Köln - Nach Feierabend durch den Hinterausgang

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Nach Feierabend durch den Hinterausgang

Von: Günter Kirschbaum
Letzte Aktualisierung:
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Die Emotionen des Derbys: Verzweiflung bei Kölns Marvin Matip.

Köln. Eine Stunde nach der Demütigung schlich sich der letzte Kölner durch den Hinterausgang. FC-Kapitän Milivoje Novakovic hatte den Blick starr nach unten gerichtet und war nicht willens, auch nur ein Wort zum 2:4 (0:2) gegen Borussia Mönchengladbach zu verlieren. Zu groß war der Frust, zu tief saß der Stachel des eigenen Versagens, zu verdient war der Erfolg der „Elf vom Niederrhein”. Die Pleite gegen den Dauerrivalen hatte für einen ausgewachsenen Kater gesorgt.

Borussia-Trainer Hans Meyer hatte sich die letzten Heimspiele des 1. FC Köln offensichtlich besonders gründlich angesehen. Also hatte er sich für die Taktik entschieden, mit der der FC selbst auswärts anzutreten pflegt. Köln durfte das Spiel und die Fehler machen. Zwei davon führten zum Pausenstand von 0:2. Zunächst war es ein Fehlpass von Willi Sanou, der zu Marko Marin gelangte.

Gladbachs „Zauberzwerg” ließ Miso Brecko und Pedro Geromel stehen, passte präzise und hart von der Grundlinie in die Mitte. Dort fand er den Mann, der sich an diesem Nachmittag den Titel „Spieler des Tages” verdiente: Michael Bradley vollendete zur Führung (25.). Dann bildete Kevin Pezzoni 90 Sekunden vor der Pause nur die Eskorte für Alexander Baumjohann. Dessen Pass zwischen Geromel und Mohamad fand Karim Matmour - 0:2.

Trainer Christoph Daum wechselte mit Radu für Sanou und Ishiaku für Vucicevic zur zweiten Halbzeit noch mehr Offensive ein. Der Nigerianer war es auch, der durch zwei „assists” die beiden Treffer durch Miso Brecko einleitete (64., 82.). Zwischendurch hatte Rob Friend den Zwei-Tore-Vorsprung mit einem perfekten Konter wiederhergestellt (67.).

Den Schlusspunkt setzte Bradley per Foulelfmeter (87.). Der eingewechselte Gal Alberman hatte im FC-Strafraum geschickt bei Pezzoni „eingefädelt”, und Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer pfiff. Falsch, aber schwer zu erkennen.

Und während die Borussen ihren Triumph genossen, kündigte Christoph Daum an, die Lehren aus diesem Rückschlag umgehend zu ziehen. „Ich habe mir schon ein paar Dinge überlegt”, verkündete er sibyllinisch. „Aber es wäre nicht klug, das jetzt wütend und enttäuscht zu konkretisieren.”

Seinem kickenden Personal drohen in jedem Fall ein paar arbeitsintensive Wochen. Und wahrscheinlich die Abkehr von der offensiveren Ausrichtung, die zwar fürs Publikum attraktiver, dem Punktekonto aber eher abträglich zu sein scheint. „Wir müssen nicht immer drei oder vier Tore schießen”, meinte Daum sarkastisch, zumal dies dem FC bisher ohnehin nur in Stuttgart geglückt war.

„Du musst erstmal hinten sicher stehen. Und wenn´s nach vorne hin nicht läuft, musst du damit auch mal zufrieden sein. Das hat Hans Meyer seiner Mannschaft offenbar gesagt. Deshalb sind die Gladbacher heute die Helden und wir die Deppen.”

In der Krise ist der FC allerdings noch lange nicht angekommen. Dazu ist die Tabellensituation mit sieben Punkten Vorsprung auf die Gefahrenzone immer noch zu komfortabel. „Wir müssen aber den Ernst der Lage erkennen”, forderte Daum dennoch Realitätssinn ein. „Aber ich werde auch kein Horrorszenario aufbauen.”

Erschreckend ist die Heimbilanz des FC: Es gab in den bisherigen zwölf Heimspielen ganze drei FC-Siege, den letzten am 7. November gegen Hannover (2:1). Von den 29 Punkten holte man 16 auswärts. Die nächsten sollen Samstag in Cottbus folgen. „Da müssen wir etwas holen”, sagte Miso Brecko, der einzige FC-Kicker, der sich den Medien stellte. „Heute waren meine Tore traurige Tore, weil wir verloren haben. In Cottbus werden wir es besser machen.” Und vielleicht verlässt Kapitän Novakovic dann das Stadion der Freundschaft durch den Hauptausgang.
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