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Mutige und aktive halbe Stunde weiter ausdehnen

Von: Bernd Schneiders
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Tüftler aus der Schweiz: Glad
Lucien Favre trifft am Freitag auf Armin Veh. Foto: imago/Team 2

Mönchengladbach. Lucien Favre ist ein Anhänger des offensiven Fußballs, was man in den vergangenen Monaten nicht immer unbedingt auf dem Spielfeld sehen konnte. Einen, dem dies vor rund fünfeinhalb Monaten sauer aufgestoßen ist, trifft Borussia Mönchengladbachs Trainer am Freitag wieder: Armin Veh.

Der Trainer der Saison-Überraschungsmannschaft Eintracht Frankfurt hatte sich am 7. Oktober unter dem Eindruck einer 0:2-Niederlage im Borussia-Park über die defensive Spielweise der Heimmannschaft echauffiert: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Favre muss darüber schmunzeln, zuletzt hat er mit seinem Kollegen bei der Trainertagung vor wenigen Wochen erneut darüber gesprochen. Die Rechtfertigung des Schweizer Tüftlers, der fast genüsslich an die attraktiven Tore von Juan Arango und Luuk de Jong erinnert : „Die Partie war für uns nicht anders zu spielen.“ Eine Wiederholung am Freitag in Frankfurt wäre legitimer, weil es für Borussia eine Auswärtsaufgabe ist. Aber Favre glaubt nicht an eine Neuauflage. „Dazwischen liegen sechs Monate.“ Soll heißen, seine Mannschaft habe sich weiterentwickelt.

Die Fans profitierten bisher nur häppchenweise. Gegen den Deutschen Meister immerhin eine halbe Stunde lang. Da bewies die Favre-Elf, dass mutiger und aktiver Fußball auch jenseits einer Tiki-Taka-Spielweise möglich ist – sogar gegen ein Überteam wie Borussia Dortmund. Die Aufgabe des Gladbacher Trainers und seines Teams für die restlichen Saisonspiele wird es sein, diese 30 Minuten weiter auszudehnen. Auch schon in Frankfurt. „Wir müssen mehr als eine Halbzeit gut spielen, um was zu erreichen“, prophezeit Favre.

Sein indirekter Hinweis darauf, dass seine Mannschaft inhaltlich eine andere sei als im „Hinspiel“, findet obendrein eine pikante Fußnote. Vor dem damaligen Sonntagsspiel hatte sich Mike Hanke via Facebook über sein erstmaliges Tribünendasein mokiert. Im Oktober lag dem „Neuneinhalber“ noch eine Vertragsverlängerung vor. Vor dem Rückspiel zog Borussia sie zurück – zwischenzeitlich hatte sich der Eindruck verstärkt, dass Hanke ohne Sturmflitzer Marco Reus wohl noch nicht einmal mehr die Hälfte wert ist.

Frankfurt als erstes Schaufenster?

Im Profi-Fußball geht’s nicht um Verdienste, ansonsten hätte Max Eberl dem an Hoffenheim ausgeliehenen Igor de Camargo längst einen Rentenvertrag vorlegen müssen. Es geht um Nutzen für die sportliche Weiterentwicklung, schlicht um die Frage: Kann ein Spieler der Mannschaft weiterhelfen? Lucien Favre hatte sie schon vor dem September, vor dem Verlängerungsangebot also, öffentlich beantwortet, indem er ungefragt beklagte, er hätte in seinem Kader zu viele ähnliche Stürmer. Damit begann der lange Abschied von Mike Hanke, der auch seine Einsatzzeiten nicht dazu nutzen vermochte, seinen Trainer vom Gegenteil zu überzeugen.

Von Freitag an spielt der Blondschopf auch für zukünftige Arbeitgeber, wenn er denn im Kader ist und eingesetzt wird. Frankfurt als erstes Schaufenster – auf der Erfolgswelle, die aus der Vorsaison bis in die laufende Spielzeit (zumindest bis September!) rüberschwappte, pokerte Hanke einst mit dem Interesse von Fortuna Düsseldorf und Hannover 96.

Lucien Favre aber stehen nun außer Branimir Hrgota – „Er hat noch Trainingsrückstand“ – alle Sturm-Konkurrenten wieder zur Verfügung, auch erneut Amin Younes, der sich nach seinem famosen Auftritt gegen Dortmund kaum vor Lob retten konnte. Der 19-Jährige wird womöglich dafür sorgen, dass Hanke in den kommenden Wochen noch weniger zum Vorspielen kommt.

Interessant zu beobachten wird es sein, wie der Jüngling mit der Gestalt eines B-Jugendlichen mit der Last der Mühlsteine fertig wird, die ihm medial aufgebürdet worden ist. „Er ist ein cleverer Junge“, ahnt Max Eberl nichts Böses. Und verweist darauf, dass zum Lehrplan der Nachwuchsakademie auch der richtige Umgang mit den Medien gehört.

Falls aber der flotte Younes da noch Nachhilfeunterricht benötigt, könnte er sich vertrauensvoll an Mike Hanke wenden. Der weiß, wie man medial mit seiner Charme-Offensive punkten kann.

Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt – Nordtveit, Marx – Rupp, Arango – Herrmann, de Jong

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