Lizenz beantragt: Zwei neue Alemannia-Konkurrenten aus der Region?

Von: Günter Kirschbaum
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Mit klaren Vorstellungen vor dem Abenteuer Regionalliga: Günter Stroinski, der Vorsitzende des FC Wegberg-Beeck. Foto: Günter Kirschbaum
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Räumt Wegberg-Beeck die größten Chancen auf den Aufstieg ein: Arnoldsweilers Vorsitzender Josef Möthrath. Foto: Günter Kirschbaum

Wegberg/Düren. In den letzten beiden Jahren haben die Vereine der Fußball-Mittelrheinliga dankend abgelehnt. Bis auf Hilal Maroc Bergheim in der vergangenen Saison hatte kein Klub die Regionalliga-Lizenz beantragt. Und die Bergheimer scheiterten als Achter der Abschlusstabelle an der sportlichen Qualifikation.

Für die kommende Spielzeit haben jedoch gleich drei Vereine aus dem Bereich des Fußball-Verbandes Mittelrhein (FVM) fristgerecht zum 15. März die Zulassung für die Vierte Liga beantragt. Die ersten Drei der aktuellen Tabelle: FC Wegberg-Beeck, Viktoria Arnoldsweiler und der FC Hennef. Der Bonner SC hatte kurz vor der Deadline kein Interesse mehr.

Sechs Punkte Vorsprung

Sowohl beim FC Wegberg-Beeck als auch bei Viktoria Arnoldsweiler war allein die sportliche Perspektive ausschlaggebend. „Einmal mit Vereinen wie Alemannia Aachen auf Augenhöhe zu spielen, ist schon ein Traum“, schwärmt Josef Möthrath, der Vorsitzende in Arnoldsweiler. „Unsere Mannschaft hat die beste Vorrunde gespielt, seitdem wir in der Mittelrheinliga sind. Und wir haben den besten Kader, den wir je hatten.“

Den Ausschlag für die Beantragung der Lizenz ist beim FC Wegberg-Beeck ähnlich. „Zwei Jahre lang haben wir der Mannschaft mitgeteilt, dass der Verein keine Lizenz beantragt, weil noch andere Dinge zu zahlen sind“, holt Vereinschef Günter Stroinski etwas weiter aus. Das ist mittlerweile aber erledigt. „Die Jungs, die wir im Kader haben, sind nicht uninteressiert, einmal Regionalliga zu spielen. Also haben wir gesagt, versuchen wir es.“

Aktuell liegen die Arnoldsweiler auf Platz zwei. Sechs Punkte hinter Spitzenreiter Wegberg-Beeck und einen Zähler vor Hennef. „Arnoldsweiler schätze ich als den gefährlichsten Gegner ein“, sagt Stroinski. Und bei Viktoria gibt man den Beeckern die größten Chancen auf den Titelgewinn und den Aufstieg.

Soweit sind die Voraussetzungen vergleichbar. Dann trennen sich die Profile der Klubs. Während Wegberg-Beeck auf einer eigenen modernen Anlage spielt, versprüht das Bertram-Möthrath-Stadion den Charme der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Nur der neue Kunstrasenplatz fällt da aus dem Rahmen. Doch wie Josef Möthrath betont, sprach sich der Rat der Stadt Düren dafür aus, die alte Westkampfbahn für rund 1,8 Millionen Euro aufzuhübschen. Möglicherweise ist künftig dort die neue Heimstatt des klassenhöchsten Vereins Dürens.

Die eigene Anlage für ein Jahr regionalligatauglich zu machen, traut sich Möthrath mit seinem Team schon zu. „500 bis 2000 Zuschauer zu bekommen“, so der Vorsitzende, „ist kein Problem. Wir haben auch die Möglichkeit, einen separaten Block und Eingang für die Gästefans zu schaffen.“ Für die sogenannten Risikospiele ist die Arnoldsweiler Anlage allerdings kaum geeignet. Dafür muss sich die Viktoria ein Ausweichstadion suchen.

Diese Suche hat Wegberg-Beeck schon hinter sich. Als Alternative für das heimische Waldstadion ist im Lizenzierungsantrag das Rheydter Grenzlandstadion angegeben. Doch Stroinski hofft, nicht darauf zurückgreifen zu müssen. Denn der Verein baut seine Anlage aus. Auf der Gegengerade werden 1400 Kubikmeter des Erdwalls abgetragen, rund 500 Quadratmeter müssen dann gepflastert werden, der Gästeblock wird mit dem vorgeschriebenen 2,20 Meter hohen und 165 Meter langen Zaun umgeben.

Zudem muss auf der Tribüne neben der Sprecherkabine ein Kontrollraum für die Ordnungshüter geschaffen werden. Die Kosten für Baumaßnahmen belaufen sich auf rund 100.000 Euro, von denen ein großer Teil durch Firmen-Sponsoring gedeckt ist. Der Startschuss für den Umbau wird allerdings erst fallen, wenn Beecks Aufstieg feststeht.

Kein Profibetrieb

So ambitioniert die beiden Klubs sportlich auch sind, so wenig sind sie auch bereit, ins wirtschaftliche Risiko zu gehen. „Bei uns wird dann weiterhin drei Mal pro Woche trainiert“, sagt Stroinski. „Wir werden nicht auf Profibetrieb umstellen.“ Maximal 22 Mann stark soll der Kader sein, der Saisonetat wird sich auf eine runde halbe Million Euro belaufen, wovon 150.000 Euro für den Unterhalt der Anlage veranschlagt sind.

„Die Regionalliga würde uns acht bis zehn Prozent mehr kosten als die Mittelrheinliga“, nennt Wegberg-Beecks Präsident Zahlen. „Wir wollen das Risiko so gering wie möglich halten. Ich will nicht, dass die ganze Kiste auseinanderfällt, wenn wir nach einem Jahr wieder absteigen.“

Auch in Arnoldsweiler sollen die finanziellen Auswirkungen beherrschbar bleiben. Dennoch sagt Josef Möthrath: „Ein gewisses Risiko ist dabei.“ Zahlen nennt er allerdings nicht.

 

Hürden nicht mehr so dramatisch

In der Sportschule Wedau wird sich der Lizenzierungsausschuss des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verbandes (WFLV) die Anträge des Regionalliga-Aspiranten ansehen. „Dann werden den Klubs Bescheide zugeschickt, wenn sie nachbessern müssen“, sagt Rolf Thiel, der Staffelleiter der Regionalliga West. „Und wenn alles in Ordnung ist, müssen sie nur noch Meister werden.“

Thiel, der auch Vorsitzender des Spielausschusses des Fußball-Verbandes Mittelrhein (FVM) ist, hat noch keinen genauen Überblick, wie viele Klubs tatsächlich aufsteigen wollen. Der Kölner findet es aber „sehr gut, dass sich endlich wieder Klubs aus dem Mittelrhein beworben haben“. Allerdings, so schiebt Thiel nach, seien die Zulassungsbestimmungen „nicht mehr so dramatisch wie noch vor drei Jahren“.

Dennoch sind die Hürden, die die potenziellen künftigen Viertligisten zu meistern haben, immer noch respektabel. So schreibt die „Anlage 1 zu den Richtlinien für das allgemeine Zulassungsverfahren“ Mindest-Standards in den Bereichen Finanzen, Stadion, Trainer, Jugend und Vereinsbeauftragte vor.

Finanzen: Jeder Verein hat eine Kaution in Höhe von 35.000 Euro zu hinterlegen.

Stadion: Neben den Sicherheitsbestimmungen ist eine Kapazität von mindestens 2500 Zuschauern, darunter mindestens 100 Sitzplätze, Pflicht. Es müssen ein Standplatz für eine TV-Kamera und Arbeitsplätze für Medienvertreter eingerichtet werden.

Trainer: Für den Übungsleiter ist die A-Lizenz Voraussetzung.

Vereinsbeauftragte: Für die Bereiche Sicherheit, Fans und Medien muss jeder Klub Beauftragte benennen.

Jugend: Über mindestens fünf Jugendteams muss jeder Regionalligist verfügen. Dabei ist es Pflicht, die A-, B- und C-Juniorenklassen besetzt zu haben.

Sicherheit: Für die Gästefans ist ein separater Bereich und ein eigener Eingang vorzusehen. Zudem muss jeder Klub ein Ausweichstadion benennen, falls ein Spiel aufgrund der Sicherheitsvorgaben der zuständigen Behörden nicht im eigen Stadion ausgetragen werden kann.

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