Mönchengladbach - Lucien Favre wirft alles in einen Topf...

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Lucien Favre wirft alles in einen Topf...

Von: Bernd Schneiders
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Lucien Favre
Gut, dass Lucien Favre nicht die Auslosung für die Uefa organisiert. Der Trainer von Borussia Mönchengladbach ist ein Verfechter der Ein-Topf-Ideologie. Mannschaften je nach Güteklasse auf vier zu verteilen, wäre schier unmöglich. Foto: dpa

Mönchengladbach. Gut, dass Lucien Favre nicht die Auslosung für die Uefa organisiert. Der Trainer von Borussia Mönchengladbach ist ein Verfechter der Ein-Topf-Ideologie. Mannschaften je nach Güteklasse auf vier zu verteilen, wäre schier unmöglich.

Der Schweizer kennt nur eine Kategorie: gefährlich und schwierig. Davon quillt der Bundesliga-„Eintopf” fast über, siebzehn Mannschaften, also allen Gegnern, wird diese Ehre zuteil. Und so jagen die ehemals allwöchentlichen, nun aber für die nächsten Monate all-halbwöchentlichen Schreckensbilder den Borussen-Fans Schauer über die Rücken.

„Sie sind gut organisiert und kommen schnell zurück”, beschwört der 54-Jährige nahendes Unheil herbei. Der Name des Schreckens ist nicht Olympique Marseille, Fenerbahce Istanbul oder FC Limassol, das Grauen kommt in Gestalt von Fortuna Düsseldorf daher - und das heute schon (18.30 Uhr).

Vergeblich das Bemühen, die Düsseldorfer etwas lieblicher darzustellen. Etwa mit dem Hinweis auf 18 Neue, die sich der Aufsteiger gegönnt hat. Mag seine eigene Mannschaft mit drei „Hinzukömmlingen” noch Schwierigkeiten haben, Fortuna scheint bereits zum Image-Träger der Bundesliga-Stiftung vorgestoßen zu sein: Integration, spielend gelungen. „Es funktioniert schon”, urteilt der Trainer unter dem Eindruck der DVDs über die Siege im DFB-Pokal gegen Burghausen und zum Bundesliga-Auftakt beim FC Augsburg.

Und als sei all dies nicht schon schreckenerregend genug, kommt noch die Erkenntnis: „Es ist immer gefährlich, in der Startphase der Saison gegen einen Aufsteiger zu spielen.” Und ein Mann namens Andrej Woronin hinzu. Der Gladbach-Coach kennt und schätzt ihn aus seiner Berliner Zeit. „Spielintelligent, super Pässe, torgefährlich - er spielt richtig gut Fußball.” Da muss man froh sein, dass Favre mit seinem Team heute zum Derby in der Esprit-Arena überhaupt noch antritt. Immerhin aber lässt sich der professionelle Bedenkenträger auf Nachfrage zu einer beinah verwegenen Aussage hinreißen: „Wir haben gegen keine Mannschaft der Welt Angst.”

Da ist man froh, wenn es Menschen gibt, die der fast aussichtslosen Aufgabe in der Landeshauptstadt ganz pragmatisch positive Aspekte abgewinnen. „Das ist doch gut - wir müssen nicht fliegen”, sagt Roel Brouwers. Und das versucht dann sein Trainer noch zu toppen. „Wir müssen nicht so weit laufen”, findet auch Favre ein gutes Haar in der Fortuna-Suppe. auch wenn der Niederländer Brouwers den Schweizer noch dazu überreden wird, doch lieber den Bus zu nehmen - nicht nur, weil direkt neben dem Stadion die Caravan-Messe stattfindet.

Zu den Gegnern in der Gruppenphase der Europa League wird Mönchengladbach wie gegen Kiew mit dem Flieger reisen. Auch nicht gerade mit rosigen Aussichten, wie „Ein-Topf-Anhänger” Favre verkündet: „Marseille und Fenerbahce sind zwei Top-Mannschaften, und auch Limassol ist sehr gut.” Trotz aller zurückliegender Titel und Triumphe im europäischen Wettbewerb ist Borussia ein Grünschnabel auf dieser Ebene, was sie schmerzhaft im Hinspiel gegen Dynamo Kiew zu spüren bekam. „Es ist immer schwer gegen Mannschaften, die sich daran gewöhnt haben”, sagt Gladbachs Trainer. Doch der Sieg im Rückspiel deutete einen Lernprozess an.

Und bis zum 20. September zum Auftakt auf Zypern lässt sich dies sicherlich ausbauen. Speziell von einem Ausbilder wie Lucien Favre. Dessen Gedanken bewegen sich immer noch auf allerhöchstem Niveau.

Etwa beim Thema „hoch stehen gegen Düsseldorf”. „Ich hoffe nicht, dass wir die Tore bekommen, die Barcelona im Supercup gegen Real kassiert hat.” Konter also, aber eben gegen Real und nicht Fortuna. Mann sollte manchmal eben doch nicht alles in einen Topf werfen . . .
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