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Neuville verabschiedet sich als echter Helfer

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Da ist er: Oliver Neuville empfängt auf den Schultern von Logan Bailly (rechts) und Raul Bobadilla gerührt den Abschiedsapplaus. Foto: Kruck

Mönchengladbach. Die Mönchengladbacher Kollegen meinten es gut mit Oliver Neuville: Die Leistung beim 1:1 gegen Bayer Leverkusen knüpfte lange Zeit nicht nahtlos, aber von der Fehlerquote her an die Blamage bei Hannover 96 an. Schlimmer konnte es nicht mehr werden.

Und so wechselte Trainer Michael Frontzeck den 37-Jährigen zu seinem 334. und letzten Bundesliga-Spiel wohl eher ein als geplant. Bereits nach 57 Minuten kam der ehemalige Nationalspieler für den völlig wirkungslosen Raul Bobadilla.

Und in seinen finalen 33 Minuten sorgte der Oldie für mehr Effiziens und Struktur im Sturm-Spiel als sein 15 Jahre jüngerer Vorspieler. Mit ihm verdiente sich die Heimelf (beinah) den 1:1-Ausgleich, den Roel Brouwers per Fuß nach einem Arango-Freistoß erzielt hatte (55.).

„Das war kein Gnadenbrot”

Und so erhöhte Neuville eine Geste zu einer echten Hilfeleistung, was sein Trainer denn auch befriedigt goutierte: „Es war kein Gnadenbrot”, sagte Frontzeck. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich ihn im Rollstuhl auf den Platz schieben muss.” Dessert statt Gnadenbrot: Fast hätte der Stürmer noch sein 92. Bundesliga-Tor zu einem unverdienten Sieg erzielt. Doch Neuville rutschte an der Arango-Flanke vorbei (70.).

Glitschig aber wurde der Rasen erst nach dem Schlusspfiff. Tränenreich nahm der kleine Sturmflitzer Abschied von den 54057 Zuschauern. Die Schultermuskulatur Neuvilles übersäuerte, der Bundesliga-Rentner traute sich nicht, die Arme herunterzunehmen beim Ablaufen des kompletten Stadion-Ovals. Sogar die Bayer-Fans in der Südkurve huldigtem ihrem ehemaligen Stürmer.

Die Gladbach-Anhänger hatten ihren Liebling bereits nach 30 Minuten lautstark gefordert: Beweis dafür, wie schwach die Borussen in die Partie starteten. Oder wie stark die Leverkusener. „Es war ein gutes bis sehr gutes Spiel von uns”, lobte denn auch ihr Trainer Jupp Heynckes, der diesen Sonntag 65 wurde. „Wir haben noch mal alles versucht, das Spiel zu gewinnen. Aber das war unser Problem diese Saison: Wir haben die Chancen nicht genug genutzt. Wir hätten das Spiel zur Pause schon entschieden haben müssen.”

Heynckes Hoffnung auf ein Hochrutschen auf Platz 3 durch einen Patzer Bremens war eh nur gering. Und so lobte er seine junge Mannschaft, die sich trotz der Langzeit-Ausfälle von Simon Rolfes, Renato Augusto und Patrick Helmes, Torschütze zum 1:0 (34.) als Tabellenvierter für die Europa League qualifizierte. „Das war ein außergewöhnlicher Erfolg.”

Sein ehemaliger Spieler und heutiger Kollege Michael Frontzeck mochte mit seinem zufriedenen Fazit auch nicht nachstehen. „Wir haben unsere Ziele zu 100 Prozent erreicht.” Der vorzeitige Klassenerhalt also. Auf der Schlussgeraden aber wurde der Borussen-Coach genügsam. „Ich bin froh, dass wir uns in der zweiten Halbzeit in die Partie reingebissen haben.” Über die Zahnlosigkeit vor der Pause gab er sich wenig überrascht. „So ein Spiel wie das 1:6 in Hannover schüttelst du nicht einfach so aus den Klamotten.” Und die mit der Spielzeit wachsenden Zähne ordnete Jupp Heynckes etwa anders ein. „Gladbachs Konter zum Schluss wären nicht passiert, wenn wir nicht volles Risiko gegangen wären.”

Unstrittig ist zumindest die Zahnlosigkeit der Frontzeck-Elf auswärts. Dort „mümmelten” sich Bobadilla & Co. auf den letzten Platz der Statistik. Das weiß auch Frontzeck, der darauf hinweist, „dass wir sehr gute Auswärtsspiele gemacht haben, ohne uns zu belohnen”. Es gibt noch viel zu tun.

Was es für Oliver Neuville zu tun gibt, ist noch nicht geklärt. Weiter in der Zweiten Liga oder ein Job bei Borussia? Geklärt aber ist, was auf keinen Fall in Frage kommt. Genüsslich hatte der 37-Jährige mit den Fans noch einmal die Anti-FC-Gesänge zelebriert. Um anschließend von einem Journalisten mit einem wahrhaft unsittlichen Antrag konfrontiert zu werden. „Was, wenn die Kölner sich melden?” - „Niemals! Dann höre ich lieber auf mit dem Fußballspielen.”
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