Mönchengladbach - Ist es bei Gladbach wirklich nur die Müdigkeit?

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Ist es bei Gladbach wirklich nur die Müdigkeit?

Von: Bernd Schneiders
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Wahl-Fehler: Lukas Rupp entsch
Wahl-Fehler: Lukas Rupp entscheidet sich für seinen Fuß, verfehlt das leere Freiburger Tor und womöglich das entscheidende 2:0. Foto: Wiechmann

Mönchengladbach. Ein letzter Blick auf den Monitor in der Mixed-Zone, dann ab in den Mannschaftsbus. Doch dann ließ sich Christian Streich beinah zu gerne in eine Verteidigungsrede verstricken. Nicht als Plädoyer für seine Freiburger, die gerade zwei Punkte in Mönchengladbach liegen gelassen hatten.

Der SC-Coach bat nach dem 1:1 um Nachsicht für die Spielweise der Hausherren und ihren Trainer Lucien Favre. „Ihr müsst das verstehen: Sie haben viel an individueller Klasse verloren. Und dann die Pokalniederlage in 120 Minuten in Düsseldorf. Wir wussten, dass sie müde sein würden. Sie sind diesen Dreitage-Rhythmus noch nicht gewohnt.”

Aus diesem Wissen resultierte eine wahrlich bizarres Bild in der ersten Hälfte: Die hinterste Linie der Freiburger stand in Höhe der Mittellinie, eine Linie der Favre-Elf ebenfalls - die vorderste! Und das in einem Heimspiel. Darüber hatte sich bereits Armin Veh mokiert, der vor kurzem nach dem fast unbegreiflichen 0:2 mit seinen Frankfurtern im Borussia-Park urteilte: „So etwas habe ich noch nicht gesehen.” Favre will eigentlich auch Ballbesitz und Dominanz und wies einen erneuten Catenaccio-Plan weit von sich - offiziell zumindest. „Keiner plant, tief zu bleiben.”

Die Erklärungsversuche sind nicht neu: „Wir hatten kein Tempo, du musst diese Mannschaft (Anmerkung: Freiburg) destabilisieren, wir konnten die Bälle nicht halten, um die Mannschaft mal atmen zu lassen.” In einer stärkeren Viertelstunde nach der Pause gelang dann Igor de Camargo dennoch die 1:0-Führung (49.), die Daems-Ersatz (Bauchmuskelzerrung) Oscar Wendt schön vorbereitet hatte. Doch die Herrlichkeit war vergänglich, spätestens nach dem Foulelfmeter zum Ausgleich (77./Caligiuri) fiel Borussia in den Spar-Modus zurück - oder musste in ihn zurückfallen. Mit Beton-Klötzen an den Schuhen lassen sich nur sehr schwer Tore erzielen. Gladbach musste den Punkt retten, einen vernünftigen Angriff bekamen sie nicht mehr zustande.

Beim Ausgleich hatte sich Juan Arango als Serientäter erwiesen. Wie in Düsseldorf verursachte er völlig unnötig einen Strafstoß, diesmal als Resultat einer mangelnden Absprache mit Wendt. Die Gladbacher Proteste waren erst heftig, spätestens nach einem Gespräch mit Schiedsrichter Wolfgang Stark aber zeigte sich Max Eberl einsichtig. „Er hat mir gesagt, die Entscheidung war hart, man konnte sie so oder so treffen”, berichtete Borussias Sportdirektor. Abgeklärt urteilte auch Martin Stranzl: „Wenn wir das 2:0 machen, brauchen wir über den Elfer gar nicht zu diskutieren.” Was der Routinier dabei im Sinn hatte, war eine Großchance von Lukas Rupp, der eine Flanke von Patrick Herrmann neben das Tor setzte (55.). „Er hätte den Kopf nehmen müssen”, urteilte Favre beim Studium der TV-Bilder.

Lucien Favre muss auf die Tribüne

Einen eigenen Fehler gab der Fußballlehrer auch zu: Als Stark kurz nach dem 1:1 auf einen Einwurf statt Eckball für Borussia entschied, formte der Schweizer ein Fernglas mit seinen Händen. Den Vorwurf der Sehschwäche wollte der Unparteiische nicht auf sich sitzen lassen und verwies den 55-Jährigen auf die Tribüne. „Das letzte Mal ist mir das mit Hertha passiert. Alle vier Jahre ein Mal - das geht”, schmunzelte Favre.

Eine weitere Parallele etwa zu seinem zweiten Jahr in Berlin zu ziehen, ist unzulässig. Da mag sein Freiburger Kollege noch mal auf den Verlust von Reus & Co. verweisen: Favre hat Verstärkungen bekommen. Freiburg ist nicht der FC Barcelona oder der FC Bayern: Auch mit dem aktuellen Personal kann man einen Gegner der Güte von Freiburg mehr unter Druck setzen. Natürlich steckte der Schweizer vor der Partie in einem Dilemma: Jetzt - und nicht auf Zypern - hätte Favre rotieren müssen.

Jetzt war der Kräfteverschleiß spürbar. Doch das Pflänzchen Gemeinsamkeit, das der Trainer nach zu vielen Versuchen mit seiner Stammelf endlich gefunden hatte, war noch zu zart, um es durch freiwillige Wechsel strapazieren zu dürfen. Aber reicht das als Rechtfertigung, sich in der Konsequenz so weit hinten reinzustellen in einem Heimspiel? Immerhin wäre das allerdings noch besser, als diese Schreckensvision: Favre ist nicht davon überzeugt, mit seinem Personal überhaupt ein Dominanzspiel aufziehen zu können und nutzt das Fehlen von Stoßstürmer Luuk de Jong als Alibi, stattdessen das Konterspiel zu restaurieren.

Sein Kollege dagegen ist überzeugt - von Favre. „Mit 14, 15 Jahren habe ich in der Nähe der Schweizer Grenze gewohnt und ihn im Fernsehen bewundert”, erzählte der temperamentvolle SC-Trainer. „Er war ein so feiner Mittelfeldspieler”, schwärmte Christian Streich und zog sein Augenlid runter, „mit Auge. Deshalb ist er auch ein so guter Trainer...”
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