Mönchengladbach - Marcel Meeuwis: „Krieger” mit ausgeprägtem Familiensinn

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Marcel Meeuwis: „Krieger” mit ausgeprägtem Familiensinn

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Immer im Gespräch: Marcel Meeuwis (rechts) und Borussias Trainer Michael Frontzeck. Foto: Olaf Kozany

Mönchengladbach. Auf der Landkarte ist es nur schwer nachzuvollziehen: Von Tilburg über Venlo und Kerkrade nach Mönchengladbach. So sieht doch kein Kreis aus! Und doch schließt sich für Marcel Meeuwis einer mit seinem Engagement bei der Borussia. Schuld daran ist Tomas Galasek.

An dem Tschechen, der seine Karriere zum Erstliga-Wohle des Vereins in Mönchengladbach ausklingen ließ, kam Jung-Marcel nicht vorbei, als er bei Wilhelm II den Sprung in die erste Elf anvisierte. Was folgte war „meine Flucht” nach Venlo, erzählt Meeuwis. Neun Jahre später soll er bei Borussia genau die Lücke füllen, die Galasek hinterlassen hat: als Sechser vor der Abwehr.

Seine Bewunderung für den tschechischen Strategen ist geblieben. Damals aber war sie gemischt mit Frust: Mit der zweiten Mannschaft musste er wenige Tage vor dem Punktspiel immer als Sparringspartner herhalten. Und weil er eben wegen „Gala” sich auf der 10 versuchte, traf er oft direkt auf den Tschechen. „Man konnte ihm so gut wie nie den Ball abluchsen. Und damals war er obendrein noch schnell.”

Das war Marcel Meeuwis auch. Und auch er verlor nicht schnell den Ball. Deshalb hatte er auch als Stürmer gespielt, bis er 17 Jahre alt war. Schnell schien auch seine Karriere zu verlaufen. Doch der Übergang zu den Senioren erwies sich als unerwartet große Klippe. „Ich galt als großes Talent.” Von der U14 bis zur U17 spielt er in allen Jugend-Nationalmannschaften.

Doch dann kam´s knüppeldick: Pfeiffersches Drüsenfieber, vier Monate Zwangspause - und das in einer Zeit, als Tilburg im Uefa-Pokal und Champions League aktiv war - anschließend schlechte Spiele: Der Schritt runter in die Zweite Liga zu VVV Venlo (ausgeliehen) war ein Schritt nach vorn: „Du musst in dem Alter spielen”, schreibt der mittlerweile 28-Jährige allen Talenten ins Stammbuch.

„Es waren vier schöne Jahre, für meine Entwicklung unheimlich wichtig”, sagt Meeuwis. Hier konnte er auf der Position vor der Abwehr spielen. Und so gut, dass ihn sein VVV-Präsident mit dem Titel „Krieger” adelte. Kein Wunder, dass diese Mentalität auch Huub Stevens gefiel, der ihn zu Roda Kerkrade holte. Ein Wechsel, der nicht nur einen finanziellen Hintergrund besaß. Auch NAC Breda wollte den grelligen Mittelfeldspieler haben.

Doch ihm behagte die Atmosphäre und die Geschichte des Limburger Klubs: „Alte Bergbaustadt, ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl” - das sind die Zutaten, die der Mannschaftsspieler braucht. Und dieses Raster ließ er auch im Sommer 2009 über seine Wechselmöglichkeiten laufen. Middlesbrough oder Mönchengladbach: Das Niederrhein-Paket überzeugte ihn. Dazu gehörte ein Stadion-Besuch beim Spiel gegen Bielefeld und auch ein Rendezvous zuvor mit Sportdirektor Max Eberl. Der hatte dabei alle Register gezogen: „Er hatte sogar Unterlagen dabei.” Eberls „Vision” (Meeuwis) imponierte dem Niederländer so sehr, dass er sogar mit in die Zweite Liga gegangen wäre.

„Pascht scho” sagt der Österreicher. Und das mögen alle Beteiligten empfunden haben, Eberl, der in seiner aktiven Zeit auch immer ein Team-Player gewesen war, Meeuwis, der es bevorzugt, wenn der Torjubel nicht zum Ego-Trip verkommt, und auch Michael Frontzeck, der damals noch gar nicht da war, aber als Trainer überzeugter Kollektivist ist. Die ersten zwei Pflichtspiele wird Meeuwis wegen seiner Rot-Sperre für Roda fehlen. Buchstäblich. Aber dann hat Frontzeck einen Sechser, der auf und neben dem Platz viel redet - mit seinen Kollegen. Ein Einzelkind als Gruppenmensch? „Mein Vater hat vier Brüder, meine Mutter drei Brüder und zwei Schwestern.” Das Großfamilien-Leben mit den Neffen und Nichten hat geprägt. Auch heute verreist Meeuwis lieber en gros als mit der Klein-Familie.

Mann mit Auge

In Kindheit und Jugend war Meeuwis allerdings ein Hitzkopf. „Wenn es irgendwo Ärger gab, ich war immer dabei.” Heute sei er ruhiger. Geblieben aber ist sein Körperschmuck. Auch das „pascht”: Wie die „Krieger” der Maori (Ureinwohner Neuseelands) hat er seinen Körper mit Tatoos verschönt. Hauptbild ist ein großes Auge, das über den Namen seines Sohnes (2,5 Jahre) wacht: „Seth”, erzählt der Niederländer stolz, „ein ägyptischer Gott”.

Das Auge passt auch hervorragend zu seiner Arbeit: Auf der Position vor der Abwehr wacht er über seine Kollegen, „dort muss man Überblick haben, ahnen, wo der Ball hinkommt und ihn aggressiv erobern”, weiß Meeuwis. Damit Borussias zweite Erstliga-Saison nicht ins Auge geht.
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