Marin: „Hans Meyer hat mein Flehen erhört...”

Von: Heribert Förster
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Begeisterung sieht anders aus: Natürlich ist auch ein Marko Marin nicht glücklich, wenn er gerade in einem spektakulären Derby wie in Köln von seinem Trainer Hans Meyer ausgewechselt wird. Foto: imago/Team 2

Mönchengladbach. Marko Marin ist ein ganz feiner Fußballer, ein großes Talent - wenn nicht das größte, das sich in diesem Spieljahr auf den Plätzen der Fußball-Bundesliga präsentiert. Marko Marin kann Spiele alleine entscheiden, hat manchmal positiv-verrückte Ideen, und wenn er mit dem Ball am Fuß loszieht, kann man verstehen, dass er für Klebstoff Werbung macht. Der Ball ist sein Freund.

Marko Marin ist aber auch: erst 20 Jahre alt (seit genau einer Woche) und mit einer „Erfahrung” von 28 (in Worten: achtundzwanzig) Bundesliga-Einsätzen gesegnet. Bei allem Talent also: Marko Marin ist noch längst kein fertiger Fußballer. Ein „Zauberzwerglehrling”.

Aber längst schon ein Medien-„Held”. Es ist schwer nachvollziehbar, aber Tatsache: Wenn die Borussia nach einer starken Leistung die Mutter aller rheinischen Derbys beim 1. FC Köln mit 4:2 gewinnt, geht es bei Gesprächen diverser Medienvertreter mit Marko Marin nicht um die Frage nach der Bedeutung der drei Punkte, nach der erstklassigen Taktik, nicht um die hervorragende Mannschaftsleistung, nicht um den geschlossen starken Auftritt des Teams - es geht darum, ob Marko nach seiner Auswechslung in der 64. Minute enttäuscht gewesen sei.

Aber wer soll raus?

„Hans Meyer hat mein Flehen erhört und mich erlöst, ich hatte einfach keine Lust mehr und wollte nur noch raus”, erklärte Marin - natürlich nicht. Er sagte das, was hunderttausend Fußballer jede Woche bei ihrer Auswechslung empfinden: „Sie werden keinen Spieler finden, der sich über seine Auswechslung freut.”

Marin natürlich auch nicht, doch es stellt sich die fachliche Frage bei einer Auswechslung: Wenn nicht Marin, wen sonst?

Ein Blick zurück nach Köln: Die Borussia führt 2:0, gerät aber nach der Pause ein bisschen unter Druck. Die Idee von Trainer Hans Meyer ist nachvollziehbar, in dieser Situation mit Oliver Neuville, 35, einen erfahrenen Spieler zu bringen, einen cleveren Akteur.

Aber wer soll raus? Mit Torwart Bailly, den vier Abwehrspielern sowie den Mittelfeld-Strategen Galasek und Bradley stehen sieben Spieler schon einmal nicht zur Debatte. Es bleiben:

Alexander Baumjohann, der zwar noch ein bisschen weniger Bundesliga-Erfahrung als Marin hat, dafür (noch) besser den Ball behaupten kann. Der Bald-Bayer ist mittlerweile als Ballverteiler wichtig, geht geschickt in Zweikämpfe, so dass ihm auch bei einem Ballverlust meistens ein Freistoß zugesprochen wird.

Rob Friend ist nicht nur als Stoßstürmer und Anspielstation für hoch geschlagene Bälle sehr wichtig, er ist speziell wegen seiner Kopfballstärke bei gegnerischen Standards auch im eigenen Strafraum (fast) unverzichtbar.

Karim Matmour gehört (wie Friend) zu den Spielern, die nicht nur an Treffern gemessen werden dürfen. Natürlich ist die Quote Marins (vier Tore, neun Assists) in diesem Spieljahr wesentlich ergiebiger als die des Algeriers (2/1) und das Auftreten spektakulärer. Doch Matmour ist dank seiner Schnelligkeit, Ausdauer und Arbeitsbereitschaft eminent wertvoll für die Mannschaft.

Es bleibt also: Marko Marin. Und dieses Beispiel aus Köln ist auf einige andere Begegnungen exakt zu übertragen. Marins Auswechslung müsste folglich nachvollziehbar sein - auch wenn vielen Fans dieser Schritt schwerfällt, sie die Auswechslung ihres Lieblings mit Pfiffen quittieren und darin einen Affront des Trainers gegen Marin sehen.

Geschürt wird diese Vermutung durch die Berichterstattung von Hans Meyers medialen „Lieblingsgegnern”. Dabei ist der Trainer vielleicht einer der größten Fans Marins, froh, mit solch einem Talent zusammenarbeiten zu dürfen. Wer den 66-Jährigen abseits der Aktualität über den eleganten Dribbler reden hört, weiß: Meyer ist Förderer und Ausbilder des Talents, kein Bremser oder gar Zerstörer.

Und er gibt dem 19- bzw. 20-Jährigen in der Liga so viele Einsatzzeiten, auf die kein anderer Bundesliga-Profi des Jahrgangs 1989 kommt. In allen 24 Spielen war Marin bisher am Ball, und auch heute wird er wieder - wie 20 Mal zuvor - in der Startelf stehen: ab 20.30 Uhr im Duell mit dem VfL Bochum im Borussia-Park.
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