Mönchengladbach - Marin: „Mit Kopf spielen, aber auch mutig sein”

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Marin: „Mit Kopf spielen, aber auch mutig sein”

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Marko Marin
Akrobatisch: Bremens Talent Marko Marin.

Mönchengladbach. Auf seinen schmalen Schultern liegt eine gewaltige Last. Im Abstiegskampf ist Borussia Mönchengladbach gerade auch auf die Offensiv-Qualitäten des 20-jährigen Marko Marin angewiesen: Der Tabellenvorletzte ist zum Siegen verdammt, möglichst schon morgen im Heimspiel gegen Schalke 04. Mit dem Jung-Nationalspieler sprach unser Redakteur Bernd Schneiders.

Sie gelten als Spaßfußballer, der auch den Zuschauern Spaß bereitet. Macht Fußball derzeit Spaß?

Marin: Fußball macht mir immer Spaß. Aber unsere Situation ist natürlich nicht einfach. Wir müssen unbedingt punkten, es geht nicht nur um Spaß.

Ist der Druck besonders groß?

Marin: Wir hatten schon schwierigere Phasen, als wir etwa abgeschlagen waren oder das erste Spiel in der Rückrunde verloren haben. Wir haben uns zurückgekämpft und dann aber unsere Chance, uns abzusetzen, nicht genutzt. Aber wir können es immer noch aus eigener Kraft schaffen.

Trotzdem herrscht im Umfeld beinah eine mutlosere Stimmung als in der Phase, in der ihr hinterhergelaufen seid?

Marin: Ist doch klar, wenn man sechs Mal hintereinander nicht gewonnen hat. Und dann diese kommenden Gegner... Aber wir müssen an uns glauben - und tun das auch!

Warum gab es diesen Rückschlag?

Marin: Wir wussten, es konnte so nicht immer weitergehen. Alles war positiv...

Zu positiv?

Marin: Viele Punkte sind nie zu positiv.

Es gibt Thesen, dass eure Krise eine Krise auch der Kreativ-Abteilung ist. Sehen Sie sich parallel zum Tief in der Mannschaft auch in einem persönlichen Loch?

Marin: Nein, im Vergleich bin ich in der Rückrunde stärker, habe viele Tore vorbereitet.

Gab´s durch die Pause wegen der Länderspielabstellung einen Bruch

Marin: Im Spiel danach war ich gelbgesperrt, in Frankfurt aber dann gut drauf und habe zwei Elfmeter rausgeholt. Aber grundsätzlich ist es so, wenn´s in der Mannschaft nicht läuft, beeinflusst das auch die Leistung des Einzelnen.

Was unterscheidet Marko Marin 2007 vom Marko Marin 2009?

Marin: Vom Charakter her gar nichts: Ich bin noch genau so locker drauf wie damals. Und wie damals wächst die Anspannung vor dem Spiel mit jeder Stunde.

Gibt´s Rituale, sind Sie abergläubisch und ziehen etwa immer erst den linken Schuh an?

Marin: Nein, da gibt´s nichts. Und ich werde mir auch nicht extra jetzt noch was zulegen.

Haben Sie nach dem recht souveränen Aufstieg mit einer so schwierigen Saison gerechnet?

Marin: Eigentlich nicht. Aber im Verlauf der Hinrunde ist die Erkenntnis schnell gekommen. Und deshalb ist der Rückschlag kein Schock: Wir wussten schon früh, dass es bis zum Schluss ganz eng bleiben würde.

Ihr Trainer hat in einer DSF-Gesprächsrunde die sogenannten Experten als recht unwissend demaskiert. Alle sahen sie fast permanent auf der Bank sitzen. Gibt es eine Diskrepanz zwischen Realität und Medien-Sicht?

Marin: Das interessiert mich gar nicht. Es geht doch nicht um Marko Marin. Wir haben doch ganz andere Probleme.

Sehen Sie bei sich denn noch Verbesserungspotenzial?

Marin: Der Trainer hat vollkommen recht: Ich bin in der Defensivarbeit noch nicht so stark. Aber in dem einen Jahr habe ich mich schon sehr verbessert. Ich bemühe mich, aber klar ist auch: Meine Stärken liegen in der Offensive.

Fühlen Sie sich denn als Mittelfeldspieler oder Stürmer?

Marin: Ich fühle mich als dritte Spitze.

Also nicht wie Michael Ballack, der bei Chelsea jede Menge Abwehrarbeit verrichtet?

Marin: Nein, der ist anders. In allem. Position, Spielweise, Körperbau, sogar Haarfarbe.

Wie gut muss man sich als talentierter Spiel den Sprung zum größeren Klub überlegen?

Marin: Wenn man glaubt, man sollte diesen Schritt machen, muss man ihn tun. Aber es gibt dafür keine grundsätzliche Linie. Jeder muss individuell entscheiden.

Haben Sie sich schon entschieden?

Marin: Bisher habe ich alles richtig gemacht. Ich bin geblieben, habe hier Erfahrung in der Ersten und Zweiten Liga gesammelt. Das war für meine Entwicklung das Beste.

In der Zweiten Liga aber werden Sie ja wohl nicht mehr spielen

Marin: Das möchte ich nicht mehr, das wird ja wohl jeder verstehen. Aber ich hoffe, dass es dazu nicht kommen wird.

Würden Sie Ihren Wechsel zum Hamburger SV denn als Spekulation oder offenes Geheimnis bezeichnen?

Marin: Was geschrieben wird, stimmt einfach nicht. Es steht noch nichts fest. Ich habe mit keinem Klub verhandelt. Ich will mich völlig auf den Fußball konzentrieren. Dass sich mein Vater und mein Berater Gedanken über meine Zukunft machen, ist ja wohl normal.

Gibt es denn noch Hoffnung, für den Fall, dass Borussia den Klassenerhalt schafft?

Marin: Ich habe mit unserem Sportdirektor Max Eberl vereinbart, dass wir uns nach der Saison zusammensetzen.

Kennen Sie Lewis Holtby?

Marin: Klar, wir telefonieren öfter.

Woher kennen Sie ihn so gut?

Marin: Ich habe ihn über unseren U-19-Nationalspieler Fabian Bäcker kennengelernt.

Was halten Sie von ihm?

Marin: Er ist ein Super-Spieler. Er hat ein überzeugendes Jahr gezeigt, viele Assists und Tore erzielt. Ein Riesen-Talent.

Der wie Sie umworben ist. Was würden Sie ihm raten?

Marin: Ich???? Ich bin doch nur ein Jahr älter. Er wird schon wissen, was richtig für ihn ist.

Offensichtlich Schalke...

Marin: Na dann viel Spaß mit Magath! Aber im Ernst: Wenn es so sein sollte, hat er das Glück, unter einem richtig guten und erfolgreichen Trainer zu arbeiten.

Die Defensivausrichtung bei den Bayern ist von ungeneigter Seite kritisiert worden. Im Heimspiel am Sonntag werdet ihr deshalb alle Offensivkräfte einsetzen und Schalke überrennen.

Marin: Genau, so machen wir´s! Und Olli Neuville spielt im Tor.

Und im Ernst?

Marin: Wir wollen beide Heimspiele gewinnen. Aber natürlich werden wir nicht alles nach vorne werfen. Wir müssen mit Kopf spielen, aber auch mutig sein.

Namhafte Gegner liegen Borussia besser. Ihnen auch?

Marin: Eigentlich spiele ich lieber gegen große Namen. Aber was heißt namhafte Gegner? Cottbus hat sich in der Liga gehalten, es gibt keine Kleinen mehr.

Aber Schalke wird eher mitspielen?

Marin: Sie werden sich nicht so verstecken wie Bielefeld. Aber auch nicht so auftreten wie zuhause.

Das Publikum war zuletzt nicht der große Rückhalt oder gar ein Faustpfand im Kampf gegen den Abstieg. Die Toleranzschwelle liegt gefährlich niedrig.

Marin: Man muss die Fans auch verstehen - sechs Spiele ohne Sieg! Aber ich hoffe, dass sie volle 90 Minuten hinter uns stehen. Dafür aber müssen wir auch was zurückgeben.

Also keine Kritik an der mangelnden Unterstützung?

Marin: Das war nur gegen Bielefeld so. Ansonsten muss man sich doch nur mal anschauen, wieviele Fans zu den Auswärtsspielen reisen, zuletzt auch nach München. Also an mangelnder Unterstützung liegt es nun wirklich nicht, wenn wir nicht gut spielen.

Wie sieht Ihre Hochrechnung aus? Ist Cottbus das entscheidende Spiel?

Marin: Ich rechne nicht. Und was ist schon das wichtigste Spiel? Wenn wir drei Mal gewinnen und in Cottbus verlieren, sind wir auch gerettet.
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