Kapitaler Fehlstart des Projekts Solbakken

Von: Günter Kirschbaum
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Entgeistert: Kölns Sascha Rie
Entgeistert: Kölns Sascha Riether und Torhüter Michael Rensing nach dem zweiten Wolfsburger Foto: imago/TF Photo

Köln. Es waren 90 Minuten, die wieder vieles infrage stellten. Die 0:3 (0:1)-Niederlage des 1. FC Köln gegen den VfL Wolfsburg hinterließ ratlose Spieler, pfeifende Fans und einen Trainer, der den kapitalen Fehlstart auf seine Kappe nahm.

„Es waren nicht die individuellen Fehler für diese Niederlage verantwortlich, sondern ein Fehlverhalten der gesamten Mannschaft”, analysierte Stale Solbakken nach seinem Bundesliga-Einstand. „Und dafür ist der Trainer verantwortlich.”

Ohne Tempo, Dynamik, Kreativität und Selbstvertrauen trabten die „Geißböcke” in ihr Desaster, was nicht alle Spieler so sahen. „Das ging heute ordentlich schief”, räumte Torhüter Michael Rensing zwar ein, schob dann aber nach: „Das sollten wir aber nicht überbewerten. Generell sind wir auf einem guten Weg.”

Das System Solbakken mit seiner grundsätzlich optimistischen Ausrichtung hat sich zumindest in den Spielerköpfen festgesetzt, verstanden haben sie es offensichtlich nicht. Die Räume zwischen den Mannschaftsteilen waren viel zu groß, kaum ein FC-Profi kam rechtzeitig in die Zweikämpfe. „Wir wollen nicht verschieben, sondern die Räume zustellen”, versuchte Solbakkens neuer Stratege Sascha Riether zu erklären, um dann abzubrechen: „Wie das gehen soll, da fragst du besser den Trainer.”

Angst und Fehlpässe

Angst und eine hohe Fehlpassquote wiesen den Wolfsburgern den Weg zur Punkteausbeute. In der 17. Minute leitete Kevin Pezzoni den Ball per Kopf nach hinten weiter, Patrick Helmes bedankte sich mit dem 1:0. Eine Ecke von Marcel Schäfer, die direkt im Kölner Kasten landete, bedeutete die Entscheidung (86.). Nach einem Fehler von Miso Brecko sorgte Helmes für den Endstand (90.+3).

Der FC war nur zwischen der 65. und 80. Minute mehr als ein Sparringspartner und hatte Chancen zum Ausgleich. Doch Adil Chihi drosch die Kugel aus fünf Metern über die Latte (69.), Slawomir Peszko traf nur den Pfosten (74.) und Milivoje Novakovic scheiterte freistehend an VfL-Keeper Benaglio (78.).

Zwei Minuten später verlor der Slowene auch noch die Nerven. Nach einem Körperkontakt mit Marco Russ ging „Nova” im Strafraum zu Boden, forderte Elfmeter und geriet mit dem Wolfsburger verbal aneinander. Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) schickte den Torjäger mit Gelb-Rot vom Platz. Er wird am Samstag im Spiel bei Schalke 04 fehlen. „Es war nicht unser Tag”, befand Solbakken. „Jetzt müssen wir uns für Schalke etwas überlegen.”

Kölns neuer Kapitän Pedro Geromel wehrt sich dagegen, das Projekt Solbakken infrage zu stellen: „Wir haben Qualitäten in der Mannschaft, aber wir brauchen noch Zeit.” Ob der FC-Anhang diese Schonfrist dem Team allerdings noch einräumt, ist nicht sicher. Zu groß waren die Erwartungen, zu groß die Ernüchterung. Wer bis Samstag geglaubt hatte, dass Köln vor einer ruhigeren Saison steht, dem wurden sämtliche Illusionen geraubt. Die ersten Pfiffe ertönten bereits nach 20 Minuten. Der Trainer ignorierte sie. „Ich habe keine Pfiffe gehört”, sagte Solbakken. „Ich habe mich nur auf das Spiel konzentriert.”

Dabei hat er wenig von Lukas Podolski gesehen. In Solbakkens 4-4-2 konnte sich der entmachtete Kapitän bisher nicht besonders produktiv einbringen. „Poldi” wirkte zunehmend lustlos. Und das ist in Köln kein gutes Zeichen.
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