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Inde Hahn: Drei Spiele bis zum DFB-Pokal

Von: Robert Flader
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Kein Losglück: Trainer Oliver Heinrichs und der FC Inde Hahn gehen am Freitag als krasse Außenseiter in das Viertelfinale des Mittelrhein-Pokals gegen den NRW-Ligisten Germania Windeck. Foto: Robert Flader

Aachen. Oliver Heinrichs findet, dass die Aufgabe, die da auf seine Mannen zukommt, am besten mit einem Vergleich zu beschreiben sei. „Das ist so”, sagt er, „als wenn Alemannia Aachen auswärts bei Real Madrid antritt.”

Heinrichs, Trainer des Bezirksligisten FC Inde Hahn, lässt das einfach mal so stehen. Es entbehrt ohnehin jeder Erklärung, wenn man sich anschaut, mit wem es die Gelb-Schwarzen aus dem Aachener Süden im Viertelfinale des Mittelrhein-Pokals zu tun bekommen: Germania Windeck. „Und dieses Duell”, findet Heinrichs, „ist noch einmal eine Steigerung zu David gegen Goliath.”

Bald in der Regionalliga

Windeck ist aktuell Tabellenzweiter der NRW-Liga und - wenn bei neun Punkten Vorsprung auf Fortuna Köln nicht noch ein mittleres Fußballwunder geschieht - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ab Sommer in der 4., also der Regionalliga West, unterwegs. „Das Los”, sagt Oliver Heinrichs, „hat es absolut nicht gut mit uns gemeint.” Am 15. April um 20 Uhr kommt es zum ungleichen Kräftemessen, bei dem es um nichts Geringeres als den Einzug ins Halbfinale des FVM-Pokals geht.

Doch die Hindernisse sind groß für die Hahner, für die das Erreichen des Viertelfinals schon ein großer Erfolg ist. Drei (Heinrichs: „gefühlte fünf”) Klassen Unterschied, dazu auswärts gegen ein Team, das gespickt ist mit ehemaligen Bundesliga-Spielern. Beispiele gefällig? Mariusz Kukielka, jahrelanger Abwehrchef bei Energie Cottbus, Mittelfeldspieler Thorsten Nehrbauer (Leverkusen, Düsseldorf, Bielefeld, Hannover, Mainz) oder der mittlerweile 37-jährige ehemalige Kölner und Duisburger Torjäger Markus Kurth wirbeln für den NRW-Ligisten.

Nur um ein paar prominente Namen zu nennen. Dass ein erfahrener und 61-facher albanischer Nationalspieler wie Spielmacher Ervin Skela (Cottbus, Frankfurt) seit Kurzem nicht mehr zum Verein gehört, ist für den Inde-Trainer nur ein schwacher Trost: „Das wird schwer genug, vor allem weil es auswärts ist”, sagt Heinrichs, der in seinem elften Jahr als Trainer in Hahn aktiv und seit rund vier Jahren auch Geschäftsführer des Vereins ist.

Das ungleiche Duell: Windeck, das ist einfach so, wird als haushoher Favorit ins Spiel gehen. Der NRW-Ligist ist doppelter Titelverteidiger des FVM-Pokals und nahm in den vergangenen beiden Spielzeiten genau deswegen jeweils an der ersten Runde des DFB-Pokals teil. Die Gegner hießen: FC Schalke 04 und FC Bayern München. Aktueller Pokalfinalist und letzter deutscher Champions-League-Vertreter auf der einen, Rekordmeister und Rekordpokalsieger auf der anderen Seite. Und nun kommt der FC Inde Hahn.

Windeck gegen den FC Bayern

Es war Anfang der aktuellen Saison, im August 2010, als etwa 41.000 Fußballfans Zeugen eines anderen ungleichen Duells wurden, in der der absolute Außenseiter Germania Windeck den FC Bayern München herausforderte. DFB-Pokal, 1. Runde, RheinEnergy-Stadion: Bayern siegte nach einer durchaus ausgeglichenen ersten Halbzeit mit 4:0.

Der NRW-Ligist will um jeden Preis wieder die Hauptrunde erreichen und damit womöglich ein drittes Mal in Folge ein überaus attraktives Los ziehen. Doch dafür müssen sie zunächst den Aachener Bezirksligisten ausschalten, den - im Vergleich - immer noch kleinen Verein aus dem Süden der Kaiserstadt. Oliver Heinrichs drückt es so aus: „Ich glaube nicht, dass einer von Windecks Spielern mit etwas anderes als Fußball sein Geld verdient.” In Hahn spielen, typisch für einen Amateurverein, Studenten, Auszubildende, Kaufleute. Fußball ist nicht alles für sie.

Doch von Zurückhaltung ist in Hahn wenig zu spüren: Vor allem in den vergangenen Jahren raste der Verein sprunghaft nach oben: Aufstieg in die Bezirksliga 2009, fast der Durchmarsch in die Landesliga in der vergangenen Spielzeit und nun die Erfolge im FVM-Pokal. „Auf dem Weg nach Windeck haben wir unter anderem zwei Landesligisten rausgeworfen”, sagt Oliver Heinrichs stolz.

„Bislang das größte Spiel”

Der 40-Jährige macht sich keine Sorgen, dass seine Jungs mit übertriebenem Respekt - oder gar Angst - in das K.o.-Duell in Windeck gehen. „Wir wollen diese Erfahrung jetzt einfach mal machen, das ist auf dieser Ebene das bislang größte Spiel überhaupt für unseren Verein.”

Und trotz der krassen Außenseiter-Rolle: Es soll nicht das letzte Spiel im FVM-Pokal 2011 gewesen sein. „Sollten”, frohlockt Oliver Heinrichs, „wir diese Mega-Sensation tatsächlich schaffen, wartet endlich ein Heimspiel.” Und das bereits sechs Tage später, am 21. April, vermutlich gegen Fortuna Köln. Dann, oben am Kitzenhausweg, auf dem Hahner Kunstrasenplatz. „Das wär doch was”, lacht Heinrichs.

Und: Dass der Gegner den Bezirksligisten nicht unterschätzen wird, weiß Heinrichs: „Windeck hat uns vorher mit Sicherheit beobachtet.” Germania-Trainer Heiko Scholz, ebenfalls ein Kind der Bundesliga, bestätigt: „Ich werde mir den Gegner persönlich anschauen. Gerade weil wir so wenig über Hahn wissen, ist es schon wichtig, sich über diese Mannschaft mal ein Bild zu machen.”

Tipps von Ben Manga

Über mangelnde Informationen kann sich Oliver Heinrichs nicht beschweren: „Ben Manga hat uns verschiedene Tipps zur Grundordnung, zu Standardsituationen gegeben. Und wir werden dementsprechend zwei, drei Sachen im Training einstudieren.”

Manga, Interims-Co-Trainer der Zweiten von Alemannia Aachen, kennt Windeck aus der NRW-Liga. Heinrichs ergänzt: „Windeck wird mit Sicherheit im Hinterkopf haben, dass wir ein Bezirksligist sind und wird nicht so stark spielen wie sonst in der Liga. Die Frage ist, wie wir das ausnutzen können.”

Das Hauptaugenmerk liegt für die Hahner dennoch auf der Liga. „Die Jungs”, sagt Heinrichs, „müssen in dieser Saison auch lernen, mal nach unten zu schauen.” Zufrieden ist er mit dem bisherigen Verlauf nicht. „Wir stehen zwar völlig zurecht im Mittelfeld, doch rein vom Potenzial her haben wir da nichts zu suchen.”

Elfmeter werden trainiert

Das Pokalspiel soll auch deshalb erst wenige Tage vor Anpfiff ins Bewusstsein der Spieler rücken, vorher heißen die Gegner Weiden, Flamersheim und Kall. Doch Elfmeter lässt der Trainer bereits jetzt in jedem Training üben. „Man kann ja nicht wissen, was passieren wird”, flachst Heinrichs.

Ein Spaß wird die zweistündige Busfahrt ins Bergische Land sicherlich nicht, obschon sich der Bezirksligist etwas ausrechnet: „Pokalspiele, in denen Sensationen geschehen”, erklärt Heinrichs, „laufen doch immer nach dem gleichen Muster ab: Der Außenseiter macht das Spiel seines Lebens, hat aber auch eine Menge Glück und der Favorit erwischt eben nicht den allerbesten Tag.”

Und falls das am Freitag der Fall sein sollte, dann sind es für den FC Inde Hahn nicht mehr drei, sondern nur noch zwei Spiele bis zur Jahrhundert-Sensation. Und die trägt den Namen: DFB-Pokal.
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