Mike Hanke und seine neue Wohlfühlrolle

Von: Heribert Förster
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Die Bayern haben sie schon zwe
Die Bayern haben sie schon zweimal in die Knie gezwungen: Mike Hanke - hier hat er Münchens Bastian Schweinsteiger im Griff - und seine Mönchengladbacher Kollegen wollen den Erfolgsweg auch heute in Wolfsburg nicht Foto: imago/mika

Mönchengladbach. Mike Hanke hat die Entwicklung verschlafen. Sein Stil - längst nicht mehr zeitgemäß. Der letzte Treffer - schon fast nicht mehr nachvollziehbar. Nein, so hat Mike Hanke keine Zukunft mehr. „Ich weiß es selbst, es gefällt mir auch nicht.”

Doch der Spieler des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach verspricht Besserung, „ich bin dabei, das zu ändern”. Und es wird auch Zeit, denn die aktuelle Homepage des 28-Jährigen ist kein Augenschmaus für den Netz-Besucher.

Dabei hat Mike Hanke viele gute Gründe auf seiner Seite, auf seiner Seite zu glänzen. Mit Jubel-Fotos, mit Artikeln voller Lobeshymnen. Hanke ist eine der Leitfiguren der neuen Borussia, ein Spieler, dem zudem eine erstaunliche Wandlung gelungen ist. Vom klassischen Strafraumstürmer, dessen Aktionsradius sich oft nur rund um den Elfmeterpunkt beschränkte, ist ein ausgezeichneter Ballverteiler geworden. Ein bisschen Stoßstürmer, ein bisschen Spielgestalter, ein bisschen Abräumer, ein „Neuneinhalber” wie Trainer Lucien Favre den gebürtigen Hammer bezeichnet.

„Das Kurzpass-Spiel liegt mir”

„Auf jeden Fall füllt mich meine jetzige Position mehr aus, ich nehme mehr am Spiel teil”, sagt der „halbe Stürmer”, dessen frühere Trainer meist nur eines von ihm verlangt haben: „Bleib in der Box!” Dort, im Strafraum, schien der Blondschopf seine Stärken zu haben. Kopfball- und nervenstark, gut im Abschluss. 42 Tore in 192 Spielen für Schalke, Hannover und Wolfsburg belegen dies. Doch Hanke, der in bislang 28 Spielen für die Borussia fünfmal getroffen hat, trauert seinem früheren Fußballerleben nicht nach, er fühlt sich wohl in dieser „komplett anderen Rolle. Ich bin ja technisch nicht der Schlechteste, das schnelle Kurzpass-Spiel liegt mir auch”, sagt der zweifache Vater. „Dass ich diese Position spielen konnte, wusste ich schon vorher.”

Aber kein Trainer hat Hanke je zurückgezogen, erst Lucien Favre hatte diese richtig gute Idee. Dieser bundesweit so Hochgelobte, den - natürlich - auch Hanke in höchsten Tönen lobt. Ob Trainingsgestaltung, taktische Besprechung oder Spielvorbereitung, „es ist nie langweilig”, sagt Hanke, der genug andere Trainer kennt. 45 Minuten oder ganze Spiele auf Videos, das gibts nicht mehr, „da hattest Du manchmal keinen Bock mehr”. Bei Favre ist es kurz, prägnant, „maximal 15 Minuten. Er hat einfach ein gutes Gespür, wie sich die Spieler fühlen”. Des Trainers Detailversessenheit findet Hanke bisweilen auch amüsant, er sagt: „Es ist wie mit den Torhütern, denen sagt man ja auch nach, sie seien positiv bekloppt.”

Also wissen die Borussen längst alles über den heutigen Gastgeber Wolfsburg, und Lucien Favre hätte auch seinen Mann mit der Rückennummer 19 vor die Presse schicken können. Hanke doziert wie Favre über die Heimstärke der Wolfsburger, die sehr kompakte Defensive und die zwei starken Stürmer. Angesichts der Erfolgsserie unter Favre ist es kein Wunder, dass alle Spieler des Schweizers Anweisungen verinnerlicht haben.

Des Trainers geschulter Blick hat auch vor Hanke nicht halt gemacht. Zu Himmelstürmer Marco Reus sagte Favre, er solle auf die Beine des Gegenspielers achten, dann wisse er, an welcher Seite er vorbeiziehen müsste. Abwehrchef Dante bekam die Aufforderung, auf den Zehenspitzen zu stehen und nicht auf dem ganzen Fuß, um schneller reagieren zu können. Und Hanke: „Der linke Fuß ists”, sagt der Rechtsfuß, „den kann ich verbessern. Und so fließen immer wieder Übungen ins Training ein, die genau diese Schwäche abstellen sollen. Und „ich soll mich noch mehr fallen lassen”, fordert Favre noch mehr Spielbeteiligung von Hanke.

Die Rückkehr nach Wolfsburg rührt ihn nicht besonders, längst ist Hanke ein Gladbacher, nachdem er vor 13 Monaten im Borussia-Park angeheuert hat. „Ich wollte es allen noch mal zeigen, viele hatten mich doch schon abgeschrieben.” Damit teilte er das Los der Borussia, und sowohl Spieler als auch Verein haben in den vergangenen zwölf Monaten eindrucksvoll beweisen, dass sie wieder da sind.

Mike Hanke bleibt noch die Hoffnung, dass der wohl einzig lesenswerte Eintrag auf seiner Homepage noch Wirklichkeit wird. Einmal Meister und Torschützenkönig werden, bezeichnete er dort einmal als seinen Traum. „Aber Torschützenkönig ist dieses Jahr nicht so realistisch...”

Die Borussia hat ihr Ziel noch nicht erreicht...

Wenns läuft, dann läufts. Und dann sind auch Verletzungen dünn gesät. Erstmals in dieser Saison hat Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre die freie Auswahl, muss auf keinen Spieler seines mittlerweile nur noch 23-köpfigen Aufgebots verzichten. Der in Stuttgart erkrankte Kapitän Filip Daems rückt somit wieder für Oscar Wendt in die Mannschaft, Roel Brouwers nimmt wieder auf der Bank Platz.

39 erspielte Punkte sind für Max Eberl kein Grund, ein neues Saisonziel zu kreieren: „Wir haben unser Ziel noch nicht erreicht, möglichst schnell 40 Punkte plus zu erreichen”, sagte der Sportdirektor - leicht grinsend. „Aber wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg.”

Voraussichtliche Aufstellung: Ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter - Herrmann, Arango - Hanke, Reus

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