„Nicht jeder muss ein Usain Bolt sein ...”

Von: Bernd Schneiders
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Haarsträubend: Roel Brouwers ist ein gelernter Tor-Verhinderer, entpuppt sich aber als gefährlicher Torjäger. Foto: imago/Alfred Harder

Mönchengladbach. Sammler und Jäger gibt es auch noch im 21. Jahrhundert. Roel Brouwers wird vor dem Training von einem Exemplar abgefangen. Doch dem geht´s nicht um Beeren oder Bären, sondern um Unterschriften auf Spielerbildchen.

Gleich sieben Mal muss der Innenverteidiger unterschreiben. Sieben Mal Roel Brouwers. Warum das? „Vielleicht tauscht er”, mutmaßt der 27-jährige Niederländer. Was sind denn wohl sieben Brouwers´ wert? „Hmmmm ...”, überlegt der Mönchengladbacher Abwehrspieler, „ ... ein Robben?”

Wenn es nach Johan Derksen geht, war der Kurs vor kurzem noch ungünstiger. In der Fernseh-Talkshow „Voetbal International” gestand der Chefredakteur der gleichnamigen Fußball-Fachzeitschrift, dass er den Namen noch nie gehört hat „und ich im Lexikon nachschlagen musste”. Sicherlich nicht unter der Rubrik holländische Feinkostabteilung.

„In Amsterdam erkennt mich keiner.” Denn der Mann aus dem Lande, das sich so sehr dem „mooie voetbal” (schönen Fußball) verschrieben hat, hat mehr kämpferische denn künstlerische Qualitäten.

Die aber garniert er diese Saison bereits mit vier Toren. Drei Kopfbälle, und am letzten Freitag in München ein kaltblütiger Abschluss mit dem Fuß zum 1:1, der jedem Torjäger gut zu Gesicht gestanden hätte. „Ich war selbst überrascht, wie ruhig ich geblieben bin.”

Aber auch in seiner originären Aufgabe, der Torverhinderung, erledigt er seit Monaten einen guten Job. Mit Dante bildet er den Kern einer Abwehr, die - wie zuletzt gegen Schalke und in München - dem Gegner nur wenig Chancen gewährt. Dabei trauten dem 1,90-Meter-Schlaks nur wenige zu, sich in der Ersten Liga durchzusetzen.

„Ich habe daran geglaubt, sonst hätte ich nicht nach Mönchengladbach wechseln sollen”, sagt Brouwers. „Aber das erste halbe Jahr war eine harte Zeit für mich.” Wie viele seiner Aufstiegskollegen verlor er seinen Stammplatz. Zu langsam - lautete der Tenor.

Ein Vorurteil: Der Limburger bewies, dass man Defizite kompensieren kann, wenn man die richtige Einstellung und Ausbildung hat. Ein Vorbild für ehrgeizige Nachwuchsspieler, die nicht aus dem Füllhorn der Natur mit Talent-Genen überschüttet werden. „Ich bin sicher nicht der Schnellste, und auch nicht super beweglich. Aber nicht jeder muss ein Usain Bolt sein.”

Seine Trümpfe leuchten in Orange: die taktischen Fähigkeiten. „Mit dem richtigen Stellungsspiel gewinnst du leicht zwei, drei Meter.” Zwar empfindet der gebürtige Heerlener seine Spielweise eher als deutsch, verließ die Niederlande mit 23 Jahren Richtung Paderborn, doch das fußballerische Rüstzeug hatte er sich zuvor in der Heimat geholt. „Heute ist der Unterschied nicht mehr so groß, aber vor 15 Jahren hat sich die Ausbildung schon sehr unterschieden.”

Die „Gnade” der frühen Geburt lieferte den Schlüssel zur erstklassigen Karriere: „Wenn ich in Deutschland aufgewachsen wäre, hätte ich es vielleicht nicht geschafft, mich in der Ersten Liga durchzusetzen.”

So aber zwingt er Chefredakteure zum Nachschlagen. Und wenn er am Samstag gegen Hannover und auch weiterhin seinen Job so erstklassig erledigt und noch mehr Tore erzielt, dann wird er für eine Kursverbesserung an der Sammlerbörse sorgen: einen Robben gibt´s dann bereits für sechs Brouwers´.

Der Vertrag von Roel Brouwers läuft im Sommer aus. Ein erstes Gespräch zwischen seinem Berater und Sportdirektor Max Eberl hat es diese Woche gegeben. Der Abwehrpieler weiß, wenig überraschend: „Sie wollen verlängern.”

Brouwers auch („Ich fühle mich wohl”), und Eberl ist in Weihnachtsstimmung. „Vor Heilig Abend ist das erledigt.” Sicherlich nicht zu schlechteren Bedingungen als beim laufenden Vertrag.

Dass sein Traum, Erste Liga weiterhin Bestand hat, davon ist der 27-Jährige überzeugt. „Wir haben unser Potenzial in der ersten vier und den letzen fünf Spielen bewiesen.”

Und auch wenn es noch mal „zwei oder drei Spiele geben wird, in denen es schlechter läuft: Wir können um Platz 10 bis 13 mitspielen.”

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