Hannover - Kein Extra-Lob für die Überzeugungstäter

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Kein Extra-Lob für die Überzeugungstäter

Von: Heribert Förster
Letzte Aktualisierung:

Hannover. Der Versuch missglückte. Lucien Favre ließ sich partout kein Extra-Lob, zum Beispiel für Roel Brouwers, entlocken. Der Niederländer hatte nach monatelanger Spielpause - wie schon eine Woche zuvor gegen Borussia Dortmund - im Abwehrzentrum eine blitzsaubere Partie hingelegt.

Mit seinem Partner Martin Stranzl hatte er Hannovers Sturmduo Didier Ya Konan und Mohammed Abdellaoue, beileibe keine Laufkundschaft der Liga, völlig aus dem Spiel genommen. „Er hat wie alle anderen sehr gut trainiert”, sagte Favre. Mehr Lob kam nicht über seine Lippen.

So ist er, der Schweizer, unter dem sich Borussia Mönchengladbachs Spielweise sehr verändert hat. Seit zehn Spieltagen steht Favre an der Seitenlinie, und die Entwicklung der Mannschaft seit dieser Zeit ist sehr gut. Und so reift die Erkenntnis, dass eine frühere Verpflichtung des 53-Jährigen dem Klub noch besser getan hätte. Die Krönung ihrer bisherigen Entwicklung präsentierte die Borussia in Hannover, als sie sich mit dem hoch verdienten 1:0-Erfolg beim Immer-noch-Champions-League-Anwärter die Chance auf ein weiteres Jahr in der Erstklassigkeit bewahrte.

Seine Mannschaft habe „ruhig, mit sehr viel Intelligenz gespielt”, erklärte Favre, für ihn eine Folge der „harten, konzentrierten und mit viel Überzeugung” absolvierten Trainingswoche. Wer so gut und leidenschaftlich trainiere, bekomme Vertrauen in die eigene Stärke, und „dieses Vertrauen brauchst du, um zu gewinnen”.

Der Druck, unbedingt gewinnen zu müssen, wirkte nie lähmend, weil die „Überzeugungstäter” von sich trotz der prekären Situation eben überzeugt sind. Und Favres Erkenntnis unterstreicht jeder Besucher der Spiele gegen Dortmund und Hannover: „Sie können mit dem Druck sehr, sehr gut umgehen.” Die Mannschaft insgesamt lobt Favre gerne.

Lob von Mirko Slomka

Aber trotz zweier zuletzt famoser Leistungen und einer wirklich guten Entwicklung ist der Abstieg Borussias immer noch wahrscheinlicher als der Klassenerhalt über den Umweg Relegation. „Wir müssen unsere Punkte machen, sonst sind wir tot”, sagt der Trainer drastisch. Das Lob des Hannoveraner Kollegen dürfte aber Favres Theorie stützen, nachdem mit zwei weiteren Siegen gegen Freiburg und in Hamburg seine Borussia Rang 16 noch erklimmen könnte. Sichtlich beeindruckt konstatierte Mirko Slomka: „Die Borussia hat sehr diszipliniert gespielt, war sehr zweikampfstark und hat uns mit einer guten Ordnung große Schwierigkeiten bereitet.”

Viel Lob, aber (noch) keine Ehr: Auch nicht für Marco Reus oder den wieder einmal zuverlässigen Torwart Marc-André ter Stegen, der an seinem 19. Geburtstag dank der vorzüglichen Arbeit seiner Vorderleute nur selten eingreifen musste: „So einen geilen Geburtstag habe ich noch nie gefeiert.” Ein bisschen persönliche Euphorie gönnte sich das große Talent, ansonsten gab er das Credo aller Spieler wieder. „Wir müssen weiter diese Kompaktheit an den Tag legen.”

Defensiv war Borussias Auftreten tadellos, zudem kam die Mannschaft fast ohne Fouls aus und vermied so gefährliche Standard-Situationen für Hannover. Offensiv dagegen blieb trotz diverser Möglichkeiten einiges Stückwerk, so dass Favre mehrfach ziemlich heftig an der Seitenlinie reagierte. „Wir waren manchmal zu spät dran, haben mehr Bewegung gebraucht”, gab er Idrissou, Hanke und Co. mit auf den Weg in Halbzeit 2, in der Marco Reus in der 76. Minute das erlösende Siegtor erzielte. Bei seiner noch nicht einmal besten Chance. Doch nach Roman Neustädters im Mittelkreis gewonnenem Kopfball-Duell nahm sich Reus den Ball, lief noch einige Meter und drosch ihn aus gut 25 Metern unter die Latte. „Mit ein bisschen Wut” ob seiner vergebenen Chancen zuvor.

Ein Extra-Lob gab es aber auch für den Torschützen nicht. „Es weiß doch jeder”, sagte Favre, „dass Marco sehr, sehr wichtig für uns ist.”
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