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Kuranyis „Rache” bringt nicht nur Brouwers aus dem Tritt

Von: Bernd Schneiders
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Auf Biegen und Brechen: Kevin Kuranyi und Roel Brouwers begegneten sich regelmäßig und häufig ging es dabei nicht sehr sauber Foto: dpa

Gelsenkirchen. „Und natürlich viel Glück für nächsten Samstag”, verabschiedete sich Felix Magath auf dem Pressekonferenz-Podium süffisant vom Trainer-Kollegen Michael Frontzeck. Über dessen Kopf war für Sekunden ein Sprechblase zu sehen: „... und so einen Schiedsrichter!”

Borussia Mönchengladbachs Trainer blieb aber in Wirklichkeit stumm. Anders als wenige Minuten zuvor. Bei seiner Analyse der 1:3-Niederlage auf Schalke mochte er nicht schweigen. „Sie werden nie von mir hören, dass wir deshalb das Spiel verloren haben.”

Das „Deshalb” hat einen Namen: Deniz Aytekin. Dabei hatte der 31-jährige Schiedsrichter durchaus seine Sympathien paritätisch verteilt. Leider aus Sicht der Mönchengladbacher Verantwortlichen zeitlich gestaffelt: Als er seine regel-interpretatorische Waage auch mal zugunsten der Gäste sich neigen ließ, stand es bereits 3:1 für die Bayern-Jäger - und das Spiel befand sich in Halbzeit 2.

„Nach dem 3:1 muss er nicht mehr halbherzig für uns pfeifen”, kartete Frontzeck nach. „Durch seine Entscheidung - eigentlich waren es zwei - hat er das Spiel in eine andere Richtung gelenkt.” Nach dem 1:1 hatten die Mönchengladbacher die Abwehr der Schalker, Heiko Westermann war kurzfristig mit einer Grippe ausgefallen, ein ums andere Mal in Verlegenheit gebracht. „20 Sekunden” in der Zeitrechnung von Max Eberl aber brachten seine noch junge Mannschaft vom Erfolgswege ab. Nach einem wohl auch unberechtigten Freistoß für Schalke stützte sich Kevin Kuranyi bei Roel Brouwers auf - statt Freistoß entschied der gelernte Betriebswirt Aytekin auf Eckball. Derart ermutigt legte Kuranyi gleich noch mal nach: Diesmal stieß er Gladbachs Innenverteidiger in den Rücken - Jefferson Farfan konnte dadurch Sekunden vor der Pause Schalke erneut in Führung bringen. „Er hat mich auch einmal geschubst - und es hat keinen Elfmeter gegeben”, grinste Kuranyi über seinen Doppel-Decker-Einsatz. „Wenn wir mit dem 1:1 in die Halbzeit gegangen wären, hätten die Schalker mächtig was zum Grübeln gehabt”, entwarf Michael Frontzeck ein anderes Spiel.

Bank-Arsenal fehlt

Als direkt nach dem Wiederanpfiff Ivan Rakitic, der bereits das 1:0 durch einen brillanten Schuss in den Winkel besorgt hatte (8.), einen von Dante am eingewechselten Gavranovic produzierten Strafstoß verwandelte, „da war der Hafer geschnitten” (Max Eberl).

Die junge Mannschaft von Michael Frontzeck ist noch nicht soweit, sogar noch nach einem 1:3 zurückzukommen. Erst recht nicht bei einem Gegner wie Schalke. „Dann haben sie ihr Spiel”, sagte Frontzeck. Und Gladbachs Trainer hatte obendrein nicht mehr das Arsenal auf der Bank, aus dem er vor Wochen noch schöpfen und Spielen eine Wendung geben konnte. Damals bildeten Rob Friend und Karim Matmour einen zweiten Sturm, der für frischen Wind sorgen konnte.

Und erst jetzt spielte der Tabellenzweite seine Qualitäten aus und war dem vierten Treffer näher als Gladbach dem Anschlusstreffer. „Das haben sie clever runtergespielt und aufgrund der zweiten Halbzeit ist der Sieg nicht unverdient”, urteilte Michael Frontzeck.

Erneut stellen sich die Verdienste der Borussia nur virtuell dar. In der Auswärtstabelle rutschte der Tabellenzwölfte gar auf den letzten Platz ab (10 Punkte). Inhalte werden im Fußball zwar goutiert, nicht aber in Zahlen manifestiert. Und so muss die Elf vom Niederrhein erleben, wie selbst der Erzrivale 1. FC Köln vorbeizieht. Da schmälert das Potenzial der Mannschaft keineswegs. Und dafür steht symbolhaft Raul Bobadilla, der auf seine typische bullige Art den Ausgleich erzielte (16.). Wie der junge Argentinier die Abwehrrecken Bordon und Höwedes in der Luft gleich im Doppelpack bezwang und sich auch vom herausgeeilten Schalke-Keeper Manuel Neuer nicht aufhalten ließ - ein Versprechen für die neue Saison. Bobadilla ist erst 22, und wenn es Max Eberl erneut gelingt, auch seinem Jung-Stürmer einen neuen, gestandenen Kollegen an die Seite zu stellen, der nicht nur trifft, sondern auch den Argentinier noch besser macht, könnte der Ertrag ab dem Sommer größer werden. Mit Dante ist das dem Sportdirektor bereits gelungen. Brouwers wurde auch durch den Brasilianer zu einem erstklassigen Innenverteidiger. Und so wundert es Eberl auch nicht, dass Dante angeblich beim HSV im Gespräch ist: „Es braucht kein Klub anzurufen. Wir müssen keine Spieler verkaufen - und wir brauchen das Geld auch nicht.”
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