Mönchengladbach - Kein Prickeln in Gladbach

Kein Prickeln in Gladbach

Von: Heribert Förster
Letzte Aktualisierung:

Mönchengladbach. Das Stadion - seit Monaten ausverkauft. Die Stimmung in der Stadt - explosiv, angespannt, prickelnd. So muss es sein, wenn in der Fußball-Bundesliga das rheinische Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln auf dem Spielplan steht. So war es - in der Vergangenheit. So ist es in diesem Jahr - nicht.

Das Derby 2011: Es gibt tatsächlich noch Karten für die Partie am Sonntag (15.30), und die Stimmung in Mönchengladbach tendiert Richtung Resignation. Dabei ist der Klassenerhalt, nun ja, noch möglich. Rein rechnerisch, rein theoretisch. Rein sportlich - kaum noch.

Für Theoretiker: Heute verliert Wolfsburg auf Schalke, morgen St. Pauli in Leverkusen. Denkbar, ja, sogar gut möglich. Und Borussia gewinnt gegen den FC. Weil hier gerade der theoretische Teil beschrieben wird: Gegen keine andere Mannschaft hat die Borussia mehr Liga-Siege gefeiert, 41 in bisher 78 Derbys.

(Gewagte) Theorie für Träumer, Teil II. Die Borussia feiert erstmals in dieser Saison zwei Siege in Folge (Sonntag und kommenden Freitag in Mainz), Wolfsburg und St. Pauli spielen gegeneinander tagsdrauf Unentschieden, und alle drei Klubs wären punktgleich.

Schöne grün-weiße Theorie. Die düster-graue Wirklichkeit sieht anders aus. Warum sollte die Borussia ausgerechent jetzt erstmals seit November 2009 (2:1 in Frankfurt, 1:0 gegen Schalke) wieder zweimal in Folge gewinnen? Es gab in den letzten Wochen keine wirklich erfolgversprechenden Anzeichen.

Sicher, Max Eberl hat recht, wenn er sagt, „ich denke, wir spielen eine ordentliche Rückrunde” (13 Punkte, Platz 11). Doch der Sportdirektor weiß nur zu gut, dass nach der desaströsen Hinrunde eine ordentliche Rückrunde nicht reichen wird. Aber wo ist der Pepp, das Unerwartete, das Überraschende? Wo das Spektakuläre, das Außergewöhnliche? Borussia spielt mit, gewinnt mal, verliert mal - aber sehen die Auftritte nach Abstiegskampf aus?

Vielleicht ist die Mentalität von Borussen-Spielern generell nicht so, dass man sich immer bedingungslos wehrt. Schon bei den Abstiegen 1999 und 2007 war ein Aufbäumen wie zumindest 1998, als der fast schon besiegelte Abstieg am letzten Spieltag mit dem 2:0 in Wolfsburg vermieden werden konnte, nicht zu sehen. Mit jeweils acht Punkten Rückstand auf den Vorletzten ging es sang- und klanglos eine Etage tiefer.

Das Déjà-vu droht wieder, und bei einer Niederlage morgen, ist der Abstieg besiegelt, allen Eberlschen Wortspielen zum 29. Spieltag zum Trotz: „Dortmund wird noch nicht Meister, und wir steigen noch nicht ab.”

Borussias Trainer Lucien Favre hat sein Wortspielchen nicht mehr betrieben. Gerne hat der Schweizer in der jüngeren Vergangenheit erzählt, wie viele Punkte noch zu verteilen seien. Jetzt spricht er nicht von diesen 18 Zählern, er sagt klipp und klar: „Wir müssen gewinnen. Punkt!” Seine Forderung an die Mannschaft, in der Rekonvaleszent Igor de Camargo laut Favre definitiv fehlen wird: „Mehr Bewegung nach vorne, mehr Torchancen kreieren, mehr Ballbesitz.”

Dafür sei „die richtige Bewegung wichtig”. Favres finales Fazit nach dem 0:1 in München: „Es muss mehr kommen von überall, nicht nur von den Außen.” Es muss mehr kommen, es werden aber keine neue Spieler kommen, Favre ist kein Zocker, kein Freund von Harakiri-Fußball. Dass der so hoch gelobte Marc-André ter-Stegen gegen Köln am Sonntag das Tor hüten wird, steht indes fest. Borussias Zweite spielt schließlich in der Regionalliga auch gegen den FC. Im Borussia-Park dürfte aber weiter Logan Bailly, nun ja, das Vertrauen des Trainers besitzen.

Mit Filip Daems, Marco Reus und Patrick Herrmann stehen gerade noch drei Mohikaner in der Startelf, die beim furiosen 4:0-Triumph im Hinspiel in Müngersdorf die vermeintliche Wende zum Besseren eingeleitet hat. Dieses 4:0 vom 13. November 2010 ist für Borussias Fans gefühlt eine Ewigkeit her - mindestens so lange wie die letzte auch jetzt wieder benötigte Erfolgsserie.

Vom sechsten bis zum zehnten Spieltag in der Saison 2005/06 sammelte die Borussia einmal 13 Punkte in fünf Spielen. Eine solche Wiederholung ist anno 2011 von Nöten, um die (gewagte) Theorie für Träumer, Teil III, Wirklichkeit werden zu lassen.
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