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Nicht nur Familie Araujo ist traurig

Von: Stefan Hermanns
Letzte Aktualisierung:
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Diese Liebe wird arg strapaziert – bei jedem Auswärtsspiel. Dennoch unterstützten 10 000 Fans ihre Borussia in Berlin inklusive einer gelungenen Choreografie. Foto: sport/Matthias Koch

Berlin. Dass der Arbeitstag für die Familie de Araujo nicht besonders glücklich verlaufen war, ließ sich unschwer zu erkennen. Ronny, der jüngere der beiden Brüder, türmte als Erster vom Feld, lange bevor seine Kollegen von Hertha BSC vor ihren Fans den 1:0 (1:0)-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach feierten. Wenig später kam auch sein älterer Bruder Raffael, im Hertha-Trikot auf links gedreht. Auf Kontaktanfragen reagierte er nicht, wortlos und mit leerem Blick verschwand er in die Kabine. Es war wirklich kein guter Abend für die beiden Fußballer aus Brasilien gewesen.

Das Bruderduell, von dem vor dem Spiel ausschweifend die Rede gewesen war, hatte nicht stattgefunden. Ronny blieb 90 Minuten auf der Bank, und dass seine Offensiv-Dienste nicht benötigt wurden, hing indirekt auch mit seinem Bruder zusammen. Die Berliner kümmerten sich rührend um Raffael. Immer wenn der frühere Herthaner an den Ball kam, stürzte sich einer seiner Gegenspieler auf ihn und attackierte ihn mit Verve. Raffael konnte dadurch nie die Wirkung entfalten, die ihn für Borussias Spiel so wichtig gemacht hatte. Gerade in der zweiten Halbzeit fanden die Gladbacher keine spielerischen Lösungen gegen den engagierten Aufsteiger.

Borussia blieb zum ersten Mal in dieser Saison ohne Tor. Dabei sah es anfangs gar nicht so schlecht aus. In keinem ihrer bisherigen Heimspiele waren die Berliner so wenig dominant wie in der ersten Hälfte gegen die Gäste vom Niederrhein. Eigentlich hatten sie die Gladbacher früh attackieren wollen, doch von diesem Plan nahm Hertha schon zeitig Abstand, weil sich die Borussen immer wieder aus dem Pressingsituationen befreien konnten. „Wir mussten viel mehr Defensivarbeit verrichten als sonst“, sagte Herthas Trainer Jos Luhukay.

Umso ärgerlicher war es für die Gladbacher, wie leichtfertig sie die Führung der Berliner zuließen. Einen Freistoß von Per Skjelbred verlängerte Adrian Ramos mit dem Kopf zum 1:0 ins Tor. Es war zehn Minuten vor der Pause der erste Schuss überhaupt, der auf Borussias Tor kam. Die Gäste erspielten sich zwar auch keine Chancen im Minutentakt, hatten allerdings einige gute Gelegenheiten; die beste vereitelte Torhüter Thomas Kraft quasi mit dem Pausenpfiff, als er einen Schuss von Max Kruse parierte. In den zehn Minuten nach dem 0:1 hatten die Gäste ihre stärkste Phase. Da spielten sie schnell und rissen Lücken in Herthas Offensivblock – nach der Pause aber war davon nichts mehr zu sehen.

„Wir sind dem Spiel hinterhergelaufen“, sagte Torhüter Marc André ter Stegen. Borussia machte es zu kompliziert, verlor dadurch immer wieder früh den Ball und war die komplette zweite Hälfte hindurch erschreckend harmlos. Der erste (und einzige) Schuss aufs Berliner Tor gelang Raffael erst in der 79. Minute. Selbst nach den für Favres Verhältnisse frühen Einwechslungen von Hrgota, Younes und de Jong entwickelte die Mannschaft in der Offensive keine Gefahr mehr. „In der zweiten Halbzeit war es zu wenig“, sagte Borussias Trainer. Zu allem Überfluss sah Martin Stranzl kurz vor Schluss Gelb-Rot, nachdem Schiedsrichter Dr. Jochen Drees ihm zwei Kopfballduelle als Fouls ausgelegt hatte. Der Österreicher fehlt im nächsten Spiel. „Momentan ist es ein kleines Problem“, sagte Favre, der nun am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt seine Stamm-Innenverteidigung (Stranzl und Alvaro Dominguez) ersetzen muss.

Als die knapp 10.000 Fans der Borussia im Olympiastadion sich und ihre Leidenschaft mit einer schönen Choreografie ein bisschen feierten, war auf einem Spruchband in der Kurve „Liebe kennt keine Entfernung“ zu lesen. Aber diese Liebe wird in der Ferne inzwischen auf eine harte Probe gestellt. In fünf Auswärtsspielen holten die Gladbacher einen einzigen Punkt, zum fünften Mal gerieten sie 0:1 in Rückstand und brachten sich damit selbst aus dem Konzept. Das Phänomen ist offenkundig – und trotzdem schwer zu erklären. „Du weißt nicht, warum du auswärts nicht punktest“, sagte Favre. Ob das nicht langsam zu einem Problem für den Kopf werde, wurde Borussias Trainer in der Pressekonferenz gefragt. „Wenn sie immer darüber reden, wird es ein Problem im Kopf“, antwortete er.

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