Keine Hilfestellung für Patrick Herrmann

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
Herrmann
Noch nicht in Bestform: Gladbachs Flügelflitzer Patrick Herrmann. Foto: dpa

Mönchengladbach. Es ist schön, wenn Trainer treu sind. Ihrem Verein gegenüber, aber auch ihren Spielern. Das drückt sich oft in der allwöchentlich identischen Aufstellung aus. Lucien Favre ist ein extrem treuer Trainer. Wenn ihn die Verletzung von Borussia Mönchengladbachs Kapitän Filip Daems nicht dazu gezwungen hätte, wäre auch gegen Eintracht Braunschweig die Startelf die der letzten Wochen gewesen.

Doch die Verletzung des Belgiers spülte Oscar Wendt in die erste Elf des Fußball-Bundesligisten. Beim FC Augsburg darf heute (20.30) der Schwede wieder ran, Daems fällt weiterhin mit Muskelproblemen aus.

Auch ein weiterer Wechsel ist nicht freiwillig: Granit Xhaka muss eine Gelb-Sperre abbrummen. Harvard Nordtveit wird den Schweizer auf der Doppel-Sechs ersetzen.

Diese Untreue ist also erzwungen. Womöglich dauert es nicht mehr lange, und Lucien Favre muss den dritten Wechsel vornehmen - diesmal vorsätzlich. Denn neben der Treue existiert noch eine weitere Tugend bei der Trainer-Arbeit: die Glaubwürdigkeit.

Vier, fünf Mal kann man über einen schwächelnden Spieler die Hand halten, in der Hoffnung, er kraxelt eigenfüßig aus dem Leistungsloch wieder raus.

Doch irgendwann sagen nicht nur die Reservisten, aus deren Pool der Coach sich den Vertreter aussuchen würde, sondern auch die Stammspieler: Wird hier nicht mehr nach Leistung aufgestellt? Lucien Favre hat dieses Kriterium häufig genug betont, bereits im Vorfeld der Saison, als es um den Stellenwert seines von vielen als Lieblingsspieler apostrophierten Raffael ging.

Auch der Brasilianer bekäme keine Geschenke, erklärte Favre damals. Mittlerweile muss sich aber Patrick Herrmann übermäßig beschenkt fühlen. Borussias wieselflinker Rechtsaußen läuft seit Saisonbeginn seiner Form hinterher, widernatürlich nicht im Sprinttempo.

Selbst beim 4:1 über Werder Bremen, zu dem er ein Tor und einen Assist beisteuerte, bot er zuvor genügend Anlässe, aus dem Spiel genommen zu werden. Die beiden "Ausreißer" übertünchten die erneut erschreckend schwache Vorstellung. Dabei hat der gebürtige Saarländer großartige Anlagen.

Doch die sind derzeit verschüttet. Das weiß er selbst, er gehört erfreulicherweise nicht zur weit verbreiteten Kaste der Jungstars, die neben ihrem Talent besonders auch durch die Unfähigkeit zur Selbstkritik auffallen.

"Ich weiß, dass ich mich steigern muss", beteuerte er etwa nach dem Sieg über Werder, ohne sich hinter seinen zwei guten Momenten zu verstecken. Er braucht Räume Doch die versprochene Verbesserung ist nicht einfach, was die Auftritte in Hoffenheim und gegen Braunschweig bestätigten.

Neben der persönlichen Schwächel-Phase, für einen 22-Jährigen immer noch natürlich und legitim, bereitet Herrmann die modifizierte Spielanlage Probleme. Er ist kein Kombinationskünstler. Der gebürtige Saarländer lebt von seinen Sprintfähigkeiten.

Dazu benötigt er aber Räume, die ihm die Konterhaltung vergangener Spielzeiten reichlich bot. Mit der Dominanz aber erhöht sich auch der Anspruch an den Lückenstoßer: Gladbachs Flachpass-Maschinerie erschwert das Kreieren und Erkennen von Durchbrüchen der zurückgedrängten und verdichteten Abwehrreihen der Gegner.

Seine Technik ist nicht so ausgefeilt wie etwa bei Raffael, der Ball springt ihm unter erschwerten Bedingungen häufig mal zu weit vom Fuß. Und die Lücken, die sich ihm zuvor unübersehbar auftaten, muss er jetzt selbst schaffen und den richtigen Moment abpassen, hineinzustoßen.

Nun könnte nach den negativen Auswärtserfahrungen - alle drei Spiele verloren - die Rückkehr zu einem Kontersystem logisch und die Rettung für ihn sein. Doch Lucien Favre reagiert erschrocken und empört auf diesen schier unsittlichen Vorschlag: "Wir wollen das nicht!" Auch nicht auswärts.

Patrick Herrmann muss sich also sputen mit seiner Anpassung an den aktiven Fußball. Wenn es für Augsburg nicht bereits zu spät ist ...

Mögliche Aufstellung: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Nordtveit, Kramer - Herrmann (Hrgota), Arango - Raffael, Kruse

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