Michael Meier: „Der Weg ist steinig, aber faszinierend”

Von: Günter Kirschbaum
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Mit Köln durchstarten: Manager Michael Meier sucht weiter nach den fehlenden Mosaiksteinchen. Foto: imago/Eduard Bopp

Köln. Am Samstag kehrt Michael Meier an seine alte Wirktungsstätte zurück. Der Manager des 1. FC Köln prophezeit, dass der Klub die schwere, zweite Spielzeit in der Fußball-Bundesliga überstehen wird.

Im Gespräch mit unserer Zeitung schließt er auch weitere Verpflichtungen nicht aus.

Wie schwer wird das Jahr 1 nach Christoph Daum für den FC, Herr Meier?

Meier: Diese Saison wird schwer. Das hat aber weder mit Herrn Daum noch mit einer anderen Personalie zu tun, Das zweite Jahr nach dem Aufstieg ist sehr, sehr schwer. Deshalb haben wir versucht, die Weichen so zu stellen, dass wir auf dem Rasen Antworten geben können. Und wir denken, dass wir diese Weichen mit ruhiger Hand stellen konnten mit den neuen Spielern, mit der neuen Besetzung des Trainerpostens. Mit Soldo wollen wir die Vereinsphilosophie, die mit Daum begonnen hat, kontinuierlich fortsetzen.

Was heißt das?

Meier: Noch einmal: Es wird ein sehr schweres Jahr, aus dem du als Verein aber auch Stärke ziehen kannst, wenn du das überstehst, und den eingeschlagenen Weg fortsetzt, immer mehr Qualität in den Kader zu bringen und, nicht zu vergessen, die jungen Leute aus dem eigenen Nachwuchs einzubauen. Wichtig ist es auch, die Identifikation mit dem Klub zu stärken, was uns durch die Personalie Podolski gelungen ist. Eine Personalie, die zunächst für viele sehr mutig erschien, um es einmal etwas neutral zu formulieren. Viele hatten Bedenken geäußert bezüglich der finanziellen Dimension, des verbleibenden Finanzrahmens für weitere Transfers und des Drucks, der auf einem einzigen Spieler lastet. In der Kürze der Zeit haben wir aber die richtigen Antworten gegeben. Wir haben immer gesagt, dass Podolski in Köln einen Refinanzierungsrahmen hat, kein anderer Spieler der Welt hätte das hier in dieser Form.

Der Druck, der auf Podolski lastet ist aber groß.

Meier: Wir haben den Druck, der angeblich auf ihm lastet, insofern beantwortet, als dass bei unserer Anhängerschaft, den Mitgliedern und dem Umfeld ein Realitätssinn erkennbar ist. Das Feedback, das wir von dieser Personalie bekommen haben, ist, dass man froh ist, dass er wieder hier ist und der 1. FC Köln ein entsprechendes Gesicht hat. Mit Podolski verbindet man aber nicht, dass wir gleich nach Europa reinrutschen. Deswegen ist diese Geschichte bis zum jetzigen Zeitpunkt positiv beantwortet.

Der FC ist also gut vorbereitet auf die nächsten Monate?

Meier: Wir sind vorbereitet auf eine Saison, die schwierig wird, in der der Verein, wenn es mal negativ laufen sollte, seine wahre Stärke zeigen kann, nicht in alte Verhaltensmuster zu verfallen. Nicht sofort das, was man jetzt als positiv ansieht, in Frage zu stellen und zu sagen, da müssen wir etwas ändern. Da haben wir den Beweis erbracht, dass wir selbstbewusster geworden sind. Und das man uns wieder Vertrauen entgegen bringt. Das zeigen doch die Zahlen. Ob es verkaufte Dauerkarten sind oder die Tatsache, dass uns in der letzten Saison vier Niederlagen in Folge verziehen worden sind. Das waren Vertrauensbeweise und sind für mich Indikatoren, dass wir dieses zweite, schwere Jahre am Ende gut überstehen werden.

In der letzten Saison hatten Sie mit Daum aber jemanden, der viel von der Mannschaft fern gehalten hat. Hat Nachfolger Soldo ähnlichen Kredit in der Öffentlichkeit?

Meier: Wir führen jetzt hier eine akademische Diskussion auf hohem Niveau. Wir würden diese Diskussion höchstwahrscheinlich in anderer Form führen, wenn Christoph Daum noch hier wäre. Dann hätte man mit Blick auf Podolski wahrscheinlich gesagt, zwei Messiase an einem Ort wären auch problematisch. Sie werden als begleitender kritischer Beobachter immer etwas finden, worüber man lange akademisch diskutieren kann. Man muss sich einfach mit Realitäten beschäftigen. Und die Realität ist, dass Daum entschieden hat, zu Fenerbahce zu gehen. Damit musste der 1. FC Köln eine Position besetzen, die Trainer hieß. Wir haben uns für Herr Soldo entschieden, und diese Entscheidung war wohl überlegt.

Sie sind also guter Dinge vor dem Saisonstart?

Meier: Ich blicke mit einem gewissen Erfahrungswert positiv in die Zukunft. Weil das, was wir hier gemacht haben, sich sehen lassen kann. Wir haben nicht verantwortungslos gehandelt, wir haben ambitioniert weiter investiert in die Qualität des Kaders und müssen jetzt diesen Weg weiter gehen. Und es wird noch etwas dauern, bis das Verhältnis Vereinshistorie und Tabellenplatz in einer Kongruenz ist. Wenn das im Einklang ist, sind alle zufrieden. Der Weg ist steinig, aber durchaus faszinierend. Diese Faszination macht das Geschäft aus, sie treibt mich, da gestalterisch tätig zu werden. Das Mosaik 1. FC Köln ist ja noch nicht fertig. Es fehlen noch ein paar Bausteine.

Sind sie zufrieden mit der Vorbeitung von Zvonimir Soldo?

Meier: Man darf nie zufrieden sein. Man hinterfragt sich selbstkritisch. Wir haben aufgrund der Historie dieses Vereins eine Messlatte zu überspringen, die kaum erreichbar scheint. Aber es ist unsere Ambition, da noch hinzukommen. Deshalb darfst du mit dem aktuellen Stand nicht zufrieden sein. Wenn ich zufrieden wäre, wäre ich ein Verwalter des Mangels. Da fehlt es an Geld, am Ambitionen, an Qualität. Dann hättest du immer wieder Grund zu sagen, mehr kann ich nicht machen. Es unterscheidet uns von anderen, dass wir mit dem Erreichten nicht zufrieden sind. Aber wichtig ist, dass wir wieder mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein ans Werk geht. Die Mauer des Misstrauens beim 1. FC Köln zu durchbrechen, ist Sisyphosarbeit. Das scheint uns aber ein Stück weit gelungen zu sein, wir sind aber noch nicht fertig. Deshalb sind wir noch nicht zufrieden.

Erleben Sie denn zumindest zufriedene Momente?

Meier: Es gibt keinen statischen Moment, den ich als zufrieden bezeichnen würde. Es ist hier ein dynamischer Prozess, weil du dir ständig Gedanken machst, was hast du falsch gemacht, was war richtig. Um meine aktuelle Gefühlsverfassung zu beschreiben vor dem Saisonstart, kann ich nur sagen, ich bin gespannt.

Worauf konkret?

Meier: Ich bin gespannt, weil ein Mannschaftssport viele Dinge kreieren kann, die man vorher so nicht prognostiziert.

Fürchten Sie sich vor den ersten Wochen? Schließlich steht Novakovic noch nicht zur Verfügung, und Maniche ist noch nicht fit.

Meier: Das sind sicherlich Dinge, mit denen müssen wir uns beschäftigen. Doch nicht nur am Anfang ist es ungünstig, wenn man nicht mit der kompletten Mannschaft spielen kann. Es ist ein unglaubliches Hammerprogramm, das wir zu bewältigen haben, aber löst ja auch einen gewissen Reiz aus. In den ersten neun Spielen sind wir mit Ausnahme von Eintracht Frankfurt im Heimspiel normalerweise zweiter Sieger.

Was passiert personell noch beim FC, bis das Transferfenster Ende des Monats geschlossen wird?

Meier: In der Berichterstattung wird der Eindruck erweckt, wir wären noch nicht fertig. Aber Podolski, Freis, Maniche und Schorch sind dazu gekommen. Wir wollen auch noch weiter auf dem Transfermarkt tätig werden, aber auch mit dieser Mannschaft können wir unsere Zielsetzung erreichen. Das, was wir hier stehen haben, muss den Ansprüchen genügen. Wir wollen mehr als die 39 Punkte der letzten Saison einspielen.

Und sich im eigenen Stadion besser präsentieren?

Meier: Das ist der entscheidende Punkt. Wir wollen unserem Publikum ja auch etwas bieten.

Podolski hat bei seiner Präsentation gesagt, er wolle in einigen Jahren mit dem FC Champions League spielen. Wie weit ist der Klub davon noch entfernt?

Meier: Weit entfernt. Ich finde es aber bemerkenswert, dass nicht nur Podolski sondern auch Mondragón klipp und klar sagt, er will den Pokalsieg. Das sind Spieler, die die Gier haben, etwas zu erreichen. Das hilft vielleicht, dass wir noch das letzte Quäntchen aus dieser Mannschaft heraus holen. Es ist uns ja in den letzten Jahren zumindest gelungen, ein völlig inhomogenes Mannschaftsgefüge zusammen zu führen. Inzwischen steht da eine Mannschaft. Und wenn da ein Geist entsteht, wie zum Beispiel bei Mondragón, der zum Schluss seiner Karriere noch einen Titel holen will, dann hast du eine Grundstimmung die du brauchst, um vielleicht über Grenzen zu gehen.

Diese Grundstimmung könnte zum Saisonstart in Dortmund ja verstärkt werden ...

Meier: Ich hätte nichts dagegen. Persönlich sowieso nicht. Wir sind im letzten Jahr auswärts sehr, sehr stark aufgetreten. Wir werden sehen, wie wir da auftreten.
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