Mönchengladbach - Levels: „Tribünen-Publikum ist nur noch negativ”

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Levels: „Tribünen-Publikum ist nur noch negativ”

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Gladbachs echter „Eingeborener”: Tobias Levels. Foto: imago/Simon

Mönchengladbach. Hans Meyer war noch im Amt, als Tobias Levels seinen Urlaub angetreten ist. Unser Redakteur Bernd Schneiders zog mit ihm ein Saisonfazit.

Sie haben am Samstag nach dem 1:1 am heftigsten gejubelt. Ist das nur Ihr Naturell oder vor allem Ihre Beziehung zum Klub?

Levels: Ich hab´ mich ja nicht selbst gesehen. Aber es wird schon meine enge Bindung zur Borussia gewesen sein. Das gibt es nicht mehr in vielen Vereinen. Aber bei uns kommt es in der letzten Zeit wieder öfter vor.

Die Verweildauer der Spieler wird immer kleiner, sind solche Beziehung in Zeiten der Professionalisierung noch wichtig?

Levels: Das muss so sein. Genau das zeichnet eine gute Jugendarbeit aus, wie bei uns eben. Für den Identifikationsfaktor der Fans mit dem Klub und den Spielern ist das ungemein wichtig.

Haben Sie sich vorgestellt nach dem recht souveränen Aufstieg, dass es in der Ersten Liga so schwierig sein würden?

Levels: Wir hatten zu Anfang der Saison große Probleme und sind nicht richtig in Tritt gekommen. Und wenn du einmal drinsteckst, ist es ganz schwierig wieder rauszukommen. Dass wir es dennoch geschafft haben, spricht für die Mannschaft.

Es waren in der Mannschaft, die gegen Dortmund begonnen hat, nur noch drei Spieler aus der Aufstiegsmannschaft. Hätte man den Schnitt ganz unsentimental eher machen müssen?

Levels: Der Verein hat die Entscheidungen getroffen - und wir sind stabiler geworden.

Sie hatten in der Anfangsphase auch nicht viele Einsätze.

Levels: Unter Luhukay war die Hinrunde für mich nicht befriedigend. Aber ich bin weiter drangeblieben, habe weiter gearbeitet. Unter Hans Meyer habe ich dann wieder meine Chance bekommen.

Sie kommen mit solchen Durststecken offenbar gut zurecht. Weil Sie ein Kämpfer sind?

Levels: Ich weiß, dass es gute wie schlechte Zeiten gibt. Da muss man einfach dranbleiben.

Sie sind dann plötzlich auf der linken Seite und im Mittelfeld gelandet.

Levels: Damit hatte ich auch nicht gerechnet. Aber da, wo ich spiele, gebe ich Gas.

Etliche aus der Aufstiegsmannschaft mussten im Winter gehen. Auch Sie waren ein Teil der Gemeinschaft. Ist das hart?

Levels: Das ist bitter. Fakt aber ist, es hat vorher nicht geklappt. Und es ist doch kein Kindergarten, wo man sagen kann: Wir mögen uns alle so sehr, bleiben zusammen und steigen gemeinsam wieder ab! Es war klar, dass personelle Veränderungen getroffen werden mussten.

Trotzdem hat es einen so genanten Beschwerdebrief einiger Spieler gegeben.

Levels: Das ist Geschichte. Mit so einem komischen Brief will ich mich nicht mehr beschäftigen.

Zwischendurch hatten Sie auch unter Hans Meyer eine Pause.

Levels: Es ist eine große Enttäuschung, wenn man zwei oder vier Spiele nicht mehr dabei ist. Aber das muss man annehmen.

Das hört sich so abgeklärt an?

Levels: Es wird keinen Trainer der Welt geben, mit dem ich Probleme habe. Ich konzentriere mich nur auf mich.

Zuletzt heiligte der Zweck die Mittel. Hans Meyer wollte eigentlich einen ganz anderen Fußball, und auch der Name Borussia steht für einen offensiven Fußball.

Levels: Auch da werden wir versuchen, nicht abzusteigen. Vielleicht können wir es diesmal weniger spannend machen. Wir werden uns als Mannschaft sicher weiterentwickeln. Aber man soll endlich aufhören mit dieser nostalgischen Haltung. An Erwartungshaltungen sind wir oft genug gescheitert. Wir sollten ohne Spinnereien in die Saison gehen.

Auch das Publikum scheint immer ungeduldiger zu werden, immer schneller zu murren.

Levels: Das ist nicht nur in Mönchengladbach, sondern generell in Deutschland so. 60 Prozent fühlen sich nur noch als Fußballlehrer und sind nicht bereit, ihre Mannschaft 90 Minuten zu unterstützen. Nachher sollen sie ja ruhig kritisieren. Damit meine ich nicht unser Fans in der Kurve. Aber das Tribünen-Publikum ist nur noch negativ eingestellt, es gibt nur noch negative Emotionen. Das ist unheimlich schade. Wenn man das mit England vergleicht: Da gibt es keinen Pfiff und kein Buh.

Der Einfluss ist also enorm?

Levels: Man sollte dem Publikum nicht zuviel Macht einräumen, weder als Spieler noch als Kollektiv.

Was war ihr persönlich bitterster und was Ihr schönster Moment?

Levels: Bestimmt das Pokalspiel in Cottbus. Da haben wir schlecht gespielt, und ich natürlich erst recht.

Und der positive Höhepunkt?

Levels: Auch in Cottbus. Als Dante in der letzten Minute das 1:0 köpfte. Da weiß man, warum man Fußball spielt und so viele Dinge auf sich nimmt.

Sie haben in der Rückrunde verlängert. Hätten Sie das auch in der Anfangsphase der Saison gemacht?

Levels: Das ist spekulativ. Ich habe es mit dem Gedanken gemacht, dass hier für mich eine optimale Entwicklung möglich ist. Dazu kommt natürlich auch die emotionale Bindung.

Für die neue Saison aber wünschen Sie sich mehr Einsätze?

Levels: Ich bin jetzt drei Jahre Profi. Ich weiß, was ich kann. Und ich will mich weiterentwickeln. 34 Spiele wären das Optimum, aber das ist nicht planbar.

Im Mittelfeld habe Sie Ihre stärksten Spiele absolviert.

Levels: Dort habe ich in der Jugend immer gespielt. Dort fühle ich mich wohl, ich weiß, dass ich dazu die Veranlagung habe und es mir einen Riesen-Spaß macht.

Es gibt andere junge Kollegen, die nicht so abgeklärt damit umgehen, nicht immer zu spielen.

Levels: Jeder ist ein anderer Typ. Aber man sollte mit solchen Dingen nicht an die Öffentlichkeit gehen, sondern immer nur auf sich selbst schauen und mit sich selbst ausmachen.

Wie ist denn Ihr Verhältnis zu Sportdirektor Max Eberl?

Levels: Wir haben eine sehr gute Beziehung, da er mich schon aus der Jugend kennt.

Und Sie auch deshalb so schätzt, weil Sie ein ähnlicher Wadenbeißer und unangenehmer Gegenspieler sind wie er es einmal war?

Levels: Möglich. Aber mit einem großen Unterschied: Ich habe schon ein Tor gemacht.
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