Mönchengladbach - Logan Bailly: „Wir riskieren auch unseren Kopf”

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Logan Bailly: „Wir riskieren auch unseren Kopf”

Von: Bernd Schneiders
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Seine Reflexe begeistern: Borussias neue Nr. 1 Logan Bailly. Foto: imago/pmk

Mönchengladbach. Jos Luhukay rechnet vor einer Saison akribisch aus, wieviele Tore jeder Offensivspieler erzielen soll. Das hat - für die Zweite Liga - hervorragend geklappt. Sein Nachfolger Hans Meyer ist der Abteilung Torverhinderung stärker verhaftet. In seiner Hochrechnung muss etwa ein Torhüter etliche (ab sechs aufwärts) Punkte gewinnen bzw. festhalten.

Geht´s danach, dann hat Logan Bailly bereits eine soliden Grundstock gelegt: ein Punkt gerettet gegen Hoffenheim (1:1); vor allem aber einen bei Werder Bremen (1:1). Dort hat sich Borussia Mönchengladbachs neuer Torhüter mit einer Unzahl an Paraden einen Bonus verdient. Doch der Belgier rechnet anders. Selbst ein 3:2 über Hannover 96, sein erster „Dreier” im Rauten-Trikot, befriedigt ihn nicht. „Ein zu Null ist immer ein Extra-Punkt für einen Keeper. Der Sieg war super, aber die zwei Gegentore mindern etwas meine Bilanz.”

Tabelle vorher unbekannt

Aber eigentlich musste der 23-Jährige ja gewusst haben, auf was er sich einlässt, als er dem Wechsel von Genk zum Niederrhein zustimmte. Der ambitionierte Torhüter heuerte bei der Bundesliga-Elf mit der schwächsten Abwehr an. Womöglich ein Kriterium für einen Profi, der extrem ehrgeizig ist und als Fußballer weiterkommen möchte? In der Schießbude der Liga gibt´s keine Kurzarbeit. Doch Bailly betont: „Ich habe die Tabelle nicht vorher studiert.”

Seine Entscheidung war ein Gemisch: „Borussia hat einen sehr guten Namen, die Bundesliga ist sehr attraktiv, und ich wusste, dass ich mich hier wohlfühlen würde.” Deshalb schlug er Angebote aus einem anderen Nachbarland aus - ungewöhnlich für einen Wallonen. Maloche am Niederrhein statt Savoir vivre in Frankreich. Bailly ist bekannt, dass Torhüter halt verrückt sind. „Das ist überall so. Wir riskieren halt auch unseren Kopf.” Und das macht er im buchstäblichen Sinne. Wie einst gegen den SC Charleroi, als er nach einem Zusammenstoß mit Akpala bewusstlos zu Boden ging. „Ich habe keine Angst”, konstatiert Bailly, der in Cheratte, einem Lütticher Kohleviertel als der Mittlere von drei Brüdern groß wurde, lakonisch.

Papa Patrick war auch Torhüter, und so gab es für Jung-Logan keine Alternative: Mit fünf stand er bereits zwischen den Pfosten. Und mit 23 war er schon „Patron” (Bailly) der jungen Genker Mannschaft. Deshalb sieht er auch keine Seelenverwandtschaft mit Torhütern wie Jens Lehmann oder Ex-Bayern-Keeper Oliver Kahn, die auch schon mal den eigenen Kollegen an den Hals oder das Stirnband gehen. „Ich bin eher ruhig - auch außerhalb des Sports.”

Nicht aber bewegungsreduziert: „Ich war immer unterwegs, immer in action”, erzählt er aus seiner Kindheit. Seine überragenden Reflexe sind geblieben. Doch auch die können schon mal versagen. Wie beim Zusammentreffen mit seinem besten Freund, Michael Recloux. Den Ausflug in den Boxring bezahlte Bailly mit einem klassischen K.o. „Er war sehr vorsichtig. Aber dann hat er mich genau auf der Stirn getroffen. Ich hörte nur noch die Engel singen”, beschreibt er sein erstes und letztes Sparring.

Hobbies braucht er nicht. „Ich habe meine Tochter Destiny und meine Frau.” Und wenn er zuhause ist, bleibt auch der Fernseher im frisch bezogenen Haus in Mönchengladbach aus. Selbst, wenn Champions League ist. „Du brauchst diese Barriere zwischen Beruf und Privat”, erklärt er. Introvertiert aber ist er keineswegs. Seine Unterwäsche-Fotos brachten ihm 2007 den Titel als Belgiens „sexiest Fußballer” ein. Für seinen Sponsor Bikkemberg, einem belgischen Sportmode-Label, will er auch weiter auftreten. Ansonsten aber ist er seit der Geburt der heute dreijährigen Tochter ruhiger geworden.

Bailly ist kein Beckham für Arme, auch wenn er konstatiert: „Etwas Glamour gehört heute zum Geschäft.” Auch die Risikosportarten wie Boxen verkneift er sich. Lieber geht er bowlen, „mit der ganzen Familie in Mönchengladbach”, wie er betont. Und schützt dabei sogar seine wichtigsten Werkzeuge - „meine Finger mit Vaseline.”
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