC bereits an Grenzen gestoßen...

Overath: Wir haben keine Chance, über die Zuschauer mehr Geld einzunehmen. Wir sind fast immer ausverkauft. Auch werbemäßig haben wie keine Möglichkeit, mehr Banden oder Logen zu verkaufen. Die sind alle ausgebucht. Bei den Fernseh-Einnahmen, die über eine Mehrjahres-Wertung abhängig vom Tabellenplatz vergeben werden, haben uns die vielen Abstiege in den letzten Jahren zurückgeworfen. Eine Chance wäre, das Stadion zu vergrößern. Dann käme aber eine Unmenge an Kosten auf uns zu, und die Zuschauer-Einnahmen machen nicht mehr einen so großen Anteil an unseren Einnahmen aus. Die andere Chance wäre, wenn wir international spielen würden...

Die Fans hätten es auf alle Fälle verdient. Woher kommt die Faszination für den FC?

Overath: Vor fast 50 Jahren war dieser Klub, was heute Bayern München ist - das Größte, was es in Deutschland gab: weiße Trikots wie Real Madrid. Wir hatten das Geißbockheim, als sich die anderen noch in Garagen umgezogen haben. Wir wurden Deutscher Meister, Vizemeister, Meister. Und damals ist der Vater mit seinem Sohn ins Stadion gegangen. Und der Kleine hat das Ganze aufgesogen. Jetzt ist er 40 Jahre und bringt seine Kinder mit zum FC. Diese Liebe von so vielen zu diesem Club ist deshalb so groß, weil wir vor 40 Jahren erfolgreich waren. Davon leben wir heute noch.

Dann können Sie sich doch sicherlich vorstellen, im November für eine weitere Amtszeit als Präsident zu kandidieren?

Overath: Damit beschäftige ich mich momentan überhaupt nicht.
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